
Das Royal-Tarock ist eine von Zoltán Gerots entwickelte Wettkampfvariante des ungarischen Tarocks. Viele ungarische Kartenexperten bezweifeln sogar, dass dieses Spiel noch als Tarockvariante betrachtet werden kann, da dessen Regeln nicht nur von denen der ungarischen, sondern auch von anderen Tarockvarianten zu stark abweichen.
Das Royal-Tarock wurde von Zoltán Gerots von 1984 an entwickelt. Sein Ziel war, eine Tarockvariante mit minimalen (!) Änderungen zu konzipieren, die für Wettkämpfe geeignet ist. So entstand in zwei Jahrzehnten Schritt für Schritt ein völlig neues Spiel. Partnerschaften wurden festgelegt, Talon und Kartenwerte wurden weggelassen, neue Ansagen eingeführt und auch das Punktwertungssystem mehrmals überarbeitet. Nachdem der Talon weggelassen worden war, wurde das Spiel als Royal Tarokk umbenannt.
Hier soll das heutige Spiel mit allen Wettkampf- und Spielregeln beschrieben werden. (Bei der Beschreibung wurden notwendigerweise hauptsächlich österreichische Bezeichnungen des süddeutschen Sprachraumes herangezogen.)
Das Royal-Tarock wird von zwei Paaren mit vorher festgelegten Partnerschaften gegen den Uhrzeigersinn gespielt. Dies ist der Hauptunterschied zu allen anderen Tarockspielen, bei denen die Konstellation von Partnern und Gegnern in jedem Spiel neu bestimmt wird (abgesehen von den Varianten für zwei Personen).
Die Partner sitzen nebeneinander, der links sitzende wird als „Abfänger“, der rechts sitzende als „Eintreiber“ bezeichnet. Der Geber und sein Partner sind die „Verteidiger“, die zwei Gegenspieler sind die „Angreifer“.
Das Royal-Tarock wird mit einer reduzierten Blattzahl von 40 Karten gespielt. Neben der vier französischen Farben (Pik, Kreuz, Herz und Karo) gibt es noch eine als Tarock bezeichnete Dauertrumpffarbe. Die Tarockkarten werden aufgrund steigender Stichkraft von I bis XXI mit römischen Ziffern nummeriert. Das einzige Tarock ohne Nummer ist zugleich das höchste, der Sküs. Diese Karte stellt einen Harlequin dar. Die zwei höchsten Tarocks (Sküs und XXI) bilden die Honneurs, die niedrigsten Tarocks von I bis IIII sind die Vogerln.
Die beiden roten Farben, nämlich Herz und Karo bestehen aus vier Karten: aus dem König, der Dame, dem Kavall und dem Buben, die schwarzen Farben haben zusätzlich noch den Zehner. Insgesamt gibt es also 22 Tarock- und 18 Farbkarten. Die Könige zusammen mit den Vogerln bilden die Hochspielkarten.
| Karte(n) | Name |
| XXI | Mond |
| XX | Engel |
| XIX | L’amour |
| XVIII | Visi |
| IIII | Marabu |
| III | Kakadu |
| II | Uhu |
| I | Pagat |
| Sküs und XXI | Honneurs |
| Sküs, XXI, XX, XIX, XVIII | Stecher |
| XVIII, XVII, XVI (manchmal auch XV, XIV) | Mittelstecher |
| I, II, III, IIII | Vogerln |
| Vogerln+Könige | Hochspielkarten |
In der Regel werden acht Spiele pro Match gespielt. Vor dem ersten Spiel muss der Eintreiber beider Parteien eine Karte aus dem gemischten und verdeckten Paket ziehen. Wer die niedrigere Karte gezogen hat, gibt als Erster und seine Partei wird Verteidiger beim ersten Spiel. In den nachfolgenden Spielen wechseln sich Angriff und Verteidigung ab.
