Robin Dunbar

Robin Dunbar

Robin Ian MacDonald Dunbar, kurz R. I. M. Dunbar (* 28. Juni 1947 in Liverpool) ist ein britischer Psychologe. Er ist emeritierter Professor für evolutionäre Psychologie am Department of Experimental Psychology der University of Oxford. Diese Professur hat er seit 2012 inne; von 2007 bis 2012 war er in Oxford bereits Professor für Evolutionsanthropologie und Leiter des Institute of Cognitive and Evolutionary Anthropology. Zuvor war er von 1987 bis 1994 Professor für Anthropologie am University College London und von 1994 bis 2007 Professor für evolutionäre Psychologie an der University of Liverpool.

Er spezialisierte sich im Bereich des Verhaltens von Primaten und erklärte die Entstehung der menschlichen Sprache als kommunikatives „Kraulen“ in größeren sozialen Gruppen.

Seit 1998 ist er Fellow der British Academy. Er unterstützt die British Humanist Association. Für 2019 wurde Dunbar der Human Roots Award zugesprochen.

Klatsch und der Ursprung der menschlichen Sprache

Es gibt anatomische Voraussetzungen für die menschliche Sprechfähigkeit, die soziale Voraussetzung war der Kommunikationsbedarf in größeren Horden der Urmenschen, das ist die These von Dunbars Hauptwerk Grooming, Gossip and the Evolution of Language. Dunbar geht davon aus, dass die der Sprachlaute am Anfang dieselbe Funktion hatten wie das Kraulen (social grooming) in kleineren Horden: Klatsch und Tratsch seien Kitt, der die Gesellschaft seit Alters her zusammenhalte. Erst die Entwicklung der Sprache habe es möglich gemacht, in größeren Gruppen für sozialen Zusammenhalt zu sorgen, sagt Dunbar: „Sie erlaubt uns, mit einer Reihe von Individuen gleichzeitig zu interagieren und Information über den Zustand unseres sozialen Netzwerks auszutauschen.“ Klatsch-Kommunikation drehe sich um die Frage, was „normal“ und erlaubt und was vielleicht anrüchig ist. Wenn Beobachtungen und Meinungen über das Verhalten Dritter ausgetauscht werden, werden also soziale Normen verhandelt. Sprache wird nur zu einem geringen Teil zum Informieren über Sachen und Sachverhalte verwendet, Sprache dient der Pflege von Gemeinschaft. Noch heute, so Dunbar, sind mehr als 60 Prozent des täglichen Gesprächsaufkommens eines Menschen „Klatsch und Tratsch“, handeln also von zwischenmenschlichen Belangen von echten oder vermeintlichen Gruppenmitgliedern.

Dunbar-Zahl

Dunbar untersuchte Anfang der 1990er Jahre den Zusammenhang zwischen dem Gehirnaufbau von Säugetieren (insbesondere den Anteil des Neocortex an der Großhirnrinde) und der Gruppengröße, in denen diese Säuger jeweils leben. Für den Menschen ergäbe sich demnach eine maximale Gruppengröße von 150 – die Dunbar-Zahl (Dunbar’s number). Dunbar zufolge stimmt dies mit empirischen Beobachtungen an tatsächlichen menschlichen Gemeinschaften überein.

Derzeit wird diskutiert, inwiefern diese Regel auch für virtuelle soziale Netzwerke gültig ist.

Veröffentlichungen

Commons: Robin Dunbar – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Robin Dunbar. Department of Experimental Psychology, University of Oxford, abgerufen am 18. März 2025 (englisch).
  2. ↑ R. I. M. Dunbar. (PDF) Department of Experimental Psychology, University of Oxford, abgerufen am 18. März 2025 (englisch, Lebenslauf).
  3. ↑ Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 15. August 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. ↑ British Academy: Fellows Archive (Memento vom 2. Februar 2008 im Internet Archive).
  5. ↑ British Humanist Association: Professor Robin Dunbar FBA (Memento vom 17. Juli 2012 im Internet Archive).
  6. ↑ Christina Nitzsche: Archäologisches Forschungszentrum MONREPOS ehrt Evolutionspsychologen Robin Dunbar mit internationalem Forschungspreis. Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) - Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie, Pressemitteilung vom 31. Juli 2019 beim Informationsdienst Wissenschaft (idw-online.de), abgerufen am 31. Juli 2019.
  7. ↑ R. I. M. Dunbar: Coevolution of neocortical size, group size and language in humans. In: Behavioral and Brain Sciences. Band 16, Nr. 4, 1993, S. 681–735 (Entwurfsversion) Abruf am 27. Februar 2019.
  8. ↑ Christian Stöcker: Kommunikation – Im Anfang war der Tratsch. In: Süddeutsche Zeitung. 28. Juli 2004.
  9. ↑ Marco Metzler: Die Mechanismen virtueller Beziehungsnetze. In: Neue Zürcher Zeitung. 16. November 2007.
Personendaten
NAME Dunbar, Robin
ALTERNATIVNAMEN Dunbar, Robin Ian MacDonald (vollständiger Name); Dunbar, R. I. M.
KURZBESCHREIBUNG britischer Psychologe
GEBURTSDATUM 28. Juni 1947
GEBURTSORT Liverpool