Roman Grafe

Roman Grafe (* 1968) ist ein deutscher Autor und Journalist.

Leben

Roman Grafe wurde 1968 im Nordosten der DDR geboren. Nachdem er 1985 einen Ausreiseantrag gestellt hatte, konnte er schließlich im Januar 1989 in die Bundesrepublik Deutschland übersiedeln. Danach studierte er Journalistik an der Journalistenschule St. Gallen in der Schweiz. Seit 1993 arbeitet er als Autor und freier Journalist unter anderem für die ARD, die Süddeutsche Zeitung, die FAZ und Die Zeit. Seine Bücher behandeln überwiegend DDR-Geschichte, vor allem die Geschichte der Innerdeutschen Grenze und die Prozesse gegen die Mauerschützen und ihre Befehlsgeber.

Grafe präsentierte seine Forschungserkenntnisse vielfach an Schulen in Deutschland, wobei er das Rollenspielprinzip nutzt.

Nach dem Amoklauf von Winnenden im März 2009 gründete Grafe mit anderen die Initiative Keine Mordwaffen als Sportwaffen!, die sich für eine Verschärfung des Waffenrechts und insbesondere ein Verbot von tödlichen Schusswaffen im Schießsport einsetzt. Eine entsprechende Klage vor dem Bundesverfassungsgericht blieb jedoch ohne Erfolg.

Klage gegen das Buch Deutsche Gerechtigkeit

Größere mediale Aufmerksamkeit erhielt das Buch Deutsche Gerechtigkeit von Grafe, als das Landgericht Berlin 2006 die Verbreitung des Werkes untersagte. Der ehemalige Politoffizier der DDR-Grenztruppen Sven Hüber, der nach der Deutschen Wiedervereinigung in eine gehobene Position bei der Bundespolizei gelangte, hatte gegen eine identifizierende Berichterstattung über seine Person geklagt. Dem Kläger werde in dem Buch indirekt eine moralische Mitschuld am Tod von Chris Gueffroy vorgeworfen. Der Kläger war als Politoffizier zuständig für den Grenzabschnitt, in dem Gueffroy, das letzte Todesopfer an der Berliner Mauer, das durch Waffeneinsatz an der innerdeutschen Grenze ums Leben kam, erschossen wurde. Der Verlag und Grafe sowie die Süddeutsche Zeitung legten gegen die Entscheidungen des Landgerichts Berufung ein. Am 16. und 19. März 2007 wurden daraufhin vom Kammergericht Berlin sowohl das Verbot der namentlichen Nennung im Buch als auch das Verbot der identifizierenden Medienberichterstattung aufgehoben.

Publikationen

Bücher
Radio-Features (Auswahl)
Hörgeschichten
Filme
Vorträge
Artikel

Literatur

 Wikinews: Kammergericht stärkt Pressefreiheit – Nachricht

Einzelnachweise

  1. ↑ Roman Grafe in: Perlentaucher, abgerufen am 2. April 2012
  2. ↑ taz.de, „Der beharrliche Miesmacher“
  3. ↑ www.volksstimme.de, „Lesung in einer Schule läuft aus dem Ruder“
  4. ↑ „Schießen ist kein Menschenrecht“. In: Zeit, 33/2010.
  5. ↑ Jost Müller-Neuhof: Winnenden-Hinterbliebene enttäuscht: Bundesverfassungsgericht weist Klagen auf strengeres Waffenrecht ab. In: tagesspiegel.de. 15. Februar 2013, abgerufen am 31. Januar 2024.
  6. ↑ http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg13-008.html
  7. ↑ http://www.sportmordwaffen.de/Verfassungsbeschwerde-Entscheidung-Presseerklaerung-Ablehnung-2013.pdf
  8. ↑ Kein Name, kein Gesicht – warum die DDR-Geschichtsschreibung nicht von Gerichten zensiert werden darf Kontraste (RBB)
  9. ↑ Kammergericht Berlin: Urteil Aktenzeichen 10 U 49/06 Urteilsbegründung vom 19. März 2007, abgerufen am 2. April 2012
  10. ↑ Kammergericht Berlin: Urteil Aktenzeichen 9 U 88/06 Urteilsbegründung vom 16. März 2007, abgerufen am 2. April 2012
  11. ↑ Kammergericht: Namentliche Nennung eines früheren Offiziers der DDR-Grenztruppen zulässig (PM 16/2007). Senatsverwaltung für Justiz, Berlin, Pressemitteilung vom 19. März 2007, abgerufen am 3. April 2012
  12. ↑ Renate Oschlies: Politoffizier der DDR darf enttarnt werden. (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive) In: Berliner Zeitung, 20. März 2007
  13. ↑ Roman Grafe: Eine deutsche Karriere und ein Justiz-Albtraum. In: sueddeutsche.de, 24. Oktober 2007
Personendaten
NAME Grafe, Roman
KURZBESCHREIBUNG deutscher Autor und Journalist
GEBURTSDATUM 1968