Rita Marie Chatterton (geb. Filicoski, * 22. Januar 1957 in Albany, New York) war eine US-amerikanische Ringrichterin im professionellen Wrestling, die als erste Frau in der World Wrestling Federation (WWF) und im Profi-Wrestling überhaupt dieses Amt ausübte. Bekannt wurde sie darüber hinaus durch Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen den Promoter der WWF, Vince McMahon, sowie durch ihre spätere Aufnahme in die International Professional Wrestling Hall of Fame und die Women’s Wrestling Hall of Fame.
Rita Filicoski wurde am 22. Januar 1957 in Albany im US-Bundesstaat New York geboren und wuchs in der benachbarten Kleinstadt Mechanicville auf. In ihrer Familie hatte das Verfolgen von Wrestling-Übertragungen einen festen Stellenwert, nach eigenen Angaben versammelte sich die Familie jeden Sonntag vor dem Fernseher, um Veranstaltungen zu schauen, die in jener Zeit unter anderem von Vincent J. McMahon, dem Vater von Vince McMahon, produziert wurden. Ihr Bruder Christopher strebte selbst eine Laufbahn als Profi-Wrestler an, kam jedoch 1979 bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Filicoski entschied sich daraufhin, den Wunsch ihres Bruders stellvertretend zu verwirklichen und selbst in die Wrestling-Branche einzusteigen. Vor ihrer Tätigkeit im Wrestling arbeitete sie als Auslieferungsfahrerin und war alleinerziehende Mutter einer Tochter.
Gesundheitliche Beschwerden verhinderten eine aktive Laufbahn als Wrestlerin. Als „Rita Marie“ wandte sie sich daraufhin dem Ringrichteramt zu, das sie gegenüber ihrem Vater als „nächstbeste“ Möglichkeit bezeichnete, weiterhin das Andenken ihres Bruders zu ehren, ohne dabei wie die Wrestler körperliche Schläge einstecken zu müssen. Ausgebildet wurde sie von dem ehemaligen WWWF United States Tag Team Champion Tony Altomare, der auch als „The Stamford Stomper“ bekannt war. Ihre Ausbildung schloss sie 1984 ab. Im September 1984 erhielt sie über die New York State Athletic Commission ihre Lizenz.
Rita Marie wurde die erste weibliche Referee in der World Wrestling Federation (WWF) und im Profi-Wrestling überhaupt. Ihr erstes offizielles Match als Ringrichterin fand am 4. August 1984 statt. Ihr Fernsehdebüt gab sie im Januar 1985 bei einer Veranstaltung im Madison Square Garden. Sie leitete WWF-Matches von Wrestlern wie Roddy Piper, den Moondogs und Jimmy Snuka und griff dabei ebenso wie ihre männlichen Kollegen in Auseinandersetzungen im Ring ein. Ihre Tätigkeit fiel in die als „Rock ’n’ Wrestling“ bezeichnete Ära der WWF in den 1980er Jahren.
Die WWF band Chatterton auch in ihre weitere Öffentlichkeitsarbeit ein. Sie trat als Gast in der Interviewsendung Tuesday Night Titans (TNT) auf und wirkte an einem Fotoshooting für das WWF Magazine mit. Nach Darstellung der Sendung Now It Can Be Told mit Geraldo Rivera stellte McMahon Chatterton eine Vollzeitanstellung als erste weibliche Referee in Aussicht, die mit einem Jahresverdienst von bis zu 500.000 US-Dollar sowie möglichen Titelstorys des WWF Magazine verbunden gewesen sein soll.
Chatterton berichtete zudem von Widerständen hinter den Kulissen. In einem Interview mit dem Portal Fightful schilderte sie 2022, ihr sei erzählt worden, dass der WWF-Funktionär Pat Patterson vor ihrem ersten Match versucht habe, die beteiligten Wrestler dazu zu bewegen, sie zu verletzen.
Offiziell wurde Chatterton im Juli 1986 mit der Begründung entlassen, sie erreiche nicht das Niveau ihrer männlichen Kollegen. Chatterton selbst schilderte ihren Weggang jedoch als Konsequenz eines von ihr intern nicht weiter verfolgten Vorfalls. Sie habe nach einem sexuellen Übergriff durch McMahon bewusst keine Veranstaltungen mehr mit dessen Anwesenheit wahrgenommen, woraufhin die WWF die Anfragen an sie eingestellt habe.
Nach ihrem Weggang aus der WWF blieb Chatterton als lizenzierte Ringrichterin tätig. Die New York State Athletic Commission setzte sie bei nicht im Fernsehen übertragenen Wrestling-Veranstaltungen ein. Nach dem Tod des Wrestlers André the Giant im Jahr 1993 zog sie sich vollständig aus der Branche zurück.

