Bei den Ribes-Arten handelt es sich um meist laubabwerfende, selten immergrüne (Ribes viburnifolium) oder fast immergrüne (Ribes speciosum) Sträucher, die Wuchshöhen von 1 bis 1,5 Meter erreichen, oder selten kleine Bäume. Wenige Arten leben als Epiphyten. Meist sind Kurz- und Langtriebe ausgebildet. Ein Teil der Arten ist mit Dornen bewehrt. Die Knospen besitzen papierartige bis krautige Schuppen; in ihnen sind die Blätter meist gefaltet. Die wechselständig und spiralig oder selten zu mehreren zusammengefassten, an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreite ist einfach (Ribes speciosum, Ribes viburnifolium), oft drei- bis fünffach gelappt; bei einigen Arten besitzen sie einen auffälligen Geruch. Nebenblätter fehlen meist.
Generative Merkmale
Es werden meist einfache, traubige, fast sitzende doldige oder schirmtraubige Blütenstände gebildet, bei einigen Arten ist der Blütenstand auf ein bis wenige Blüten reduziert. Unter jeder Blüte befinden sich zwei Tragblätter.
Die Blüten sind zwittrig oder eingeschlechtig; wenn die Blüten eingeschlechtig sind (beispielsweise Ribes diacanthum), dann sind die Pflanzen zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Es ist ein freier Blütenbecher (Hypanthium) vorhanden. Es ist nur ein Kreis mit vier oder fünf fertilenStaubblättern vorhanden. Die radiärsymmetrischenBlüten sind vier- oder fünfzählig im Grundsatz mit doppelten Perianth. Die vier bis fünf, meist kronblattartigen, grünlichen, weißen, gelben, von rosafarben über rot bis purpurfarbenen Kelchblätter sind untereinander und mit der Basis des Fruchtknotens verwachsen. Die Kelchlappen sind aufrecht oder zurückgebogen. Es sind vier oder fünf grünliche, weiße, gelbe, von rosafarben über rot bis purpurfarbene Kronblätter vorhanden oder sie fehlen bei manchen Arten. Es ist nur der äußere Kreis mit vier bis fünf fertilen Staubblättern vorhanden. Bei funktional weiblichen Blüten sind die Staubblätter steril. Zwei Fruchtblätter sind zu einem meist unterständigen, selten halbunterständigen, einfächerigen Fruchtknoten verwachsen und enthalten viele Samenanlagen. Bei männlichen Blüten kann ein Gynözeumrudimentär vorhanden sein. Der Griffel ist zweilappig oder sogar bis zur Hälfte seiner Länge zweigeteilt. Es ist ein prominenter, relativ dicker, dunkelroter, purpurfarbener oder gelber Diskus vorhanden, oder er ist prominent und grünlich. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Entomophilie). Lang- und kurzrüsselige Bienen und Kolibris sind die häufigsten Bestäuber; die Blüten einiger Arten werden von Schmetterlingen besucht.
Auf den saftigen Beeren ist der Kelch noch erhalten, und sie enthalten selten nur drei bis zehn, meist zehn bis hundert Samen. Die braunen bis schwarzen Samen enthalten Öl, aber keine Stärke. Die Testa und das viele Endosperm sind gelatinös. Der gerade Embryo ist zylindrisch und winzig.
Der Name „Johannisbeere“ leitet sich vom Johannistag (24.Juni) her, um den herum die ersten Sorten reif werden.
Die Bezeichnung „Ribiseln“, von lateinischribes, über das gleichlautende italienische Wort, stammt vom arabischenribâs, einer im Libanon wachsenden Rhabarberart, was die mittelalterlichen Botaniker zu ribes veränderten.
