
Robert Dorr (* 4. September 1835 in Fürstenau, Landkreis Elbing, Westpreußen; † 12. Februar 1919 in Elbing) war ein deutscher Gymnasiallehrer, Regionalhistoriker, Sachbuchautor, Dialektdichter und Schriftsteller der niederdeutschen Sprache.
Dorr, Sohn des Hofbesitzers Ludwig Dorr in Fürstenau im Großen Marienburger Werder, d. h. auf der Binneninsel zwischen Weichsel und Nogat, bestand Ostern 1857 am Königlichen Gymnasium zu Elbing die Abiturprüfung und studierte anschließend Geschichte, Geographie und alte Sprachen an der Universität Königsberg, wo Schubert, Giesebrecht, Lehrs und Friedländer seine bedeutendsten Lehrer waren. Nachdem er 1861 in Königsberg mit dem Dissertationsthema De bellis Francorum cum Arabibus gestis usque ad obitum Karoli Magni promoviert und bald darauf das Staatsexamen bestanden hatte, bot ihm der Historiker Giesebrecht an, ihn nach München mitzunehmen und eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Aus Rücksicht auf seine eigene Familie blieb Dorr jedoch in der Elbinger Region. 1862 nahm er eine ordentliche Lehrerstelle am Elbinger Städtischen Realgymnasium an, 1872 wurde er dort zum Oberlehrer ernannt, nach einer Dienstzeit von 40 Jahren an dieser Anstalt trat er 1902 in den Ruhestand.
Als der Mitbegründer und spätere Präsident der Elbinger Altertumsgesellschaft Anger 1883 als Gymnasialdirektor nach Graudenz berufen wurde, war Dorr zunächst als dessen Stellvertreter in den Vorstand eingetreten, arbeitete sich ein und wurde schon 1884 zum Vorsitzenden gewählt. Seine Vorstandstätigkeit dauerte 32 Jahre. Als er im Alter von 81 Jahren das Amt niederlegte, wurde er zum Ehrenvorsitzenden der Elbinger Altertumsgesellschaft gewählt. Er hatte mehrere archäologische Ausgrabungen in der Elbinger Region geleitet und war an der Erforschung von Burgwällen und anderen vorgeschichtlichen Siedlungsstätten beteiligt. Der wegen Verlandung lange verschollene mittelalterliche Seehandelsplatz Truso, dessen Lage Dorr an der Preripherie der Stadt Elbing vermutet hatte, ist bei Ausgrabungen 1982–1987 auf den zum ehemaligen Rittergut Hansdorf gehörenden Wiesen am Drausensee kurz vor Kämmersdorf entdeckt worden.
Dorr war seit seiner Kindheit mit dem Großen Werder verwurzelt und beherrschte vollständig den dort gesprochenen speziellen westpreußischen Dialekt. 1862 veröffentlichte er den Gedichtband Tweschen Wiessel on Nagt (Zwischen Weichsel und Nogat), der 1897 in zweiter, stark vermehrter Auflage erschien und in dem er Eindrücke von den Lebensgewohnheiten der einheimischen Landbevölkerung in dem Flussdelta zwischen Weichsel und Nogat zu plattdeutschen Gedichten und Dichtungen verarbeitet hat. Er war ein Kenner und Bewunderer der Werke Shakespeares und hat dessen Komödie Die lustigen Weiber von Windsor in den speziellen im Großen Werder gesprochenen Dialekt übersetzt (Th. Kaulfuß'sche Buchhandlung, Liegnitz 1877).
Dorr verstarb krankheitsbedingt im Alter von 83 Jahren.
| Personendaten | |
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| NAME | Dorr, Robert |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Pädagoge, Heimatforscher, Dialektdichter und Schriftsteller der niederdeutschen Sprache |
| GEBURTSDATUM | 4. September 1835 |
| GEBURTSORT | Fürstenau |
| STERBEDATUM | 12. Februar 1919 |
| STERBEORT | Elbing |