| RBS 70 | |
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RBS 70 der Lettisch Nationalen Streitkräfte | |
| Allgemeine Angaben | |
| Typ | Flugabwehrlenkwaffe |
| Heimische Bezeichnung | Robotsystem 70, Rayrider |
| NATO-Bezeichnung | RBS 70 |
| Herkunftsland | |
| Hersteller | Saab Bofors Dynamics (SBD) |
| Entwicklung | 1969 |
| Indienststellung | 1976 |
| Einsatzzeit | im Dienst |
| Stückpreis | 70.000 US-Dollar |
| Technische Daten | |
| Länge | 1,32 m |
| Durchmesser | 106 mm |
| Gefechtsgewicht | 16,5 kg |
| Spannweite | 320 mm |
| Antrieb Erste Stufe Zweite Stufe |
Feststoffbooster Feststoffraketentriebwerk |
| Geschwindigkeit | 580 m/s (Mach 1,7) |
| Reichweite | 0,2–7 km |
| Dienstgipfelhöhe | 0–5.000 m |
| Ausstattung | |
| Lenkung | Trägheitsnavigationsplattform |
| Zielortung | Passive Laserzielsuche |
| Gefechtskopf | 1,2-kg-Splitter/Hohlladung |
| Zünder | Aufschlagzünder & Näherungszünder |
| Waffenplattformen | MANPADS, Fahrzeuge |
| Listen zum Thema | |
Das Robotsystem 70 (kurz RBS 70) ist ein schultergestütztes Kurzstrecken-Boden-Luft-Lenkwaffensystem (MANPADS) aus Schweden.
Das RBS 70 entstand aufgrund einer Forderung des Schwedischen Heers. Dieses plante ab 1967, die 20-mm-Fliegerabwehrkanonen, die 40-mm-Bofors-Geschütze sowie die Flugabwehrraketen FIM-43 Redeye (RB 69) zu ersetzen. Die neue Flugabwehrrakete sollte kostengünstig und einfach bedienbar sein. Mitte 1969 bekam das schwedische Unternehmen Saab Bofors Dynamics (SBD) den Auftrag zur Entwicklung des RBS 70. Im Jahr 1973 begann die Truppenerprobung beim schwedischen Heer. Zwischen 1974 und 1975 wurden über 100 Teststarts durchgeführt. Im Juni 1975 bekam Saab Bofors Dynamics den Auftrag zur Serienfertigung und 1976 war das RBS 70 schließlich operationell. In den darauffolgenden Jahren wurde das RBS 70 mehrfach modernisiert und der aktuellen Bedrohungslage angepasst. Bis Ende 2020 wurden rund 1.600 Startgeräte sowie über 18.000 Lenkflugkörper produziert und weltweit exportiert.
RBS 70 gehört zur Klasse der Man Portable Air Defense Systems. Es kann gegen Flugzeuge, Hubschrauber, Marschflugkörper, unbemannte Luftfahrzeuge sowie leicht gepanzerte Bodenziele eingesetzt werden. Das RBS 70 kann von einem Soldaten bedient und von 2–3 Soldaten über kurze Strecken transportiert werden. Ein RBS 70-Starter besteht aus drei Komponenten: einem Dreibein mit Sitzfläche (Gewicht 24 kg), einer Zielerfassungseinrichtung (11 kg) sowie einem Transport- und Abschussrohr mit dem Lenkflugkörper (25 kg). Die Zielerfassungseinrichtung beinhaltet eine Batterie für die Elektrizitätsversorgung, den Laser für die Lenkflugkörper-Steuerung sowie die Zieloptik mit einem Okular mit 7facher Vergrößerung. Weiter ist ein C2-System verbaut. Dieses empfängt über ein Kabel oder Funkgerät Daten von der Luftraumüberwachung. Dem Schützen werden dabei im Okular die Flugrouten (Azimut und Elevation) von Luftzielen dargestellt. Damit wird eine Frühwarnung für den Schützen sichergestellt. Für die Luftraumüberwachung in Zusammenarbeit mit dem RBS 70 können verschiedene Überwachungsradars wie der PS-70 Giraffe, der Ericsson HARD oder der P-STAR ER der Firma Lockheed-Martin verwendet werden. Weiter kann an der Zielerfassungseinrichtung ein IFF-Gerät sowie ein Nachtsichtgerät angebracht werden.

