Rotraut Wolf (* 16. Juli 1936 in Aalen) ist eine deutsche Archäologin, die bis 2001 als Konservatorin am Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart (seit 2006 Landesmuseum Württemberg) wirkte.
Rotraut Wolf wuchs als Tochter des Oberstudienrats Eduard Wolf und seiner Ehefrau Else Amalie, geb. König, zunächst in Aalen auf. Nachdem die Familie nach Geislingen an der Steige umgezogen war, besuchte Wolf ab 1947 die Freie Waldorfschule Ulm. 1955 übersiedelte die Familie nach Stuttgart. Wolf trat in die dortige Freie Waldorfschule ein und legte 1956 die außerordentliche Reifeprüfung ab. Danach machte sie zunächst eine Ausbildung zur Dolmetscherin und legte im März 1958 das Examen für Wirtschaftskorrespondenz in Englisch ab.
1958 nahm sie ein Studium der Alten Geschichte und Englisch an den Universitäten München und Wien (ab 1960) auf. Dort wurde sie 1963 promoviert über Die Soldatenerzählungen des Kleitarch bei Quintus Curtius Rufus. 1965 absolvierte sie am Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart ein wissenschaftliches Volontariat. Anschließend arbeitete sie als Assistentin am Vor- und Frühgeschichtlichen Institut der Universität Freiburg. Danach trat sie zunächst im Angestelltenverhältnis in der Fachrichtung Archäologie des Frühmittelalters in den Dienst des Württembergischen Landesmuseums und wurde 1972 als Konservatorin verbeamtet.
In ihrem Referat der Archäologie des Frühmittelalters war sie eine Pionierin, wie ihre Kollegin Margret Honroth in der Abteilung Klassische Archäologie. Beide Frauen gehörten zu den ersten weiblichen Wissenschaftlerinnen am Landesmuseum auf diesen Posten.
Rotraut Wolf übernahm die Inventarisation und Katalogisierung der Neufunde aus den laufenden Ausgrabungen des Landesamts für Denkmalpflege (bis 2014 Landesdenkmalamt) und betreute die umfangreichen frühmittelalterlichen Sammlungen mit Objekten aus dem 3. bis 8. Jahrhundert. Sie konzipierte und kuratierte die Neuaufstellung der frühmittelalterlichen Schausammlung zur Eröffnung 1978.
Neben musealen Präsentationen von zahlreichen Wechselausstellungen samt damit verbundenen Publikationen, darunter auch Große Landesausstellungen, gehörten zu ihren Aufgabenbereichen die Verantwortung für Ankäufe und Neuzugänge sowie Führungen, Beratungen und Vorträge.
Als ausgewiesene Alamannen-Spezialistin betreute sie zusätzlich sowohl Ausstellungen in den Zweigmuseen des Landesmuseums als auch in kleineren Städten und Gemeinden, um durch den verstärkten lokalen Bezug die Akzeptanz der Archäologie vor Ort zu fördern.
Wolf entwickelte früh Vorstellungen für inklusive Vermittlungsweisen im Museum und initiierte und erprobte zu Beginn der 1980er-Jahre ein Projekt, das Führungen vorwiegend für sehbeeinträchtigte bzw. blinde Menschen ermöglichte. Dafür warb sie Gelder ein und führte das Projekt auch nach ihrem Eintritt in den Ruhestand 2001 weiter.
Die Archäologie zu fördern und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sah Rotraut Wolf auch als Aufgabe im Ruhestand. Sie wurde als langjähriges Mitglied in der Gesellschaft für Archäologie in Baden-Württemberg (bis 2007 Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern) von 2002 bis 2014 im Vorstand tätig. In diese Zeitspanne fielen auch die von ihr mitorganisierten Feierlichkeiten und Veröffentlichungen zum 50-jährigen Bestehen der Gesellschaft. Anlässlich ihres achtzigsten Geburtstages erhielt sie 2016 im Rahmen der Mitgliederversammlung für ihr Engagement die Ehrenmedaille in Silber.
Rotraut Wolf verbringt ihren Ruhestand in Stuttgart.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wolf, Rotraut |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Frühmittelalter-Archäologin |
| GEBURTSDATUM | 16. Juli 1936 |
| GEBURTSORT | Aalen |