Rotorgarnspinnen

Das Rotorspinnen bzw. OE-Rotorspinnen (Open-End-Rotorspinnen) ist ein Herstellungsverfahren, bei dem ein Garn durch den Anschluss einer Faserlunte ans Fadenende im drehenden Rotor entsteht.

Prinzip der Garnherstellung

Arbeitsstelle der Rotorgarn-Spinnstelle
Geöffnete Spinnstelle (komplett herausnehmbar auch während des Maschinenlaufs)

Auf der Zeichnung rechts wird die Funktion einer Spinnstelle schematisch dargestellt:

Das gestreckte Faserband (1) wird durch die Speisevorrichtung (2 und 3) zur Auflösewalze (4) geführt. Aufgelöste Fasern (6) werden durch die Öffnung (7) geblasen und fallen an die Umrandung des Rotors (8), wobei die Fremdpartikel durch den Kanal (5) entfallen. Im Rotor bildet sich eine Faserlunte (bis zu 400fach feiner als das vorgelegte Faserband), die sich dem Garnende anschließt. Das Garn entsteht zwischen dem Rotor und der Abzugsöffnung (9), wo die Faserlunte per Rotation zusammengewickelt wird.

Merkmale der Rotorgarn-Produktion

Konstruktion und Ausstattung der Maschine

Geschichte des Rotorspinnens

Die ersten serienmäßig hergestellten Rotormaschinen (BD 200 im Jahr 1974 in der DDR)

Das erste Patent für das System Rotorspinnen hat der dänische Erfinder Berthelsen im Jahr 1937 erhalten. Den ältesten Prototyp einer Rotorspinnmaschine konstruierte der Deutsche Meiberg. Die Maschine war auf der Brüsseler Expo 58 ausgestellt, später wurde von ihr jedoch offenbar weiter nichts bekannt.

Im Forschungsinstitut für Baumwolle im tschechischen Ústí nad Orlicí haben sich in den 1960er Jahren etwa 150 Techniker und Ingenieure mit dem Thema Rotorgarnspinnen beschäftigt. 1965 wurde auf der Messe in Brünn eine aus der Forschung entstandene Rotormaschine (mit Walzenstreckwerk) vorgestellt. 1967 wurde im Bereich des Forschungsinstituts diese Maschine mit einer Auflösewalze (statt Streckwerk) in zehnfacher Ausführung als eine komplette Vorzeigespinnerei installiert.

Diese Konstruktion (mit 30 000 rpm und manueller Bedienung) wurde seitdem unter der Bezeichnung BD 200 serienmäßig gebaut. In den nächsten Jahren wurden die Patentrechte an acht Maschinenbaufirmen in Westeuropa und Japan verkauft. Das System wurde in mehreren Varianten weiter entwickelt, die Maschinenleistung vervielfacht und die Maschinenbedienung bis etwa 2020 fast vollständig automatisiert. 2023 waren weltweit ca. 9,7 Millionen Spinnstelen im Betrieb.

Siehe auch

Commons: Rotorgarnspinnen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Spinnen (Garn), Ringspinnen, Luftspinnverfahren

Einzelnachweise

  1. ↑ Offene Endspinnanlage. Abgerufen am 6. August 2026.
  2. 1 2 Kontis víceprošlupní tkací stroj. Abgerufen am 3. August 2026.
  3. 1 2 3 Rohlena: Bezvřetenové předení,. Abgerufen am 7. August 2026.
  4. 1 2 Factors and Productivity in Rotor Yarn Spinning Process. Abgerufen am 5. August 2026.
  5. ↑ R 70. Abgerufen am 6. August 2026.
  6. ↑ Rotorové předení. Abgerufen am 6. August 2026.
  7. ↑ Der Werdegang des Rotorspinnens. Abgerufen am 6. August 2026.
  8. ↑ Short-staple spinning industry. Abgerufen am 5. Juli 2026.