Die Karten müssen immer vom Eintreiber der Verteidigungspartei gegeben werden. Somit gibt es im Royal-Tarock keine „Runden“ im klassischen Sinne, da im dritten Spiel derselbe Spieler gibt, wie im ersten, und die beiden Abfänger spielen beim Geben überhaupt keine Rolle mehr. Der Eintreiber der Angriffspartei eröffnet die Lizitationsphase und hat das Recht und Pflicht, als Erster auszuspielen.
Er nimmt die Tarocks XX und XIX aus dem Kartenpaket, gibt den XIXer dem Abfänger und den XXer dem Eintreiber der Angriffspartei. (Zweck dieser Wettkampfregel ist, die Wahrscheinlichkeit teurer Prämienansagen [die sogenannte Trophäen] zu erhöhen.) Er mischt die restlichen Karten, wonach der Eintreiber der Angriffspartei die Karten abhebt. Es muss so abgehoben werden, dass alle Karten verdeckt bleiben. Nach dem Abheben gibt der Geber den Spielern die Karten in Paaren gegen Uhrzeigersinn. Die ersten zwei Karten gehören zu den beiden Gegnern.
Nach dem Geben und Aufnehmen der Karten muss jeder Spieler überprüfen, ob er zehn Karten mit mindestens drei Tarocks in der Hand hat. Wenn falsch gegeben wurde oder ein Spieler weniger als drei Tarocks hat, muss er das zeigen und das Spiel damit annullieren. Die Karten werden zusammengeworfen, und der Geber muss zu demselben Spiel nochmal geben.
Im Royal-Tarock sollte man eher nicht über eine Lizitationsphase sprechen, da während der Lizitation nur noch die Prämien angesagt und eventuell kontriert werden. Trotzdem werden die Termini „Lizitvorgang“, „Lizitationssystem“ usw. praktisch von allen Spielern verwendet, weil die Ansagesysteme eines Spitzenteams (dem Bridge ähnelnd) oft sehr komplex sind.
Das Royal-Tarock hat 66 Ansagen und 4 stille Prämien. Im Royal muss man alles in der Lizitationsphase ansagen, um Punkte zu sammeln – nur ganz wenige Prämien werden still (d. h. ohne Ansage) gezählt. Die 70 Prämien und Ansagen werden in zwei Großgruppen geteilt: Meldungen (= Prämien und Ansagen aus der Hand) und Schlemme (= Prämien in den Stichen). Jeder angesagte Schlemm kann von den Gegnern kontriert werden. Weitere Kontras wie Rekontra usw. sind im Royal nicht erlaubt.
Der Geber eröffnet die Lizitation und die Mitspieler folgen ihn. Ist ein Spieler dran, kann er in beliebiger Reihenfolge seine Meldungen, Schlemme und Kontras ansagen und seine Äußerung mit „Weiter!“ abschließen. Wenn ein Spieler nichts zu sagen hat, muss er passen. Wurde von drei Spielern in Folge gepasst, ist die Lizitationsphase zu Ende. Ausnahme: Unmittelbar nach dem Geben müssen alle vier Spieler passen, um die Lizitation abzuschließen.
Ein Teil der Schlemme ist von anderen Schlemmen unabhängig: der eine kann nach dem anderen in beliebiger Reihenfolge von irgendeinem Spieler einer Partei angesagt werden. Andere Schlemme stehen aber im Hebungsverhältnis und können angehoben werden. Bei diesen:
Ein steigerbarer Schlemm kann nur vom Partner angehoben werden. Im Falle, dass der teurere Schlemm mit mehreren früher angesagten Schlemmen im Hebungsverhältnis steht, kann die Steigerung nur von dem Partner vom Ansager des letzten solchen Schlemmes durchgeführt werden. Wichtige Ausnahme: Trophäen (siehe unten) können ausschließlich mit Partnerwechsel gesteigert werden.
Hierbei ist zu beachten: Wenn man schlecht lizitiert, können bestimmte Trophäen laut dieser Regelung nicht weiter gesteigert werden. Eine Partei kann die Schlemme, wenn möglich, mehr als einmal steigern. Die Steigerung kann zwar ein Kontra außer Kraft setzen, die Gegenpartei kann aber auch den eingehobenen Schlemm kontrieren.
Zum ersten Ausspielen kommt immer der Eintreiber der Angriffspartei. Wenn die Lizitation abgeschlossen wurde, werden die Karten in gewöhnlicher Weise ausgespielt. Es gilt Farb- und Tarockzwang, jedoch kein Stichzwang.
Manche Schlemme sind behaltpflichtig. Um diese Schlemme zu gewinnen, muss die Partei einen bestimmten Stich mit einer festgelegten Karte machen. Wenn die Partei einen solchen Schlemm angesagt hat, darf der Besitzer die in Frage stehende (angebundene) Karte nur dann früher ausspielen, wenn er keine andere Möglichkeit hat. Wenn mehrere behaltpflichtige Schlemme angesagt wurden und der Besitzer nur noch eine angebundene Karte zugeben kann, dann muss er jene (oder eine Karte von jenen) ausspielen bzw. zugeben, die zuletzt angebunden worden ist. Die angebundene Karte muss, wenn möglich, im entsprechenden Stich ausgespielt bzw. zugegeben werden. Wird ein behaltpflichtiger Schlemm erhoben, bleibt die Pflicht in Kraft! Der (zusammengesetzte) eingehobene Schlemm gilt als verloren, wenn er nicht mit den (durch die erhobenen Schlemme) angebundenen Karten erfolgt wird.
Nach dem letzten Stich werden die Leistungen beider Parteien gewertet und es werden Punkte vergeben. Eine Partei kann nie weniger als null Punkte aufschreiben. Das obere Limit von 100 Punkten kann nur durch Trophäen überschritten werden.
Zuerst wird die Anfangspunktzahl, die sogenannte Konsolation (siehe unten) festgesetzt. Danach werden die gewonnenen bzw. verlorenen Ansagen mit Plus- und Minuspunkten gewertet. Jede Partei schreibt nur für die eigenen Ansagen (Plus- oder Minus-)Punkte auf.
Kontrierte Schlemme zählen auch nur einfach. Nur der Kontrierer kann mittels seines Kontras Punkte gewinnen oder verlieren. Das Kontra wird meistens in gleicher Weise gewertet wie der kontrierte Schlemm (mit umgekehrten Vorzeichen), aber eine Partei kann niemals mehr als 20 (zwanzig) Punkte durch alle Kontras zusammen gewinnen oder verlieren.
Nach jedem Spiel werden die von beiden Parteien gesammelten Punkte addiert. Wird das Match nach acht Spielen abgeschlossen, muss die Summe durch acht dividiert und das Resultat abgerundet werden, um das Endergebnis zu bekommen. Beispiel: aus 760:759 wird 95:94.
Die 70 Prämien und Ansagen des Royal-Tarocks sind auch auf das Spielblatt gedruckt. Sie lauten wie folgt:
Honneur, Köpfe und Trull stehen zueinander im Hebungsverhältnis.
Diese vier Prämien werden mit wenigen Ausnahmen still gewertet, wenn sie gewonnen werden.
Die freien Stiche stehen untereinander im Hebungsverhältnis.
Die gebundenen Stiche sind voneinander unabhängig und können auch kombiniert werden. Alle gebundenen Stiche sind behaltpflichtig, die in Frage stehenden Stecher werden angebunden. Gelingt es der Gegnerpartei, einen Stich zu machen und somit die gebundene Stichprämie zum Scheitern zu bringen, bleibt die Behaltpflicht in Kraft und der entsprechende Stecher darf nicht früher als angesagt ausgespielt werden!
Alle Hochspielschlemme sind behaltpflichtig. Sie stehen zueinander im Hebungsverhältnis, wenn sie sich auf dieselbe Hochspielkarte beziehen. In anderen Fällen können sie miteinander kombiniert werden.