Der Lenkflugkörper ist in einem Transport- und Abschussrohr aus GFK untergebracht. Dieses hat eine Länge von 1,7 m sowie einen Außendurchmesser von 152 mm. Der Lenkflugkörper wiegt je nach Version 13–17 kg. Rumpf und die Flügel bestehen zu großen Teilen aus Leichtmetall und GFK. In der Lenkwaffenspitze befinden sich der Aufschlagzünder und der Laser-Näherungszünder. Dahinter folgt der Gefechtskopf. Dieser besteht aus einer 1,2 kg wiegenden Hohlladung um die, je nach Version 2.000–3.000 Pellets aus Wolfram angeordnet sind. Hinter dem Gefechtskopf ist die Trägheitsnavigationsplattform mit den Gyroskopen verbaut. Dahinter folgt das Feststoffraketentriebwerk von IMI plc mit zwei seitlich am Rumpf angeordneten Düsen. Im Heck sind die Elektronik, die Aktuatoren, die Batterie sowie die Empfänger für den Laserstrahl verbaut. Am Flugkörperrumpf sind zwei Gruppen von Stabilisierungs- und Steuerflächen angebracht. Am Heck sind vier trapezförmige Steuerflächen angebracht. Etwa in der des Flugkörperrumpfs sind vier Stabilisierungsflächen mit Sägezähnen montiert. Diese Flächen sind, während sich die Lenkwaffe in dem Transport- und Startbehälter befindet, an den Flugkörperrumpf angelegt.
Um einen RBS 70-Starter aufzubauen und feuerbereit zu machen, werden rund 30 Sekunden benötigt. Nachdem der Schütze das Ziel anvisiert hat und sich die Winkelgeschwindigkeit im zulässigen Bereich befindet, wird per Knopfdruck der Lenkflugkörper gestartet. Für die Zielerfassung und den Lenkflugkörper-Start werden 4–6 Sekunden benötigt. Der schnellabrennende Feststoffbooster befördert den Flugkörper mit 50 m/s mehrere Meter aus dem Transport- und Abschussrohr. Nach dem Ausstoß aus dem Startrohr werden am Flugkörper die Stabilisierungs- und Steuerflächen ausgeklappt. Der ausgebrannte Booster fällt vor dem Startrohr zu Boden. In sicherer Entfernung zum Schützen zündet das Feststoffraketentriebwerk und beschleunigt den Flugkörper innerhalb weniger Sekunden auf die Marschfluggeschwindigkeit. Die Brenndauer beträgt rund 6 Sekunden und die Brennschlussgeschwindigkeit liegt je nach Version bei Mach 1,5 bis über Mach 2. RBS 70 arbeitet mit einem SACLOS-Lenksystem (Halbautomatische Kommandolenkung). Dabei wird der Flugkörper mittels eines Laser-Leitstrahls an das Ziel herangeführt. Der Schütze braucht dabei lediglich das Ziel im Visier zu verfolgen. Es können Flugziele frontal, im Vorbeiflug oder wegfliegend bekämpft werden. Dabei kann der Flugkörper Flugmanöver mit einer maximalen Querbelastung von 25g ausführen. Kommt das Flugziel in den Ansprechradius des Näherungszünders (3 m), wird der Gefechtskopf gezündet. Bei einem Direkttreffer wird der Sprengkopf durch den Aufschlagzünder ausgelöst. Wird das Ziel verfehlt, so zerstört sich der Lenkflugkörper nach einer bestimmten Flugzeit durch Selbstzerstörung. Gemäß Hersteller soll RBS 70 eine Treffererwartung von 90–95 % erreichen. Um den Starter mit einem neuen Lenkflugkörper nachzuladen, werden rund 7 Sekunden benötigt.
Die Varianten der Hauptserien sind fett dargestellt.

Das RBS 70 kam im Ersten Golfkrieg (Iran-Irak-Krieg), im Zweiten Golfkrieg sowie beim Russischen Überfall auf die Ukraine seit 2022 zum Einsatz.
Quellen: