1883 promovierte Semon in Jena zum Dr. phil. und 1886 zum Dr. med. Er habilitierte sich 1887 am Anatomischen Institut in Jena und wurde 1891 zum außerordentlichen Professor. 1895 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt. 1897 schied Semon auf eigenen Wunsch aus der Universität Jena aus und zog nach München.
Er vertrat die Ansicht, dass erworbene Eigenschaften vererbt werden können, und wandte dies auf die soziale Evolution an. Semon war Gründungsmitglied des Deutschen Monistenbundes. Semon schlug die Begriffe „Mneme“ und „Engramm“ vor, die spätere Forschungen von Karl Lashley (Engramm) und Richard Dawkins (Mem) sowie die physiotherapeutischen Konzepte von Paul Vogler beeinflussten.
Am 12. Dezember 1918, nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Monarchie, erschoss sich Semon eingehüllt in die Fahne des deutschen Kaiserreiches.
Das Problem der Vererbung erworbener Eigenschaften. Leipzig: W. Engelmann 1912.
Bewusstseinsvorgang und Gehirnprozess: eine Studie über die energetischen Korrelate der Eigenschaften der Empfindungen. Nach dem Tode des Verfassers herausgegeben von Otto Lubarsch. Wiesbaden: Verlag von J. F. Bergmann 1920.
Literatur
Richard Dawkins: The Selfish Gene. Oxford University Press, 1976.
Daniel L. Schacter, James Eric Eich, und Endel Tulving: Richard Semon's theory of memory. Journal of Verbal Learning and Verbal Behavior 17.6 (1978): 721-743.
Daniel L. Schacter: Forgotten Ideas, Neglected Pioneers: Richard Semon and the Story of Memory. Psychology Press, Philadelphia 2001, ISBN 1-84169-052-X.
Jürg Schatzmann: Richard Semon und seine Mnemetheorie. Zürich 1968.
↑Richard Semon:Die Mneme als erhaltendes Prinzip im Wechsel des organischen Geschehens. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1904.
↑Jürg Schatzmann: Richard Semon und seine Mnemetheorie. Zürich 1968, S. 42.
↑Bo Beolens, Michael Watkins, Michael Grayson:Semon. In: The Eponym Dictionary of Reptiles. Johns Hopkins University Press, Baltimore 2011, ISBN 978-1-4214-0135-5, S.240.