Robert Harris studierte am Selwyn College der Universität Cambridge englische Literatur. Danach arbeitete er als Reporter bei der BBC, als politischer Redakteur bei der Zeitung The Observer und als Kolumnist beim Daily Telegraph. Zurzeit ist er als ständiger Kolumnist der Sunday Times tätig. Sein erster Roman Fatherland (dt. ‚Vaterland‘) wurde 1992 veröffentlicht. Vaterland spielt 1964 im Berlin eines nationalsozialistischen Deutschlands, das den Zweiten Weltkrieg nicht verloren hat. Vom Schweizer Haffmans Verlag bereits 1992 in deutscher Übersetzung herausgebracht, fand es in Deutschland aufgrund der als problematisch wahrgenommenen Thematik zunächst keinen Verlag. Erst 1994 wurde der Roman vom Heyne Verlag in München als Taschenbuch veröffentlicht.
Vaterland war der erste Bestseller von Robert Harris, übersetzt in 30 Sprachen und mit einer Auflage von mehr als sechs Millionen Stück. Auch in seinen anderen Romanen nahm Harris historische Ereignisse als Grundlage für die Handlung und vermischte Fiktion und Wirklichkeit. So geht es etwa in der TrilogieImperium, Titan und Dictator um die Lebensgeschichte Ciceros. Harris ist dabei um möglichst große Faktentreue bemüht. Ghost, ein Roman über den Ghostwriter eines Politikers, wurde als Abrechnung mit dem früheren britischen Premierminister Tony Blair gewertet, mit dem Harris lange Zeit befreundet war. Der Regisseur Roman Polański verfilmte den Roman 2010 mit Ewan McGregor als Ghostwriter und Pierce Brosnan in der Rolle des Politikers Adam Lang. Die Drehbuchvorlage für Der Ghostwriter brachte Polański und Harris den Europäischen Filmpreis ein. Nach dem Brexit-Referendum trat Harris der Labour Party bei, verließ die Partei wieder und ist nun Mitglied bei Liberal Democrats. Das Buch über die Dreyfus-Affäre The Officer and the Spy verfilmte Polanski im Jahr 2019 unter dem Titel J'accuse unter Beteiligung von Harris als Drehbuchautor. Der Film wurde 2019 in Venedig mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet.
Harris verkaufte das Drehbuch zu seinem Buch Konklave. Dennoch war er als Produzent an der Entwicklung des Films Konklave von Regisseur Edward Berger beteiligt. Der Film, der bei der Oscarverleihung 2025 insgesamt acht Nominierungen erhielt, wurde schließlich für das Beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet, und somit auch Harris’ Arbeit geehrt. In einem Interview sagte er, dass er nach dem Rechteverkauf gelassen bleibe, da ihm nun keine Gestaltungsfreiheit bleiben würde. Außerdem habe ihm der Film und besonders die Szenen in der Sixtinischen Kapelle gut gefallen.
Im Jahr 2024 erschien sein neuer Roman Abgrund, in dem es um die Affäre des britischen Premierministers H. H. Asquith (1852–1928) geht. Harris gab an, dass ihn die Affäre interessiert habe. Asquith habe seiner Geliebten Geheimdokumente gezeigt, obwohl er ansonsten ein gewiefter Politiker gewesen sei.
Robert Harris ist verheiratet und hat vier Kinder. Zurzeit lebt er mit seiner Frau Gill Hornby und zwei Kindern in Berkshire. Sein Schwager ist der Schriftsteller Nick Hornby. In der britischen FernsehserieHitler zu verkaufen, die auf seinem Sachbuch Selling Hitler beruht, trat Harris in einer Nebenrolle als Reporter auf.
2020: César in der Kategorie Bestes adaptiertes Drehbuch für An Officer and a Spy (gemeinsam mit Roman Polański)
Werke
Sachbücher
mit Jeremy Paxman: Eine höhere Form des Tötens. Die geheime Geschichte der B- und C-Waffen.Econ, Düsseldorf 1983, ISBN 978-3-430-14052-2 (Originaltitel: A Higher Form of Killing. Secret Story of Gas and Germ Warfare. 1982. Übersetzt von Gernot Barschke).
Erweiterte Neuauflage: Der lautlose Tod. Die Geschichte der biologischen und chemischen Waffen. Heyne, München 2002, ISBN 978-3-453-86570-9.
↑häufige Neuauflagen. Auch als Reader’s Digest, "Auswahlbücher - Bestseller Sonderband" 2006, ohne ISBN, und ebd. "Auswahlbücher" 2005, ISBN 3-89915-230-1, mit zwei bzw. drei anderen Bestsellern in 1 Band