Es existiert eine Vielzahl von weiteren, mitunter landschaftlichen Bezeichnungen für die Johannisbeere/Ribisel, darunter:
„Aalbeere“ (Umbildung von „Alantbeere“, aufgrund eines alantähnlichen Geschmacks),
„Gichtbeere“ (aufgrund einer früheren Anwendung [schwarzer Johannisbeeren] gegen „Gicht“),
im Saarland, der Pfalz und Südhessen Varianten von „Gehannstraube“, z.B. „Gehons-/Kans-/Kan(t)ztraube/-trauwe(l(e))“
in Nordbaden „Hanstreible“, in Südbaden „Hanstriibili“, „Sunnetribile“ und Varianten;
in Schwaben „Träuble“;
in der Deutschschweiz „Trübeli“ oder (vor allem um Bern) „Meertrübeli“.
Weltproduktion
2016 betrug die Welternte 655.000 Tonnen. Das Land mit der größten Johannisbeerenproduktion der Welt war Russland, das 52,7% der weltweiten Ernte produzierte. Europa war für etwa 97,5% der Welternte verantwortlich.
Die zehn größten Johannisbeeren-Produzenten waren 2016:
Die Familie Grossulariaceae wurde 1805 von Augustin-Pyrame de Candolle in Flore Française, Troisième Édition, 4(2), S.405 aufgestellt. Die Typusgattung GrossulariaMill.wurde 1754 von Philip Miller in The Gardeners Dictionary… Abridged…, 4.Auflage mit der Typusart Grossularia hirsutaMill.veröffentlicht. Einige der noch bei A.Cronquist 1981 in die Grossulariaceae eingegliederte Gattungen mit Kapselfrüchten bilden heute eigene Familien: Itea als Iteaceae und EscalloniaMutis ex L.f.als Escalloniaceae.
Der Gattungsname Ribes wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S.200–202 erstveröffentlicht. Typusart ist die Ribes rubrumL.Synonyme für Ribes L.sind: Botrycarpum A.Rich., BotryocarpiumSpach, CalobotryaSpach, CerophyllumSpach, ChrysobotryaSpach, CoreosmaSpach, GrossulariaMill., LiebichiaOpiz, RebisSpach, RibesiumMedik., RolsoniaRchb.
Die Gattung Ribes wird in Untergattungen und Sektionen gegliedert, hier jeweils mit einer Auswahl an Arten:
Ribes orientaleDesf.: Die Art kommt in Europa in Griechenland vor, außerdem in Westasien, im Kaukasusgebiet, in Indien, Pakistan, Nepal, Bhutan und in China.
Sumpf-Stachelbeere (Ribes lacustre(Pers.) Poir.; Syn.: Ribes grossularioidesMichx. ex Steud., Ribes oxyacanthoides var. lacustrePers.), Heimat: Alaska, Kanada, USA
Ribes viscosissimumPursh (Syn.: Ribes halliiJancz.): Sie kommt im westlichen Kanada und in den westlichen Vereinigten Staaten vor.
Ribes wolfiiRothr. (Syn.: Ribes mogollonicumGreene): Sie kommt in den US-Bundesstaaten Washington, Oregon, Idaho, Utah, Colorado, New Mexico und Arizona vor.
Ribes laxiflorumPursh (Syn.: Ribes affineDouglas ex Bong., Ribes coloradenseCoville): Sie kommt in den westlichen Vereinigten Staaten, im westlichen Kanada und in Russland vor.
Ribes ambiguum Maxim.: Sie kommt in Japan und in Sichuan vor.
Sektion Ribes:
Ribes altissimumTurcz. ex Pojark.: Sie kommt in China, in der Mongolei und in Russlands Fernem Osten vor. Sie wird von manchen Autoren auch als Varietät Ribes petraeum var. altissimum(Turcz. ex Pojark.) Jancz. angesehen.
Ribes palczewskii(Jancz.) Pojark.: Sie kommt in China, in Sibirien und in Russlands Fernem Osten vor. Sie wird auch von manchen Autoren als Unterart Ribes spicatum subsp. palczewskii(Jancz.) Malyschev zu Ribes spicatum gestellt.
