Romedius Knoll (* 13. Juli 1727 in Bozen; † 1796) war ein österreichischer Franziskaner und Autor, der sich mit der Bildung gehörloser Menschen beschäftigte. Er gilt als einer der Wegbereiter der Gehörlosenbildung in Tirol.
Romedius Knoll war seit 1780 als Krankenseelsorger in Hall in Tirol tätig und unterrichtete in diesem Zusammenhang auch gehörlose Kinder. Nachhaltig in Erscheinung getreten ist er im Jahr 1788. Er veröffentlichte in Augsburg seine Schrift Katholische Normalschule für die Taubstummen, die Kinder und andere Einfältigen, in der er seine eigene Einschätzung zum Thema Unterricht von gehörlosen Kindern darlegte. Knoll bevorzugte natürliche Gebärden, die sich an der alltäglichen Kommunikation gehörloser Menschen orientierten. Damit unterschied sich sein Ansatz von den methodischen Gebärden, wie sie Charles-Michel de l’Epée in Paris und Johann Friedrich Stork am Wiener Taubstummeninstitut verwendeten. Bei diesen konstruierten Gebärden würde man heutzutage, aufgrund ihrer Erweiterung der Gebärde mit bestimmten grammatikalischen Zeichen der Lautsprache, eher von einer lautsprachbegleitenden Gebärde als von einer Gebärdensprache sprechen.
Überlieferungen zufolge hatte Stork 1788 Knolls Schrift Katholische Normalschule für die Taubstummen, die Kinder und andere Einfältigen ursprünglich positiv beurteilt. Nachdem er sich in Paris näher mit Knolls Methode beschäftigt und wahrscheinlich mit Charles-Michel de l’Épée ausgetauscht hatte, änderte er seine Meinung und lehnte Knolls Ansatz von nun an ab. Das ging sogar so weit, dass Knolls Methode verboten und ihm die weitere Veröffentlichung seiner Schrift untersagt wurde (Kaiser Leopold II. hob dieses Verbot später wieder auf).
Aufgrund dieser Ablehnung reagierte Knoll 1790 mit der Veröffentlichung seiner Schutzschrift für die katholische Normalschule der Taubstummen. Darin verteidigte er seine Unterrichtsmethode und argumentierte ausdrücklich gegen die Einwände Storks und de l’Épées. Romedius Knoll erhielt in dieser Causa im Vorfeld sogar – etwas überraschend – Unterstützung des deutschen Gehörlosenpädagogen Samuel Heinicke, der Knolls Methode positiv bewertete.
Neben seinen Schriften zur Gehörlosenbildung veröffentlichte Knoll unter anderem Die verbesserte Bettmaschine und Fahrsessel für Kranke sowie eine Beschreibung einer Maschine zur Bekämpfung von Feldmäusen mit Schwefeldampf. Beide Werke erschienen 1789.
Knoll zählt zu jenen Autoren, die sich schon früh mit der Gehörlosenpädagogik im österreichischen Raum beschäftigten. Sein Werk ist insbesondere für die Geschichte und Entstehung der Gebärdensprachen von historischem Interesse, da die Schrift frühe Darstellungen von Gebärden (bzw. eine der ersten Darstellungen der österreichischen Gebärdensprache) enthält. Die Auseinandersetzung mit Stork zeigt ebenfalls, wie umstritten die Methoden des Unterrichts gehörloser Menschen im 18. Jahrhundert waren.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Knoll, Romedius |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Franziskaner und Autor |
| GEBURTSDATUM | 13. Juli 1727 |
| GEBURTSORT | Bozen |
| STERBEDATUM | 1796 |