Rolf Engelsing studierte an der Philosophischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen, wo er 1955 mit einer Arbeit unter dem Titel Bremen als Auswandererhafen 1683–1880promoviert wurde und sich 1966 habilitierte. Danach war er Bibliothekar an der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen. Ab 1964 war er an der Freien Universität Berlin beschäftigt, von 1964 bis 1966 als Akademischer Rat am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät und bis 1969 als Wissenschaftlicher Rat. Im Jahr 1969 wurde er als Professor berufen. Von 1971 bis 1986 hatte er den Lehrstuhl am Zentralinstitut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ZI 6) im Arbeitsbereich Wirtschafts- und Sozialgeschichte inne. Dort lehrte er über die soziale Lage der Unterschichten sowie über Buch- und Sozialgeschichte, wobei er zuvor selten benutzte Quellen wie Tagebücher, Karikaturen, Briefe und Notizen unterer Schichten verwendete. Ein Schwerpunkt seiner Forschung war die Geschichte des Lesens.
Rolf Engelsing gilt als Pionier der deutschen Leseforschung, er hat zentrale Werke zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Buchgewerbes geschrieben. Sein akademischer Nachlass befindet sich im Archiv der Freien Universität.
Veröffentlichungen (Auswahl)
Monografien
Bremen als Auswandererhafen 1683–1880 (= Veröffentlichungen aus dem Staatsarchiv der Freien Hansestadt Bremen. Heft 29). Schünemann, Bremen 1961 (Dissertationsschrift, PDF; 40,67 MB).
Lateinische Gedichte. Mit Holzschnitten aus deutschen Frühdrucken. Schünemann, Bremen 1965.
Massenpublikum und Journalistentum im 19. Jahrhundert in Nordwestdeutschland. Duncker und Humblot, Berlin 1966.
Kleine Wirtschafts- und Sozialgeschichte Deutschlands. Verlag für Literatur und Zeitgeschichte, Hannover 1968.
Zur Sozialgeschichte deutscher Mittel- und Unterschichten. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1973.
Analphabetentum und Lektüre. Metzler, Stuttgart 1973.
Der Bürger als Leser. Lesergeschichte in Deutschland 1500–1800. Metzler, Stuttgart 1974.
Arbeit, Zeit und Werk im literarischen Beruf. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1976.
Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Deutschlands. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1973.
Die periodische Presse und ihr Publikum. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens. Band 4, 1963, S. 1481–1534.
Zeitung und Zeitschrift in Nordwestdeutschland 1800–1850. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens. Band 5, 1963, S. 849–956.
Die Zeitschrift in Nordwestdeutschland 1850–1914. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens. Band 6, 1965, S. 937–1036.
Lebenshaltungen und Lebenshaltungskosten im 18. und 19. Jahrhundert in den Hansestädten Bremen und Hamburg. In: International Review of Social History. Band11, Nr.1. Cambridge University Press, Cambridge 1966, S.73–107, JSTOR:44581570.
Romantische Buchhandelsutopien. In: Bertold Hack, Bernhard Wendt (Hrsg.): Archiv für Geschichte des Buchwesens. Band 8, 1966, S. 323–332.
Deutsche Verlegerplakate des 17. Jahrhunderts. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens. Band 9, 1967, S. 217–238.
Die Perioden der Lesergeschichte in der Neuzeit. In: Otto Bucher, Ferdinand Geldner (Hrsg.): Archiv für Geschichte des Buchwesens. Band 10, 1970, S. 945–1002.
Französische Verlegerplakate im Zeitalter Ludwigs XIV. In: Ingrid Eiden, Dietlind Müller, Hansjurgen Koschwitz (Hrsg.): Archiv für Geschichte des Buchwesens. Band 11, 1971, S. 805–856.
12Rolf Engelsing.In:lexikon.fu-berlin.de.Abgerufen am 4.März 2026(deutsch).
↑Die Dissertation wurde 1961 als 29. Band der Reihe Veröffentlichungen aus dem Staatsarchiv der Freien Hansestadt Bremen veröffentlicht. Rolf Engelsing:Bremen als Auswandererhafen 1683–1880. 1961 (uni-bremen.de[abgerufen am 16.März 2026]).