Roman Boos (* 9. Januar 1889 in Zürich; † 10. Dezember 1952 in Arlesheim) war ein Schweizer Jurist, Sozialwissenschaftler, Anthroposoph und freier Schriftsteller.
Boos wuchs in Zürich als Sohn eines zugewanderten Deutschen und einer in Triest aufgewachsenen Schweizer Frauenrechtlerin auf; seine Eltern leiteten dort ein internationales Töchterinstitut. Er studierte Rechts- und Sozialwissenschaft in Zürich und Berlin. Die Eltern waren bereits mit der Anthroposophie verbunden. Eine seiner drei Schwestern, die Ärztin Ida (1887–1963), heiratete den ebenfalls der Lehre Rudolf Steiners verbundenen Romanisten Walther von Wartburg. Er selbst heiratete die anthroposophische Malerin Hildegard Hamburger (1887–1969); sie hatten zwei Kinder.
In Berlin begegnete er dem Rechtshistoriker Otto von Gierke, dem „Vater“ des germanischen Genossenschaftsrechts, der dessen Gegensatz zum Individualismus des römischen Corpus iuris civilis herausgearbeitet hatte. Diese und andere kulturgeschichtlichen Ideen – etwa des Kunsthistorikers Heinrich Wölfflin – baute er in seine sehr umfangreiche Dissertation mit dem Titel Der Gesamtarbeitsvertrag, nach Schweizerischem Recht ein. Sie fand die Zustimmung seines Zürcher Lehrers Eugen Huber, dem Schöpfer des Schweizerischen Zivilgesetzbuches. 1934 knüpfte er mit seinem Buch Neugeburt des deutschen Rechts erneut an diese geistesgeschichtliche Arbeit an.
Als Rudolf Steiner ab 1917 die Idee der sozialen Dreigliederung entwickelte, eröffnete sich für Boos ein neues konkretes Arbeitsfeld: Er wurde 1919 Sekretär beim „Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus“ und leistete dabei neben Steiner die Hauptarbeit (und daneben auch persönliche Sekretariatsarbeiten für Steiner). Er gründete die Futurum AG mit – eine Assoziation verschiedener Unternehmen, deren Gewinne dem „freien Geistesleben“ zufließen sollten –, die später im Zuge der Deutschen Inflation zusammenbrach.
Im Mai 1921 erlitt Boos einen schweren Burnout-ähnlichen Zusammenbruch, der mehrjährige Erholung und psychiatrische Behandlung nach sich zog. Erst nach dem Tode Rudolf Steiners (1925) konnte er seine Tätigkeit – vorwiegend als freier Schriftsteller und Vortragsredner, nach 1945 auch in Deutschland – wieder aufnehmen, wobei er sich besonders mit dem ihm eigenen leidenschaftlichen Kampfgeist auch in die Konflikte innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft einmischte.
1942 wurde er kaufmännischer Leiter eines Unternehmens für chirurgische Instrumente und heiratete in zweiter Ehe Edith Kutscher. Im Jahre 1950 begründete er mit drei engen Freunden und Mitarbeitern die „Vereinigung für freies Unternehmertum“. Eine wichtige Aktivität während seiner letzten Lebensjahre war die Durchführung der so genannten „Helvetischen Disputationen“, die in der Öffentlichkeit stark beachtet wurden.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Boos, Roman |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Jurist, Sozialwissenschaftler, Anthroposoph und Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 9. Januar 1889 |
| GEBURTSORT | Zürich |
| STERBEDATUM | 10. Dezember 1952 |
| STERBEORT | Arlesheim |