Migmatit

Migmatitischer Gneis
(Handstück, 10 × 20 cm)

Als Migmatit wurde ursprünglich ein Gestein bezeichnet, welches im Aufschlussmaßstab aus zwei oder mehr petrographisch unterscheidbaren Teilen besteht. Dabei weist ein Teil Merkmale eines metamorphen, ein anderer, meist hellerer Teil, Merkmale eines magmatischen Gesteins auf. Heute versteht man darunter ein partiell aufgeschmolzenes Gestein (oder Anatexit), der helle magmatische Teil stellt die ehemalige, wieder erstarrte Gesteinsschmelze dar.

Gliederung nach Gefüge

Der Bråfallssten in Dalarna.

Nach Mehnert (1968) werden Migmatite nach vier Gefügeelementen unterschieden:

Unterscheidungen nach Metamorphosegrad

Nur partiell aufgeschmolzene Migmatite werden auch als Metatexite bezeichnet. Das sind Gesteine, deren Neosom-Anteile aplitischen, pegmatitischen oder leukogranitischen Typs sind.

In der weiteren Steigerung, fast vollständig aufgeschmolzene Migmatite, die schon fast als magmatisch gelten dürfen, aber noch eine geringe Einregelung zeigen, heißen Diatexite.

Als Syntexis bezeichnet man die Anatexis verschiedener Ausgangsgesteine.

Auftreten und Vorkommen

Das Auftreten von Migmatiten granitischer Zusammensetzung weist auf Minimaltemperaturen der Metamorphose von 650 °C hin. Basische Gesteine schmelzen generell erst bei höheren Temperaturen.

Typisch ist ihr Vorkommen in hochmetamorphen Bereichen von Grundgebirgsbereichen mit älteren, mindestens proterozoischen Gesteinen. Für Europa sind als herausragende Referenzen der Baltische Schild und das Moldanubikum zu nennen.

In Mitteleuropa kommen Migmatite im Schwarzwald vor (besonders am Kandel und am Schauinsland), im Oberpfälzer Wald und im Bayerischen Wald. In den Alpen gibt es tertiäre Migmatite zum Beispiel im Tessin (in der sogenannten Südlichen Steilzone, unmittelbar nördlich der insubrischen Naht) und im Ötztal-Stubai-Kristallin.

Natursteinsorten

Migmatit Aurora aus Finnland

Siehe auch

Literatur

Commons: Migmatite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Karl Richard Mehnert: Migmatites and the origin of granitic rocks. Elsevier, Amsterdam 1968.
  2. ↑ Edward W. Sawyer: Atlas of migmatites. The Canadian Mineralogist, Special Publication, 9, NRC Research Press, 2008