Robert Arthur „Robin“ Riddles (geboren am 23. Mai 1892 in East Preston, Worthing; gestorben am 18. Juni 1983) war ein britischer Maschinenbauer, Lokomotivkonstrukteur und Manager. Er begann seine Karriere bei den Crewe Works der London and North Western Railway (LNWR). Ab 1933 war er Assistent von William Stanier, dem Chief Mechanical Engineer (CME) der London, Midland and Scottish Railway (LMS) und war an der Konstruktion der meisten Entwürfe von Stanier beteiligt. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs übernahm Riddles eine Führungsposition im Ministry of Supply, ging aber 1943 zurück zur LMS, deren Vizepräsident er 1944 wurde. Nach der Nationalisierung der britischen Eisenbahnen infolge des Transport Act 1947 wurde Riddles 1948 Mitglied der Railway Executive der British Transport Commission und als solcher verantwortlich für den gesamten ingenieurtechnischen Bereich von British Railways (BR). Bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 1953 bestimmte er wesentlich die Entwicklung und Beschaffung von Lokomotiven und Triebwagen für British Railways mit.
Riddles wurde in East Preston, einem Dorf bei Worthing an der englischen Südküste, geboren. Nach der Schulzeit nahm er 1909 eine Ausbildung als Premium Apprentice in den Crewe Works der LNWR unter Charles Bowen Cooke, dem damaligen CME der LNWR, auf, die er 1913 abschloss. Parallel besuchte er Kurse am Mechanics’ Institute in Crewe. Während des Ersten Weltkriegs diente er an der bei den Royal Engineers an der Westfront und wurde schwer verwundet.
Nach Kriegsende kehrte er 1919 zur LNWR nach Crewe zurück. Dort war zunächst als Bricks and Mortar Assistant für den Bau einer neuen Produktionshalle verantwortlich. Als die Arbeiten daran eingestellt wurden, übernahm er die Leitung einer für Produktivitätssteigerung zuständigen Abteilung. In dieser Funktion studierte er zeitweilig in Horwich die von der Lancashire and Yorkshire Railway (L&YR) in ihren dortigen Werkstätten angewandten Methoden. Die LNWR ging 1923 infolge des Railways Act 1921 in der neugegründeten London, Midland and Scottish Railway (LMS) auf. Für die LMS war er bis 1927 mit der Neuorganisation der Werkstätten in Crewe befasst, wobei er während des Generalstreiks 1926 als Lokomotivführer tätig war. Er führte dabei mehrfach Züge über die West Coast Main Line zwischen Crewe und Carlisle und betrachtete die dabei gesammelten Erfahrungen später als sehr hilfreich für seine Konstruktionsarbeit. 1927 übernahm er für einige Monate eine neue Aufgabe in den Derby Works, die er in Zusammenarbeit mit George Ivatt, dem dortigen Werksleiter und späteren CME der LMS, reorganisierte. 1933 wechselte er von Crewe zum Hauptsitz der LMS in London Euston, wo er Assistent von William Stanier, dem neuen CME der Bahngesellschaft, wurde.

Als Assistent von Stanier, ab 1935 als Principal Assistant, war Riddles an der Entwicklung der meisten neuen Lokomotivklassen für die LMS beteiligt. Insbesondere bei der Coronation Class, der neuen Stromlinien-Pacific der LMS, übernahm und koordinierte er wesentliche Teile der Entwurfsarbeiten, da Stanier zu dieser Zeit mit einer Untersuchung in Indien beauftragt war. 1937 wechselte er als Mechanical & Electrical Engineer Scotland der LMS nach Glasgow, obwohl er sich Hoffnung auf die Nachfolge von Stanier gemacht hatte. Dieser berief stattdessen Charles Fairburn als neuen Assistenten, der ihm schließlich 1944 auch als CME nachfolgte. 1939 übernahm er einen Sonderauftrag und begleitete die Vorführfahrt einer Coronation Class durch die USA anlässlich der Weltausstellung in New York. Da der mitgereiste Lokomotivführer der LMS bald krankheitsbedingt ausfiel, führte Riddles die Lokomotive auf dem Großteil der rund 5000 km langen Rundfahrt durch mehrere US-Bundesstaaten selber.
Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs diente Riddles im Ministry of Supply als Director of Transportation Equipment. 1941 wurde er Deputy Director General, Royal Engineer Equipment im Ministerium. Zu seinen Aufgaben gehörte unter anderem die Entwicklung und Beschaffung geeigneter Kriegslokomotiven für die Eisenbahntruppen der British Army. Die LMS forderte ihn 1943 vom Dienst im Ministerium zurück und Riddles wurde zunächst Chief Stores Superintendent. Riddles selbst wäre lieber Staniers Nachfolger als CME geworden, diesen Posten bekam aber dessen Assistent Fairburn. Nach Fairburns überraschendem Tod 1945 übernahm George Ivatt diese Funktion, Riddles wurde Vizepräsident der LMS.
