Richard Heymons

Richard Heymons (1891)

Richard Heymons (* 29. Mai 1867 in Berlin; † 1. Dezember 1943) war ein deutscher Ökologe, Entomologe und Zoologe und eine wichtige historische Figur in der Studie von Pentastomiden (Zungenwürmer).

Leben

Seine Dissertationsschrift verfasste Heymons über die Deutsche Schabe (Blatella germanica)
Berlin-Mitte, Zoologisches Museum der Friedrich-Wilhelms-Universität, heute Museum für Naturkunde, wo Heymons als Kurator tätig war

Heymons Vater war der Verlagsbuchhändler Carl Heymons in Berlin. Richard Heymons besuchte das Joachimsthalsche Gymnasium und studierte von 1886 bis 1891 in Berlin, habilitierte sich 1895 und arbeitete zunächst als Dozent für Zoologie. 1903 verheiratete er sich mit Helene Tschuprow, die ihm zur wissenschaftlichen Mitarbeiterin wurde. Ihr Vater, der Nationalökonom Alexander Alexandrowitsch Tschuprow, war selbst ein berühmter Gelehrter und Lehrer an der Moskauer Universität. Mit ihr hatte er zwei Kinder, eine früh verstorbene Tochter und einen Sohn Albrecht, der als Chemiker nach kurzer, erfolgreicher akademischer Laufbahn in die Industrie ging.

Heymons Dissertationsschrift erschien 1891 über Die Entstehung der Geschlechtsdrüsen von „Phyllodromica (Blatta) germanica“. Von 1904 bis 1906 lehrte er in der Königlich Preußischen Forstakademie Hannoversch Münden als ordentlicher Professor für Zoologie. Im Jahre 1906 erhielt er seine Professur in Berlin. Zur selben Zeit arbeitete er als Kurator der Entomologie am Zoologischen Museum der Friedrich-Wilhelms-Universität. 1915 erhielt er einen Lehrstuhl an der Landwirtschaftlichen Veterinärmedizinischen Fakultät. Von 1915 bis 1935 war Richard Heymons Leiter des Zoologischen Institutes der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin.

Richard Heymons mit u. a. von Wissmann (Vierter von links), 1891.

Heymons veröffentlichte zahlreiche Publikationen und Bücher, wobei seine Frau Helene wissenschaftliche Hilfe leistete. Sein Bruder, Hauptmann Max Heymons, lieferte ihm aus den besetzten Ländern (Deutsche Kolonien und Schutzgebiete) Insekten und Würmer zu wissenschaftlichen Zwecken. Er war Adjutant von Hermann von Wissmann.

Bei Beginn des Ersten Weltkriegs kooperierte die Scheideanstalt in Frankfurt am Main mit dem Entomologen Heymons in der Bekämpfung der Mehlmotte. Heymons hatte schon 1908 auf das seit 1898 praktizierte Blausäureverfahren in den USA hingewiesen. Er leitete am 18. November 1916 den ersten Großversuch in der staatlichen Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung ein. In einem großangelegten Versuch gelang ein durchschlagender Erfolg in der Mehlmottenbekämpfung. Im Februar 1918 erhielt Heymons durch die Direktion der städtischen Rieselgüter in Berlin-Malchow ein Gelände zu günstiger Pacht und verfügte selbst über eine private Spende von 30.000 Mark für die Einrichtung einer Station zur Erforschung der Schädlingsbekämpfung. Er erhielt durch Erich Harnack große Unterstützung in dem Bestreben der Einrichtung einer Forschungsstation in Verbindung mit der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin. Hierzu sollte Bruno Tesch, Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung Berlin, unter Vorsitz von Fritz Haber (Nobelpreis für Chemie), die Koordination zwischen Industrie, Forschung und Wissenschaft übernehmen, die bisher gescheitert war. Heymons sprach sich offen für eine Weiterführung der Forschung aus, für die Beibehaltung auch im Frieden, gegen nur rein militärische Interessen. Der Senat der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft lehnte die erforderliche Finanzierung und eine solche Station ab.

Unter Mitarbeit seiner Frau Helene Heymons bearbeitete Heymons Brehms Tierleben 1915 Ausgabe Bd. 2 „Die Vielfüßler, Insekten und Spinnenkerfe“ neu.

Richard Heymons war Ehrenmitglied der Deutschen Entomologischen Gesellschaft sowie Mitglied der Leopoldina in Halle und mehrerer ausländischer wissenschaftlichen Gesellschaften.

Richard Heymons studierte die Zungenwürmer (Pentastomida), und seine Sammlung von diesen Tieren befindet sich im Museum für Naturkunde in Berlin. Er hat den Namen „Chelicerata“ für Spinnentiere und ihre Verwandtschaft geprägt. Seine besondere Aufmerksamkeit galt aber den Käfern, darunter der Borkenkäfer und der Rapsglanzkäfer.

Rapsglanzkäfer (Meligethes aeneus)

1935 wurde Heymons pensioniert. Sein Nachfolger in der Leitung des Instituts für landwirtschaftliche Zoologie der Universität war Hans von Lengerken.

Veröffentlichungen

Monographien
Aufsätze

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Sitzungsberichte der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin. Neue Folge, Band 1, Heft 1 bis 3 (1. XI. 1961).
  2. ↑ Aus dem zoolog. Institut zu Berlin, Inaugural-Dissertation.
  3. ↑ Die Lehrsammlung des Zoologischen Instituts der Berliner Universität – ihre Geschichte und ihre Bedeutung
  4. 1 2 Aus Entomologenkreisen. Kleine Notizen. In: Koleopterologische Rundschau. 21, 1935, S. 237 (zobodat.at [PDF]).