Chatterton erhob den Vorwurf, Vince McMahon, der Promoter der World Wrestling Federation (WWF), habe sie im Jahr 1986 vergewaltigt. Nach ihrer Schilderung habe sich der Vorfall im Zusammenhang mit Gesprächen über ihren Vertrag ereignet. McMahon habe vorgeschlagen, sich in seiner Limousine zu unterhalten, und sie dort unter dem Hinweis, dies sei zur Erlangung der Stelle notwendig, sowie unter der Drohung, andernfalls „geblacklistet“ zu werden, zu sexuellen Handlungen gezwungen.
An die Öffentlichkeit trat Chatterton mit diesen Vorwürfen erstmals 1992. Sie schilderte den Vorfall in Geraldo Riveras Sendung Now It Can Be Told, wobei die zivil- und strafrechtliche Verjährungsfrist bereits abgelaufen war. McMahon und seine Ehefrau strengten daraufhin eine Klage gegen Chatterton und Rivera an. McMahon machte 1993 geltend, Chatterton sei von einem anderen Wrestler zu einer falschen Beschuldigung überredet worden. Die Klage zog McMahon 1994 zurück, um sich nach seiner Darstellung auf ein laufendes Steroidverfahren zu konzentrieren.
In den Jahren 2021/22 gewannen Chattertons Vorwürfe erneut öffentliche Aufmerksamkeit. Der Journalist Abraham Riesman führte für den Intelligencer ein Gespräch mit Chatterton, zeitgleich mit Berichten über McMahons Zahlungen an mehrere Frauen zur Vertuschung von Fehlverhaltensvorwürfen. Der frühere Wrestler Leonard Inzitari, unter dem Ringnamen „Mario Mancini“ bekannt, bestätigte gegenüber dem Intelligencer, Chatterton habe ihm den Vorfall kurz nach dem mutmaßlichen Geschehen 1986 geschildert.
Im Jahr 2022 forderte Chatterton über ihren Anwalt 11,75 Millionen US-Dollar Schadensersatz. Im Schreiben wurden jahrelange Depression, Substanzmissbrauch, gestörtes Essverhalten und Einkommensverluste als Schadensposten vorgebracht. Im Dezember 2022 einigten sich beide Seiten auf einen Vergleich in Millionenhöhe unterhalb der geforderten Summe, der im Januar 2023 durch das Wall Street Journal öffentlich bekannt wurde. McMahons Anwalt Jerry McDevitt erklärte, McMahon bestreite die Vorwürfe weiterhin und habe dem Vergleich zur Vermeidung von Prozesskosten zugestimmt. Nach Angaben des Wall Street Journal reihte sich diese Zahlung in frühere Vergleichszahlungen McMahons in Höhe von insgesamt 19,6 Millionen US-Dollar ein.
Nach ihrem Rückzug aus dem Wrestling zog Chatterton in ihre Geburtsstadt Albany, New York. Sie arbeitete über mehrere Jahrzehnte als Jugendbetreuerin. 2018 zog sie sich nach einer Verletzung zurück. In der Folge war sie als Mentorin an der Wrestling-Schule von Leonard Inzitari tätig. Chatterton unterstützte unter anderem ein Mädchen namens Jemma bei ihrem Einstieg als Valet im Profi-Wrestling. Inzitari buchte Jemma für einige Auftritte.

Die World Wrestling Entertainment (WWE) stellte Chattertons Rolle in der Unternehmensgeschichte zeitweise nicht dar. Im Rahmen der Bewerbung zum Mae Young Classic 2017, einer Frauenwrestling-Veranstaltung, bezeichnete die WWE die frühere Ring-of-Honor-Wrestlerin Jessika Carr als ersten weiblichen Referee des Unternehmens und im Profi-Wrestling überhaupt. Dies stieß bei einem Teil der Wrestling-Anhänger auf Widerspruch, die auf Chattertons vorherige Rolle verwiesen. Chattertons Vorwürfe wurden auch in der Netflix-Dokumentarserie Mr. McMahon (2024) unter der Regie von Chris Smith behandelt.
Im August 2021 erhielt Chatterton von der International Professional Wrestling Hall of Fame den Trailblazer Award. Die Auszeichnung wurde durch den Gründer der Hall of Fame, Seth Turner, angestoßen. Chatterton lehnte das Angebot zunächst ab und nahm es erst nach weiterer Überzeugungsarbeit an.
Am 26. August 2023 wurde Chatterton in die Women’s Wrestling Hall of Fame aufgenommen. Die Einführung fand am Sitz der International Professional Wrestling Hall of Fame in Albany, New York, statt und wurde von ihrer Schülerin Jemma vorgenommen. Die Women’s Wrestling Hall of Fame wurde 2022 von Christopher Annino, Susan „Tex“ Green, Angel Orsini und Gary Wolfe gegründet. Neben Chatterton wurden 2023 unter anderem Mildred Burke, Susan „Tex“ Green und Iryna Merleni aufgenommen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Chatterton, Rita |
| ALTERNATIVNAMEN | Chatterton, Rita Marie (vollständiger Ehename); Filicoski, Rita Marie (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | erste weibliche Referee im Wrestling |
| GEBURTSDATUM | 22. Januar 1957 |
| GEBURTSORT | Albany, New York |