Ribes tristePall.: Sie kommt in China, Japan, Korea, in Sibirien, in Russlands Fernem Osten, in Kanada und in den Vereinigten Staaten vor.
Sektion Symphocalyx
Gold-Johannisbeere (Ribes aureumPursh, Syn.: Ribes odoratumH.L.Wendl. = Wohlriechende Johannisbeere), Heimat: Kanada, USA
Weltweit umfasst die Gattung etwa 140 bis 160 Arten. Hauptverbreitungsgebiet sind die gemäßigten Klimagebiete der Nordhalbkugel, aber auch in den Anden gibt es einige Arten. In der Volksrepublik China kommen 59 Arten vor, davon 25 nur dort. 53 Arten kommen in Nordamerika vor. Dagegen sind nur wenige Arten in Südamerika beheimatet.
Die Blüten der Schwarzen Johannisbeere werden zur Parfümherstellung verwendet.
Insbesondere Sorten der Alpen-Johannisbeere, der Gold-Johannisbeere und der Blut-Johannisbeere sind Zierpflanzen in Parks und Gärten, die sowohl einzeln als auch als Hecke gepflanzt werden.
Weiterführende Literatur
Claude-Antoine Thory: Monographie; ou, Histoire naturelle du genre groseillier: contenant la description, l'histoire, la culture et les usages de toutes les groseilles connues ..., Verlag P. Dufart, 1829 (PDF bei Google-Books,Google-Books Online).
L. M. Donoghue & M. J. Donoghue: Molecular phylogeny and biogeography of Ribes (Grossulariaceae), with an emphasis on gooseberries (subg. Grossularia), in Syst. Bot. 29, 2004, S. 77–96.
Jin-tang Pan, Cuizhi Gu, Shumei Huang, Chao-fen Wei, Shu-ying Jin, Lingdi Lu, Shinobu Akiyama, Crinan Alexander, Bruce Bartholomew, James Cullen, Richard J. Gornall, Ulla-Maj Hultgård, Hideaki Ohba & Douglas E. Soltis: Saxifragaceae in der Flora of China, Volume 8, S. 428 (Ribes Online; Abschnitt Beschreibung, Systematik und Verbreitung).
Nancy R. Morin: Grossulariaceae in der Flora of North America, Volume 8, 2009 ab S. 8 (Online; Abschnitt Beschreibung und Verbreitung).
↑D. L. Domondon, J. Poppe, L. J. L. D. van Griensven: Fruit optimization with wastes used for outdoor cultivation of king stropharia. In: Science and cultivation of edible fungi. Band 2, 2000, S. 909–918.
↑Günther Drosdowski (Hrsg.): Duden "Etymologie": Herkunftswörterbuch der Deutschen Sprache. 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 1989, ISBN 3-411-20907-0.
↑Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Band IV, Nachdruck. Parey, Berlin 1975, ISBN 3-489-70021-X, S.43 f.
↑Friedrich Schön:Wörterbuch der Mundart des Saarbrücker Landes. 2. Auflage. Saarbrücken 1928, S.58, s. v.Gehanns (uni-saarland.de[abgerufen am 30.April 2025]).
↑Laura Blatter, Marc Prams und Ute Klockner:Geheischnis, Flemm unn Miggeplätsch Schaffschuhverschdeckeler.In:www.saarbruecker-zeitung.de.23.April 2012,abgerufen am 30.April 2025:„Wenn sich Norbert Müller aus Homburg an seine Großeltern erinnert, dann kommen ihm stets die ‚Gehannstraube‘ und die ‚Druschele‘ in den Sinn, denn die gab’s bei Oma und Opa im Garten.“
↑Grossulariaceaeim Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.Abgerufen am 15. Februar 2017.
↑Jaakko Jalas, Juha Suominen, Raino Lampinen, Arto Kurtto: Atlas florae europaeae. Band 12 (Resedaceae to Platanaceae). S. 237, Helsinki 1999, ISBN 951-9108-12-2