Die LMS wurde 1948 wie die anderen drei großen Eisenbahngesellschaften des Landes nationalisiert. Premierminister Clement Attlee hatte die Unterhauswahlen 1945 unter anderem mit dem Versprechen der Verstaatlichung wichtiger Industriezweige gewonnen und setzte dies im Verkehrsbereich mit dem Transport Act 1947 um. Die vier großen Privatbahnen wurden von der British Transport Commission übernommen und in der Railway Executive zusammengeschlossen, die nach außen als British Railways auftrat. Riddles wurde in der Vorbereitung der Übernahme bereits 1947 Member of the Railway Executive for mechanical and electrical engineering. Damit war er zusammen mit Roland Bond, dem Chief officer (locomotive construction and maintenance) und Ernest Stewart Cox, dem Executive officer (design) für die gesamte Entwicklung des Fahrzeugparks von British Railways zuständig.
Bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 1953 verantwortete Riddles alle wesentlichen Lokomotivbeschaffungen und Neukonstruktionen von British Railways. Er setzte dabei auf die künftige Elektrifizierung des britischen Schienennetzes. Bis dahin sollte eine neue Generation von Dampflokomotiven den heterogenen, aus mehreren hundert verschiedenen Konstruktionen bestehenden Bestand erneuern. Riddles schätzte neue Dampflokomotiven im Vergleich mit Diesellokomotiven von ihren Kapitalkosten her als deutlich günstiger ein. Er vernachlässigte in seinen Berechnungen jedoch die steigenden Betriebskosten der Dampftraktion. Zwischen 1951 und 1960 kamen insgesamt 999 Lokomotiven der British-Railways-Standardklassen in den Bestand. Die Entwürfe der insgesamt 12 Standardklassen waren maßgeblich von Riddles gestaltet worden. Bereits Anfang der 1950er Jahre zeigte sich jedoch, dass die Elektrifizierung aus Kostengründen viel langsamer als geplant erfolgen würde. Steigende Lohnkosten und sinkende Ölpreise führten schließlich dazu, dass British Railways ab Mitte der 1950er Jahre überstürzt die Beschaffung von Diesellokomotiven und Dieseltriebwagen in großen, teils kaum erprobten Serien aufnahm. Riddles’ Standardlokomotiven wurden teilweise bereits nach weniger als zehn Jahren Einsatzzeit abgestellt und verschrottet.
Riddles war ab 1953 noch einige Zeit als Direktor für den Maschinenbauer und Kranhersteller Stothert & Pitt in Bath tätig. Von 1950 bis 1951 war er Präsident der Institution of Locomotive Engineers.


Während seiner Zeit im Ministry of Supply entstanden drei Typen von Kriegslokomotiven unter der Leitung von Riddles:
Alle drei Klassen wurden in großen Stückzahlen beschafft und an fast allen Fronten des Krieges in Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten eingesetzt. Bei ihrer Konstruktion legte Riddles Wert auf vereinfachte und preiswerte Bauweise sowie leichte Instandhaltung. Nach Kriegsende blieben viele der Lokomotiven in den Einsatzländern zurück und wurden von den jeweiligen Bahngesellschaften übernommen. Die vier großen britischen Bahngesellschaften und in ihrer British Railways übernahmen ebenfalls viele der als Austerities bezeichneten Lokomotiven.
Ab 1951 kamen die Lokomotiven der von Riddles verantworteten 12 Standardklassen zu British Railways. Obwohl offiziell in den neuen Konstruktionen die besten Praktiken der vier früheren Bahngesellschaften zusammengeführt werden sollten, dominierten durch Riddles’ berufliche Herkunft LMS-Entwürfe; einige Standardklassen waren lediglich Weiterentwicklungen jüngerer LMS-Konstruktionen. Bis 1960 beschaffte British Railways 999 Standardlokomotiven:
In Summe waren die Standardlokomotiven von Riddles betrieblich erfolgreich, auch wenn bspw. die kleinere Pacific der Klasse 6 als vergleichsweise wenig leistungsfähig und schlechte Dampfmacher kritisiert wurden. Dagegen galten die schweren Güterzuglokomotiven der Klasse 9F als sehr gelungen. Für die vorgesehenen Einsatzgebiete vor allem der kleineren Klassen waren noch ausreichend neuere Lokomotiven der Vorgängerbahnen vorhanden, so dass ihre Beschaffung als eigentlich unnötig kritisiert wurde. Die letzten Standardlokomotiven blieben bis zum Ende der Dampftraktion bei British Railways im August 1968 in Betrieb, viele erreichten aber bedingt durch die beschleunigte Verdieselung weniger als zehn Jahre Einsatzzeit.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Riddles, Robert Arthur |
| ALTERNATIVNAMEN | Riddles, Robert Arthur; Riddles, Robin |
| KURZBESCHREIBUNG | britischer Lokomotivkonstrukteur und Eisenbahningenieur |
| GEBURTSDATUM | 23. Mai 1892 |
| GEBURTSORT | Worthing |
| STERBEDATUM | 18. Juni 1983 |