Rispengräser

Rispengräser

Illustration der Rispengräser, 1: Einjähriges Rispengras (Poa annua), links
2: Zwiebel-Rispengras (Poa bulbosa), Mitte und rechts

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Gattung: Rispengräser
Wissenschaftlicher Name
Poa
L.

Die Rispengräser (Poa) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae). Die etwa 567 Arten sind von subarktischen sowie subantarktischen bis zu gemäßigten Gebieten fast weltweit und in tropischen Gebirgen weitverbreitet.

Beschreibung

Blatthäutchen vom Wiesen-Rispengras (Poa pratensis)
Illustration von Gewöhnlichen Rispengras (Poa trivialis) und Einjährigen Rispengras (Poa annua)

Vegetative Merkmale

Poa-Arten sind selten einjährige, meist ausdauernde krautige Pflanzen. Sie bilden teilweise unterirdische Ausläufer, seltener oberirdische Kriechsprosse. Die nichtblühenden Seitentriebe wachsen innerhalb oder außerhalb der Blattscheide empor. Die Halme sind stielrund oder seitlich zusammengedrückt und besitzen zwei bis acht Knoten. Bei den nichtblühenden Trieben sind die Blattscheiden nicht, teilweise oder fast vollständig verwachsen.

Die Laubblätter sind wechselständig am Halm angeordnet. Das Blatthäutchen ist ein häutiger Saum. Die Blattspreiten sind flach oder auch gefaltet. Sie besitzen eine kapuzenförmige Spitze. In der Knospenlage sind die Blätter gefaltet.

Generative Merkmale

Der Blütenstand ist die für die Gattung namensgebende Rispe. Die Rispe ist ausgebreitet oder auch zusammengezogen. Die einzelnen Ährchen bestehen aus zwei bis zehn, selten aus einem bis 15 Blüten. Ihr Umriss ist eiförmig bis elliptisch, seitlich sind sie unterschiedlich stark zusammengedrückt.

Alle Einzelblüten sind zwittrig. Die Hüllspelzen sind gleich oder ungleich, haben meist drei Nerven, oder die untere nur einen Nerv. Sie sind spitz oder zugespitzt, haben einen Kiel, haben einen dünnhäutigen Rand und sind meist kahl. Die Deckspelzen haben fünf Nerven, sind am oberen Ende schmal-gerundet, zugespitzt oder spitz und sind meist unbegrannt. Selten haben sie eine bis drei Millimeter lange Grannenspitze. Die Deckspelzen sind weißlich-durchsichtig dünnrandig, haben einen Kiel und sind auf dem Rücken behaart. Die Vorspelzen sind zweinervig und etwa gleich lang wie die Deckspelzen. Sie haben einen deutlichen Kiel, der spitz borstenhaarig oder bewimpert ist. Es gibt drei Staubblätter. Der Fruchtknoten ist kahl. Die zwei kurzen, endständigen Griffel enden in federigen Narben.

Zur Fruchtreife fallen die Einzelblüten einzeln aus den stehenbleibenden Hüllspelzen. Die Frucht ist glatt und kahl, hat einen länglichen Umriss und ist im Querschnitt dreikantig. Sie ist frei oder mit der Deck- und Vorspelze verwachsen. Der Embryo ist etwa ein Achtel so lang wie die Frucht. Der Nabel ist punktförmig und grundständig.

Inhaltsstoffe

In mehreren Poa-Arten wurden cyanogene Glycoside nachgewiesen. Als Speicherkohlenhydrate werden Fructane vom Phlein-Typ gespeichert.

Systematik und Verbreitung

Taxonomie

Die Gattung Poa wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 67 aufgestellt. Synonyme für Poa L. sind: Panicularia Heist. ex Fabr. nom. superfl., Poagris Raf. nom. superfl., Paneion Lunell nom. superfl., Anthochloa Nees & Meyen, Aphanelytrum Hack.,Austrofestuca (Tzvelev) E.B.Alexeev, Dasypoa Pilg., Dissanthelium Trin., Eremopoa Roshev., Graminastrum E.H.L.Krause, Libyella Pamp., Lindbergella Bor, Lindbergia Bor nom. illeg., Neuropoa Clayton, Ochlopoa (Asch. & Graebn.) H.Scholz, Parodiochloa C.E.Hubb., Phalaridium Nees & Meyen, Stenochloa Nutt., Tovarochloa T.D.Macfarl. & But, Tzvelevia E.B.Alexeev.

Äußere Systematik

Die Gattung Poa gehört als namensgebende Gattung zur Tribus Poeae in der Unterfamilie Pooideae innerhalb der Familie der Poaceae.

Arten und ihre Verbreitung

Die Gattung Poa ist kosmopolitisch verbreitet, hat ihren Schwerpunkt jedoch in den gemäßigten Gebieten, besonders auf der Nordhalbkugel.

Alpen-Rispengras (Poa alpina)
Einjähriges Rispengras (Poa annua)
Hain-Rispengras (Poa nemoralis)
Blütenstand (Rispe) vom Wiesen-Rispengras (Poa pratensis)

Die Gattung Poa enthält etwa 560 Arten, von denen etwa 50 in Europa vorkommen. Die mitteleuropäischen Arten sind:

Weitere Arten außerhalb Mitteleuropas sind (Auswahl):

Nicht mehr zu dieser Gattung wird gerechnet:

Nutzung

Etliche Arten, in Europa vor allem das Wiesen-Rispengras (Poa pratensis) werden als wichtige Wiesen- und Futtergräser angebaut.

Quellen

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 Poa. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science
  2. ↑ Poa bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 26. Juni 2019.
  3. ↑ Poa im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 16. Juni 2020.
  4. ↑ Poa bei Tropicos.org. In: Flora of Pakistan. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  5. ↑ Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3., verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9.
  6. ↑ Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv (CD-Rom), Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2001/2002, ISBN 3-494-01327-6.
  7. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 Walter Erhardt et al.: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.
  8. ↑ Hans Joachim Conert: Poa., S. 658–710. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Aufl., Band I, Teil 3 Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg, 1996, ISBN 3-8263-3078-1.
  9. 1 2 B.Valdés & H.Scholz; with contributions from E. von Raab-Straube & G.Parolly (2009+): Poaceae (pro parte majore). Datenblatt Poa In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  10. 1 2 Hans Joachim Conert: Poa., S. 658–710. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Aufl., Band I, Teil 3, Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg, 1996, ISBN 3-8263-3078-1.
  11. ↑ Typus im Botanischen Garten und Botanischen Museum Berlin-Dahlem.
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