Richard Ansdell

Richard Ansdell, 1860er Jahre, fotografische Porträtaufnahme von John & Charles Watkins, Carte-de-visite, Metropolitan Museum of Art, New York

Richard Ansdell (* 11. Mai 1815 in Liverpool; † 20. April 1885 in Collingwood bei Farnborough, Hampshire) war ein englischer Tier-, Genre- und Historienmaler sowie Radierer. Er gilt als einer der bedeutendsten Tiermaler Englands im 19. Jahrhundert und stand zeitlebens in künstlerischer Konkurrenz zu Edwin Landseer.

Leben

Richard Ansdell wurde am 11. Mai 1815 in Liverpool geboren. Seine Eltern waren Thomas Griffiths Ansdell, ein Hersteller von Schiffsblöcken im Liverpooler Hafen, und Anne, geborene Jackson. Der Vater starb früh. Von 1824 bis 1828 besuchte Ansdell die Bluecoat School in Liverpool. Anschließend erhielt er Unterricht bei dem Porträt- und Silhouettenmaler W. C. Smith. Danach war Ansdell bis zu seinem 21. Lebensjahr im Handel tätig. 1835 stellte Ansdell erstmals an der Liverpool Academy aus. 1836 begann er ein Studium an der Akademie und wurde 1837 außerordentliches sowie 1838 ordentliches Mitglied. In den Jahren 1845/46 amtierte er als Präsident der Akademie. 1840 war er erstmals mit einer Jagdszene (Grouse Shooting – Luncheon on the Moors) und der Darstellung einer Farm in Galloway auf der Ausstellung der Royal Academy in London vertreten.

1841 heiratete er Maria Romer, mit der er elf Kinder hatte. 1847 übersiedelte Ansdell mit seiner Familie von Liverpool nach London. 1855 erhielt er auf der Exposition Universelle in Paris eine Goldmedaille. Von der Stadt Manchester wurde er dreimal mit der Heywood-Medaille ausgezeichnet. 1856 reiste er gemeinsam mit John Phillip nach Spanien, 1857 folgte eine weitere Spanienreise. 1861 wurde er zum Associate der Royal Academy (ARA) und 1870 schließlich zum Vollmitglied (RA) gewählt. Von 1840 bis 1885 war er mit insgesamt 149 Exponaten jährlich in den Ausstellungen der Royal Academy vertreten. Daneben stellte er etwa 30 Gemälde in der British Institution aus. Neben seinem Wohnsitz in London hielt er sich zeitweise in Lytham St Annes an der Küste Lancashires auf. Der dortige Stadtteil Ansdell ist nach ihm benannt. Richard Ansdell starb am 20. April 1885 auf Collingwood Tower bei Farnborough in Hampshire. Er wurde auf dem Brookwood Cemetery in Surrey beigesetzt.

Werk

Richard Ansdell: The Gardener’s Daughter, Öl auf Leinwand, 72 × 99 cm

Sein Frühwerk umfasst Tier- und Jagdszenen (Earl of Sefton and Party Returning from Shooting, 1841), Genrestücke und Historienbilder (Death of Sir William Lambton at Marston Moor, 1842). Zwischen 1843 und 1850 widmete er sich vor allem Jagd- und Wildtierdarstellungen in großen, bewegten Formaten. Ab etwa 1850 malte er überwiegend Haus- und Zuchttiere sowie weitere Tierstücke. Seine Bilder sind häufig großformatig.

Richard Ansdell arbeitete mehrfach mit anderen Malern zusammen. Diese fügten entweder die Landschaft oder die Figuren hinzu. Mit Thomas Creswick, der die Landschaft ergänzte, entstanden unter anderem The Shepherd’s Revenge (1851) und The Weald, Surrey. Mit William Powell Frith, der die menschlichen Figuren beisteuerte, entstand Feeding the Calves (1855) und mit John Phillip Going to be Fed (1856). Nach seiner Spanienreise von 1856/57 schuf er eine Reihe von Gemälden mit Tier- und Hirtenmotiven aus Spanien, darunter Gemeinschaftswerke mit Phillip wie Students of Salamanca Serenading und Spanish Peasants – The Wayside in Andalusia.

Als Radierer arbeitete Ansdell für die Art Union in London und für den Etching Club. Er lieferte Illustrationen für verschiedene Publikationen, darunter die Illustrated Times (1855/56), Once a Week (1867), Rhymes and Roundelays (1858) und eine Ausgabe von Shakespeare’s Songs. Mehrere seiner Porträts wurden von S. W. Reynolds d. J. gestochen.

Ausgewählte Werke

  • A Shooting Party in the Highlands, 1840, Öl, Walker Art Gallery, Liverpool
  • The Death of the Stag (später The Chase), 1846/47, Öl, Manchester City Art Gallery
  • The Battle of the Standard, 1848 ausgestellt, Royal Hospital, London
  • Traveller Attacked by Wolves, 1854 ausgestellt, Öl, 274 × 377 cm, Manchester City Art Gallery
  • The Last Shepherd, 1860, Sheffield City Art Galleries
  • The Hunted Slaves, 1861 in der Royal Academy ausgestellt, Walker Art Gallery, Liverpool
  • The Rescue after the Storm at St. Bernard, 1862, 181,6 × 303,5 cm
  • Ronda – Spanish Travellers, 1864, ausgestellt in der Rochdale Art Gallery
  • An Unwelcome Visitor, 1869, Bristol City Art Gallery
  • The Waterloo Cup Coursing Meeting 1840, Roy Miles Fine Paintings

Ausstellungen (Auswahl)

Galerie

Literatur

Commons: Richard Ansdell – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 Gerhard Charles Rump, Siegfried Mahn: Ansdell, Richard. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Band 4. K. G. Saur, München/Leipzig 1992, S. 193.