Der Fasan und der Falke sind behaltpflichtig, sie können nicht gleichzeitig angesagt werden und stehen zueinander auch nicht im Hebungsverhältnis. Wurde ein Flugschlemm angesagt, der sich auf eine bestimmte Hochspielkarte bezieht, kann kein Hochspielschlemm mit derselben Karte angesagt werden. Umgekehrt gilt diese Regel auch und bezieht sich auf alle behaltpflichtigen Schlemme und Trophäen (siehe unten).
Die Abfangschlemme können nicht kombiniert werden. Sie stehen zueinander sinngemäß im Hebungsverhältnis und zwei Abfangschlemme dürfen nicht gleichzeitig angesagt werden (unabhängig von ihrer Farben).
Der Siebenbürger, der Temeschwarer und der Klausenburger Fasan können nicht gleichzeitig angesagt werden. All diese Fasane gelten als Flugschlemm (siehe oben) und stehen im Hebungsverhältnis zum Fasan bzw. zum Falken.
Die Trophäen sind die teuersten Schlemme dieses Spieles und machen das Wesen des Royal-Tarocks aus. Gelingt es einem Spieler, eine Trophäe zu machen, so wird er in die Trophäenliste eingetragen.
Normalerweise kann eine Partei nicht mehr als 100 Punkte in einem Spiel kassieren. Diese Limit kann nur durch angesagte Trophäen geändert werden. Nur eine Trophäe pro Partei und Spiel kann angesagt und gewertet werden. (Trophäen können jedoch auch gesteigert werden, die dazugehörigen Regeln siehe unten.)
Wird eine Trophäe in Wert von unter 100 Punkten verloren, sinkt das Punktlimit dementsprechend. Laut dieser Regel kann das Punktlimit auf 70 bzw. 50 Punkte fallen (den 30 bzw. 50 Minuspunkten entsprechend). Wenn eine Trophäe mit über 100 Punkten verlorengeht, wird das Spiel unbedingt mit null Punkten für die in Frage stehende Partei gewertet.
Gelingt es einer Partei, eine Trophäe in Wert von unter 100 Punkten zu machen, wird das Limit um 10 Punkte erhoben (und wird damit 110). Bei Trophäen über 100 Punkten wird das Limit auf den Trophäenwert erhöht.
Im Royal-Tarock werden die Karten – abweichend vom Bridge – nach dem Spiel nicht eingemappt und es wird auch kein Duplikatensystem angewandt. Die Ungleichheiten der Kartenverteilung werden durch ein sogenanntes Konsolationssystem (Trostpunkte) reduziert. Die Basispunkte werden für die Summe der Anzahl der Tarocks beider Spieler einer Partei gegeben. Zusätzliche Punkte können der Partei für mangelnde Stecher gutgeschrieben werden. Die Verteidiger bekommen zwar noch einen Bonus von 20 Punkten dazu, ihre Konsolation kann jedoch unter keinen Umständen das Limit von 90 Punkten überschreiten.
| 13 Tarocks (oder mehr) | 40 |
| 11–12 Tarocks | 50 |
| 10 Tarocks (oder weniger) | 60 |
| Spiel mit nur einem Honneur | +20 |
| Spiel mit gar keinem Honneur | +30 |
| Spiel ohne den XVIII | +5 |
| Spiel ohne den XVII | +5 |
| Spiel ohne den XVI | +5 |
| Verteidigung | +20 |
Die Angreifer können maximal 100, die Verteidiger jedoch nur 90 Punkte als Konsolation aufschreiben.
Die Varianten des Royal-Tarocks werden meistens als Training gespielt, damit sich die Mannschaften sich auf die Mannschaftsmeisterschaft und auf den Pokal vorbereiten können. Die in den Varianten gemachten Trophäen können auch in die Trophäenliste eingetragen werden, aber das Spiel selbst wird nur noch in die Freemeisterschaft eingerechnet.
Das Royal-Tarock hat folgende Varianten: