Robert Gerwarth

Robert Gerwarth (2011)

Robert Benjamin Gerwarth (* 12. Februar 1976 in Berlin) ist ein deutscher Historiker, der am irischen University College Dublin lehrt und das dortige Zentrum für Kriegsstudien leitet.

Leben

Gerwarth studierte Geschichte und Politikwissenschaften in Berlin und Oxford und wurde an der University of Oxford mit einer 2005 publizierten Studie zum Bismarck-Mythos promoviert. Als Postdoktorand absolvierte er Forschungsaufenthalte an den Universitäten Oxford, Princeton und Harvard. Für seine Forschungen zur politischen Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts erhielt er verschiedene Stipendien, unter anderem durch das European Research Council, die British Academy und die Guggenheim-Foundation.

Gerwarth ist Professor für Moderne Geschichte am University College Dublin und Gründungsdirektor des dortigen, seit 2010 bestehenden Zentrums für Kriegsstudien. 2012 wurde er zum Mitglied der Royal Irish Academy gewählt, 2015 in die Academia Europaea. 2020 erhielt er den Reimar Lüst-Preis der Alexander von Humboldt-Stiftung „in Würdigung herausragender wissenschaftlicher Leistungen“. 2022 wurde er vom Irish Research Council als „Forscher des Jahres“ ausgezeichnet.

Nachdem seine Studie zum Bismarck-Mythos, die diesen als mächtigen ideologischen Gegner der Weimarer Republik analysiert, der „eine idealisierte Vergangenheit aufrief“, die die Gegenwart der Republik entwertet habe, eine große öffentliche Resonanz fand, wird seine im September 2011 erschienene Biografie über den Chef des Berliner Reichssicherheitshauptamtes (RSHA), Reinhard Heydrich, in einer Rezension des Spiegel als „erste wissenschaftliche Biografie“ verortet. Weitere Besprechungen, unter anderen des Historikers Hans Mommsen, bestätigen diese Einschätzung einer wissenschaftlich vorzüglichen Biographie, die zudem gut lesbar sei.

2017 erschien sein viel beachtetes und mehrfach ausgezeichnetes Buch Die Besiegten (orig. The Vanquished, 2016) in deutscher Übersetzung, 2018 folgte eine Monografie zur deutschen Novemberrevolution.

Schriften (Auswahl)

Übersetzung: Reinhard Heydrich. Biographie. Siedler, München 2011, ISBN 978-3-88680-894-6.

Auszeichnungen

Commons: Robert Gerwarth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Dieter Langewiesche: Mächtiger Gegner. Der Bismarck-Mythos im Übergang vom deutschen Kaiserreich zur Weimarer Republik. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 26. Mai 2008, archiviert vom Original am 2. August 2012; abgerufen am 6. Dezember 2025.
  2. ↑ Rezensionen bei perlentaucher.de mit Hinweisen auf – neben der FAZ – positive Rezensionen der Süddeutschen Zeitung und der Zeit.
  3. ↑ Georg Bönisch: Junger Todesgott. Fast 70 Jahre nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich erscheint die erste wissenschaftliche Biografie über den Holocaust-Organisator. Zur SS ging er demnach seiner Frau zuliebe. In: Der Spiegel, Nr. 38/2011, S. 30 f.
  4. ↑ Siehe die Rezensionen von Thomas Schnabel, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. Mai 2012; Hans Mommsen, in: Frankfurter Rundschau, 20. Dezember; Klaus Hillenbrand, in: Die Tageszeitung, 8. Dezember 2011; Burkhard Müller, in: Süddeutsche Zeitung, 11. Oktober 2011; siehe auch die Zusammenfassungen dieser Rezensionen bei Perlentaucher. Etwas differenzierend René Küpper, in: Bohemia, 52 (2012), 2, S. 394–399.
  5. ↑ Übersetzt von Udo Rennert.
  6. ↑ The Wiener Library: Previous Winners (Memento vom 11. März 2017 im Internet Archive); abgerufen am 17. Februar 2017.