Richard Sander stammte aus einer Familie mit musischen und künstlerischen Interessen. Er wuchs mit fünf Geschwistern auf, von denen sich neben ihm zwei weitere der Malerei und der Musik zuwandten. Wie sein Vater sollte er Fotograf werden. Doch Sanders Interesse an Form- und Farbgebung veranlasste ihn, von 1924 bis 1925 die private Kunstschule des schlesischen Malers Arthur Wasner in Breslau zu besuchen.
In der Zeit des Nationalsozialismus war Sander Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste, wohl aber ohne sich aktiv nazistisch zu betätigen. Die Einberufung zum Kriegsdienst stellte eine Unterbrechung seines künstlerischen Schaffens dar. Doch auch während des Fronteinsatzes hielt er fremde Landschaften und Menschen in kleinsten Formaten fest.
Ab 1945 lebte er als Maler, Grafiker, Teppichweber und Bildwirker in Dresden-Cossebaude in seinem Holzhaus Am Hegereiter 11, wo er bis zu seinem Tod einen Zeichenzirkel leitete. Zu seinen Schülern gehörte der Karikaturist Falk-Ingo Renner (* 1963). Weitere Schüler waren unter anderen Andrea Türke (*1951, Graphikerin) und Jochen Fiedler, Maler und beide sind noch als Künstler tätig. Sander war mit dem Volkskundler Manfred Bachmann befreundet. Er war Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR und u.a. 1949 und 1958/1959 auf den Deutschen Kunstausstellungen in Dresden vertreten.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Kunstszene Dresdens geprägt von expressionistischen Strömungen. 1905 hatte sich in der Stadt die Künstlergruppe Die Brücke gegründet. Weitere Künstlergruppen jener Jahre waren die Dresdner Sezession Gruppe 1919, Die Schaffenden und ab 1928 die ASSO, in der sich eine politisch links ausgerichtete Künstlerschaft versammelte. Ab den 1920er Jahren avancierte Dresden neben München, Karlsruhe, Berlin und Hannover zu einem der Zentren der Neuen Sachlichkeit. Neben Professoren an der Kunstakademie wie Osmar Schindler, Robert Sterl und Oskar Zwintscher wurde im Besonderen Richard Müller zu einem stilistischen Wegbereiter für eine jüngere Künstlergeneration, die sich einer Hinwendung der Kunst zu einer „krassen Gegenwärtigkeit“ verpflichtet fühlte und die in ihren Arbeiten sozialkritische Themen wie die Kriegskrüppel des Ersten Weltkriegs, die Novemberrevolution, soziales Elend, Spießertum und ab dem Ende der 1920er Jahre die Weltwirtschaftskrise behandelte. Vom 18. Oktober bis 22. November 1925 machte die von Gustav Friedrich Hartlaub organisierte Wanderausstellung Neue Sachlichkeit. Deutsche Malerei seit dem Expressionismus im Sächsischen Kunstverein Station. Otto Dix, der bei Richard Müller studiert hatte, erhielt 1927 eine Professur an der Kunstakademie und forderte seine Studenten auf, die „Dinge zu zeigen, wie sie wirklich sind“.
Die Gemälde Richard Sanders vor 1933 zeichneten sich durch eine pastos gespachtelte Malerei mit einer konstruktivistischen Tendenz und einer strengen Behandlung der Form aus und werden der Neuen Sachlichkeit zugeordnet. Seine thematischen Interessen galten vorrangig dem Porträt, aber auch der Landschaft sowie der Figur in Bewegung. Eine umfangreiche Werkgruppe bildete eine Reihe von Arbeiten, die nach Besuchen der Dresdner Schule für modernen Tanz von Mary Wigman entstand, die der Maler in den 1930er Jahren wiederholt zu Bewegungsstudien besuchte. Dabei entstanden Porträts einzelner Tänzerinnen, zum Beispiel von Veronika Pataki (1932, Galerie Neue Meister im Albertinum, Dresden), von Mary Wigman (1932) und von Gret Palucca.
Seine erste Ausstellung in Dresden hatte Richard Sander zusammen mit dem Maler Gerhard Sperling, der mit 17 Jahren als damals jüngster Student an der Dresdner Kunstakademie immatrikuliert wurde und bei Otto Dix und Oskar Kokoschka studiert hatte. Nach dem Kesseltreiben der Nationalsozialisten gegen eine Entartete Kunst wandte sich Sander der Weberei zu und widmete sich der Darstellung religiöser Themen. Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule Dresden bei Wanda Bibrowicz entstanden textile Arbeiten, die sich in privatem und kirchlichem Besitz befinden, u. a. im Lutherhaus Wittenberg sowie ein Engelteppich in der Hauskapelle des Evangelischen Paul-Gerhardt-Krankenhauses Wittenberg und ein Altar-Antependium in der Evangelischen Landeskirchenmusikschule Dresden.
Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Sanders
1981–1982: Angebotsausstellung an Grafik, Gemälden und Plastik des XX. Jahrhunderts, Kunstausstellung Kühl, Dresden
1982–1983: Angebotsausstellung an Grafik, Gemälden und Plastik des XX. Jahrhunderts, Kunstausstellung Kühl, Dresden
1984: 30 Jahre Kunst der Zeit, Kunst der Zeit, Dresden
Postum
1994–1995: Dresdner Malerei aus drei Jahrzehnten (1940–1970), Kunstausstellung Kühl, Dresden (aus Anlass des 70-jährigen Bestehens der Galerie)
2009–2010: 85 Jahre Kunstausstellung Kühl, Teil II. 1965–2009 Künstler der Galerie, Kunstausstellung Kühl, Dresden
2011: Neue Sachlichkeit in Dresden. Malerei der Zwanziger Jahre von Dix bis Querner, Kunsthalle im Lipsius-Bau, Dresden
2011–2012 Neue Sachlichkeit und Umkreis, Galerie Döbele, Dresden
2017 Focus Albertinum. Bilder aus dem Bestand, Albertinum, Dresden
2017: Dresdner Künstler im 20. Jahrhundert II, Hofmannsches Gut, Dittersbach
2020: Focus und Sphäre. Gleichnisse des Daseins im Stillleben, Kunstausstellung Kühl, Dresden
Literatur (Auswahl)
Werkdokumentation (Auswahl)
Richard Sander. Malerei und Graphik, anlässlich seines 70. Geburtstages, Ausstellung vom 5. bis 28. März 1976, Genossenschaft Bildender Künstler Kunst der Zeit, Dresden 1976.
Cossebauder Heimatkalender 1997. Bilder von Richard Sander mit Versen von Manfred Streubel, Cossebaude, 1996.
Beiträge
W. Pr.: Weihnachtsausstellungen Dresdner Künstler. In: Dresdner Nachrichten. 6. Dezember 1932.
R. S.: Ausstellung Richard Sander. In: Dresdner Anzeiger. 25. September 1932.
Angelika Ritter: Webgemälde zum Lobe des Herrn. Richard Sander, der einzige Kirchenteppichweber der Republik. In: Neue Zeit, Nr. 86, 12. April 1953, S. 5.
Vierte deutsche Kunstausstellung. (September–Dezember). Albertinum Dresden. Verlag der Kunst, Dresden 1958.
G. Jentsch: Maler und Weber. Zum 60. Geburtstag Richard Sanders. In: Der Sonntag. 20. März 1966.
Dresden. Von der Königlichen Kunstakademie zur Hochschule für Bildende Künste (1764–1989), VEB Verlag der Kunst, Dresden 1990, S. 322, ISBN 3-364-00145-6.
Neue Sachlichkeit in Dresden. Malerei der Zwanziger Jahre von Dix bis Querner. Ausstellungskatalog. Hrsg. Birgit Dalbajewa. Mit Texten von Birgit Dalbajewa, Andreas Dehmer, Stephan Dahme, Maria Körber, Judith Kühnle, Kati Renner, Mathias Wagner u. a. Sandstein Verlag, Dresden 2012, ISBN 978-3-942422-57-4, S. 293.
↑Mathias Wagner, Die Wendung der Kunst zur krassen Gegenwärtigkeit. Dresdner Malerei zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit, 1920 bis 1922. In: Neue Sachlichkeit in Dresden. Malerei der Zwanziger Jahre von Dix bis Querner, Sandstein Verlag, Dresden 2012, ISBN 978-3-942422-57-4, S. 76–87.
↑Mathias Wagner, Die Wendung der Kunst zur krassen Gegenwärtigkeit. Dresdner Malerei zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit, 1920 bis 1922, S. 80
↑siehe: Neue Sachlichkeit in Dresden. Malerei der Zwanziger Jahre von Dix bis Querner. Ausstellungskatalog hrsg. von Birgit Dalbajewa, Sandstein Verlag, Dresden 2012, ISBN 978-3-942422-57-4, S. 293.
↑Angelika Ritter, Webgemälde zum Lobe des Herrn. Richard Sander, der einzige Kirchenteppichweber der Republik. In: Neue Zeit, Nr. 86, 12. April 1953, S. 5.
↑siehe Abbildung in: Neue Sachlichkeit in Dresden. Malerei der Zwanziger Jahre von Dix bis Querner. Ausstellungskatalog hrsg. von Birgit Dalbajewa, Sandstein Verlag, Dresden 2012, ISBN 978-3-942422-57-4, S. 293.