
Robert (auch Robert the doll, Robert the haunted doll oder Robert the enchanted doll) ist der Name einer in den USA bekannten Stoffpuppe und Ausstellungsstück eines Privatmuseums. Sie wird mit unheimlichen und erschreckenden Vorfällen in Verbindung gebracht. Die entsprechenden Berichte inspirierten unter anderem mehrere Verfilmungen.
Robert hat das Aussehen eines kleinen Matrosen. Die Puppe ist 1,02 m groß und mit Holzwolle gestopft. Farbrückstände im Gesichtsbereich legen nahe, dass Robert ursprünglich bemalt war. Die Puppe ist in weiße Matrosentracht, wie sie in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts üblich war, gekleidet. Entgegen populären Gerüchten besteht Roberts Haar nicht aus Menschenhaar, sondern aus einer Art synthetischer Wollfaser.
Robert gehörte ursprünglich einem Autor und Maler aus Key West namens Robert Eugene „Gene“ Otto, seine Eltern waren Dr. Thomas Osgood Otto und Minnie Elizabeth Otto. Die Familie Otto war in Key West angesehen; ihr Wohnhaus befand sich in der Easton Street unter der Hausnummer 534 – ein großes viktorianisches Gebäude, das heute als Hotel dient. Die Puppe war zwischen 1900 und 1904 von Eugenes Großvater in Deutschland auf seiner Reise auf dem Luxus-Dampfer Graf Waldersee erworben worden und trug zu dieser Zeit noch ein ganz anderes Outfit. Robert gehörte zu einer neuartigen Serie von Puppen des Spielzeugherstellers Steiff, die sich in Deutschland zu der Zeit größter Beliebtheit erfreute. Steiff präsentierte Puppen in pink und grün gemusterten Clown- und Hofnarren-Outfits. Daher ist anzunehmen, dass Roberts Matrosenanzug, den er heute trägt, von Eugene als Kleinkind selbst getragen worden war (oder Eugene hatte Robert nach seinem Ebenbild umkleiden lassen).
Modernen Legenden zufolge soll Eugene Robert im Alter von vier Jahren von einer karibischen Dienerin erhalten haben, die bei den Ottos arbeitete. Angeblich war die Magd eine begnadete Voodoo-Magierin, die sich der schwarzen Magie verschrieben hatte. Die Frau soll Eugene die Puppe aus purer Arglist und aus Rache für schlechte Behandlungen geschenkt haben. Kaum war Eugene im Besitz der Puppe, seien er und Robert unzertrennlich gewesen. Eugene nahm Robert wirklich überall hin mit, selbst auf Reisen. Bald darauf häuften sich laut Zeugenberichten unheimliche und erschreckende Vorfälle: Anwohner wie Gäste wollen gesehen haben, wie Robert zwinkerte oder mit übernatürlicher Geschwindigkeit von Raum zu Raum huschte. Schon bald soll auch Eugene angefangen haben, sich sonderbar zu verhalten. Der Junge sei wiederholt dabei beobachtet worden, wie er mit der Puppe sprach, und diese schien sogar zu antworten. Anfangs hätten die Eltern und Verwandten sich dies damit erklärt, dass Eugene mit einem imaginären Freund spreche; später hätten sie aber den Eindruck gehabt, dass die Stimme von Robert aus der Puppe gekommen sei.
Bald darauf habe sich die Heftigkeit der Vorfälle gesteigert: Möbel seien umgeworfen worden und Nachbarn wollen gesehen haben, wie Robert selbsttätig von Fenster zu Fenster wanderte, und die Puppe soll laut hörbar gehässig gekichert haben. Außerdem wurden die Eltern nachts angeblich von den Schreien Eugenes geweckt. Wenn sie in das Zimmer kamen, sei immer irgendetwas umgeworfen oder zerbrochen gewesen und Eugene habe stets behauptet: “Robert did it!” (dt. „Robert hat es getan!“ oder „Robert war’s!“). Als Eugenes Tante die Eltern überredete, die Puppe auf dem Dachboden wegzuschließen, um dem „Drama“ ein Ende zu bereiten (was die Eltern auch umsetzten), sei die Tante am nächsten Morgen tot in ihrem Bett aufgefunden worden. Eugene habe die Puppe umgehend wieder zurückerhalten.
Nachdem Eugene geheiratet hatte, will seine Frau Ann ebenfalls Opfer von Roberts bösen Streichen geworden sein. So soll die Puppe die Frau auf dem Dachboden eingeschlossen und ein anderes Mal gekratzt haben. Auch Gäste und Handwerker wollen Zeugen von Roberts Aktivitäten gewesen sein. In Anns Fall wurde allerdings schon früh geargwöhnt, dass Eugene selbst hinter der häuslichen Gewalt steckte und lediglich dreist der Puppe die Schuld in die Schuhe schob, so, wie er es vermutlich schon in Kindertagen getan hatte.
Nach Eugenes Tod im Jahre 1974 wurde Robert auf dem Dachstuhl aufbewahrt, wo er schließlich im selben Jahr von der zehnjährigen Tochter der neu eingezogenen Familie, Myrtle Reuter, gefunden wurde. Angeblich setzte Robert seine Schikanen und Aktivitäten fort, kaum dass das Mädchen die Puppe mit auf ihr Zimmer genommen hatte. Nach Aussage der Eltern wurde auch Myrtle nachts durch umkippende Möbel geweckt. Die Puppe habe angeblich am Bettende gesessen und das Kind bedroht. Schließlich übergab Myrtle die Puppe im Jahr 1994 der Museumsleitung der Key West Art Gallery. Noch zu dieser Zeit behauptete sie, die Puppe sei verflucht und bewege sich von selbst.
Noch heute soll Robert gemäß weit verbreiteten und populären Legenden und Gerüchten verflucht sein. Abweichende Versionen berichten von einem rachsüchtigen und intriganten Geist oder Dämon, der in der Puppe hausen soll. Wer auch immer im Besitz der Puppe sei, werde entweder Zeuge von paranormalen Ereignissen im eigenen Haus oder komme binnen kurzer Zeit durch ein Unglück zu Tode. Angeblich bewege sich die Puppe von selbst, außerdem könne Robert zwinkern. Noch heute behaupten Angestellte des Museums, dass Robert gelegentlich zwinkere oder sich bewege. Der Aberglaube um den Fluch, der auf der Puppe lasten soll, geht so weit, dass Besucher Robert um Erlaubnis bitten, bevor sie ihn fotografieren. In der Region um Key West ist der Ausspruch „Robert did it!“ im Alltag zu einer festen Redewendung für (vorgeschobene) Unschuldsbeteuerungen geworden.
Robert wird heute in der Martello Gallery des Key West Art and Historical Museums in Key West, Florida, ausgestellt. Er ist dort in einer freistehenden Glasvitrine eingeschlossen, wo die Puppe auf einem kleinen Holzstuhl sitzt und einen braunen Stofflöwen im Schoß hält.
Skeptiker wie David L. Sloan und John Harker untersuchten die Hintergründe der Familie Otto und von Robert, um mögliche Ursachen für die urbanen Legenden herauszufinden. Dabei stellten sie beide fest, dass besonders die späteren Geschichten um Robert zum Teil auf mangelndes Hintergrundwissen, teils auf Hörensagen fußen und teils frei erfunden sind. Beide fanden heraus, dass Robert von Eugenes Großvater 1904 erworben und wenige Monate nach dessen Ankunft in Key West von Minnie Otto als Geburtstagsgeschenk an Eugene weitergereicht wurde. Die Legende um die angeblich rachsüchtige Voodoo-Dienerin entpuppte sich als postume üble Nachrede: die Familie Otto unterhielt in der Tat zwei Angestellte haitischer Herkunft: William und Emeline Abbott. Emeline verlor um 1900 herum ihr eigenes Kind kurz nach dessen Geburt und zog deswegen wenige Jahre später aus. Die Ottos und die Abbotts standen sich außerordentlich nahe; Minnie war selbst weißhäutige Bahamaerin gewesen. Und es gibt keinerlei Beweise dafür, dass es zwischen den Familien je zu Fehden gekommen wäre. Das Meiste um Roberts angebliche Aktivitäten bewerten die Skeptiker als erfundene Geschichten seitens Eugene. Spätere urbane Legenden seien überwiegend als bewusste Falschaussagen zu bewerten, obgleich Sloan einwirft, dass es „bemerkenswert, geradezu überzeugend“ sei, wie viele Menschen bis heute aufrichtig an einen Fluch um Robert glaubten.
Die Skeptikerin und Publizistin Karen Stollznow sieht eine mögliche Ursache für urbane Legenden um besessene Puppen in dem eher leeren oder dauernd lächelnden Gesichtsausdruck von Puppen, der eine solche Zuordnung erleichtere. Sie vergleicht Roberts Fall mit dem der Puppe Annabelle, die ebenfalls verflucht sein soll. Auch Annabelle ist mittlerweile in einem Privatmuseum untergebracht; beide Puppen inspirierten Verfilmungen.
Die Gerüchte und Legenden um Robert dienten als Vorlage für Chucky – Die Mörderpuppe aus dem Jahr 1988, dem mehrere Fortsetzungen folgten. Hier wurde neben dem Namen auch das Aussehen der Puppe drastisch geändert. 2015 entstand zudem der Horrorfilm Robert – Die Puppe des Teufels, von dem bis 2019 vier Fortsetzungen gedreht wurden.