Rudolf Fischl (geboren am 12. Februar 1862 in Hohenmauth, Bezirk Hohenmauth; gestorben am 18. Februar 1942 in Prag, Protektorat Böhmen und Mähren) war ein Prager Kinderarzt und Wissenschaftler, Direktor der 2. Univ.-Kinderklinik der Deutschen Medizinischen Fakultät, Buchautor und Übersetzer.


Rudolf Fischl wurde als Sohn von Josef Fischl (1828–1892), einem Prager Internisten und Universitätsprofessor, und dessen Frau Leopoldine, geborene Fischl, geboren. Im Jahr 1890 heiratete er Theresia, geborene Löwy, mit der er einen Sohn Franz, geb. 1900, hatte. Er war jüdischen Glaubens und bekannte sich zur deutschen Nationalität.
Fischl legte am Neustädter Gymnasium am 20. September 1879 die Matura ab und studierte Medizin an der Prager Karls-Universität. Im Jahr der Spaltung der Universität in einen tschechischen und einen deutschen Teil, 1882, bestand er sein erstes Rigorosum, dem heutigen Physikum vergleichbar. Er setzte sein Studium an der Deutschen Medizinischen Fakultät (DMF) fort. 1884 schloss er sein Studium erfolgreich ab und erhielt am 17. Januar 1885 den Titel eines Doktors der Medizin (MUDr). Er setzte seine Ausbildung im Institut für Pathologische Anatomie der Universität Leipzig fort und konzentrierte sich auf bakteriologische Forschung.
Während eines Aufenthalts in Deutschland besuchte Fischl das Reichsgesundheitsamt in Berlin und hospitierte in der Abteilung Robert Kochs. Nach seiner Rückkehr nach Prag widmete er sich der Kinderheilkunde und wurde Assistent an der Findelanstalt, der 2. Kinderklinik der DMF, die von Alois Epstein geleitet wurde. In Paris machte er sich zwischenzeitlich am Pasteur-Institut mit Fragen der Tollwutimpfung vertraut und berichtet darüber in der Prager medizinischen Wochenschrift. Ab Oktober 1887 ging er über ein Jahr zu Heinrich Ranke an das Dr. von Haunersche Kinderspital der Universität München. Dort widmete er sich den Erkrankungen älterer Kinder. Im Juli 1888 kehrte Fischl nach Prag zurück und wurde am Institut für Pathologische Anatomie der DMF tätig sowie in einem Labor an der Findelanstalt. Am 12. März 1892 habilitierte sich Fischl und übernahm als Privatdozent Vorlesungen zur gesamten Kinderheilkunde und zur Schulhygiene. Ab 1902 leitete er die Pädiatrische Poliklinik an der DMF. Am 2. März 1904 wurde er Honorarprofessor, aber erst zehn Jahre später, am 27. Juli 1914, wurde er zum Außerordentlichen Professor ernannt.
Im Jahr 1905 erhielt er einen Ruf nach Wien an das Kaiser-Franz-Josef-Spital, wo ab dem Jahr 1906 die so genannten Pollak’schen Kinderpavillons mit 100 Kinderbetten eröffnet werden sollten. Er blieb jedoch in Prag und übernahm nach dem Tod von Alois Epstein 1918 dessen Lehrveranstaltungen und 1920 die Direktorenstelle in der Findelanstalt. Erst nach der Gründung der Tschechoslowakischen Republik wurde er 1922 zum Ordentlichen Professor für Kinderheilkunde ernannt. In den Folgejahren prägte er die Deutsche Medizinische Fakultät mit, deren Dekan er im akademischen Jahr 1929 war.
Das Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts war die produktivste Zeit seines Lebens. Er befasste sich mit Ernährungsproblemen, gastrointestinalen Störungen und Infektionskrankheiten, insbesondere Scharlach. Zwischen 1909 und 1912 veröffentlichte er 24 eigenständige Studien sowie zahlreiche populärwissenschaftliche Aufsätze. Fischl veröffentlichte hauptsächlich in deutschsprachigen Fachzeitschriften wie Fortschritte der Medizin, Prager medizinische Wochenschrift, Zentralblatt für Kinderheilkunde, Zeitschrift für Kinderheilkunde, aber auch in französischen, wie der Revue mensuelle des maladies de I'enfance und den Annales de médicine et Chirurgie infantiles. Er schrieb Übersichtsartikel für das von Meinhard von Pfaundler und Arthur Schlossmann herausgegebene Handbuch der Kinderheilkunde sowie eigene Bücher wie Therapie der Kinderkrankheiten (Berlin 1909; 2. Auflage 1926). Zudem war Fischl als Übersetzer tätig, so übersetzte und kommentierte er Antoine Marfans Standardwerk zur Säuglingsernährung und Adolphe Auguste Lehrbuch zu Säuglingskrankheiten sowie ein Werk über Tuberkulose im Kindesalter von Maurice Péhu und André Dufourt. 1905 wurde er in Frankreich wegen dieser Übersetzungen zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Fischl war Mitherausgeber des Archivs für Kinderheilkunde und der Monatsschrift Kinderheilkunde.
Anlässlich Fischls 70. Geburtstag wurde seine Stellung in der zeitgenössischen Kinderheilkunde wie folgt beschrieben: „ […] Für uns repräsentiert er die alte Klinische Schule der Kinderheilkunde, die ihre Beobachtungen und Erfahrungen aus dem kranken Kind selbst gewinnt und sich auf die inneren, freundschaftlichen Beziehungen innerhalb der pathologischen Anatomie, der Mutter der Klinik, stützt.“ Fischl war Mitglied und zeitweilig Präsident des Zentralvereins Deutscher Ärzte in Böhmen, korrespondierendes Mitglied der Société de pédiatrie de Paris, der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Mitglied des medizinischen Ausschusses der Landeskommission für Kinderschutz und Jugendfürsorge in Prag. Im Laufe seiner Karriere veröffentlichte Fischl etwa 160 Werke.
Am 11. Februar 1932 wurde er im Alter von 70 Jahren emeritiert. Nach der Errichtung des Protektorats durch Nazideutschland wurde er Opfer der antisemitischen Maßnahmen. Um seiner bevorstehenden Deportation zu entgehen, beging er am 18. Februar 1942, achtzigjährig, Suizid. Als offizielle Todesursache wurde ein Herzinfarkt angegeben. Einigen unbestätigten Quellen zufolge wurde ein Sprung aus dem Fenster als Todesursache angegeben. Der Tod seiner Frau wurde vier Tage später aktenkundig. Ihr Sohn Franz (František) Josef Fischl, der offensichtlich behindert war, wurde am 3. August 1942 nach Theresienstadt und nur wenige Tage später, am 20. August 1942, nach Riga deportiert und ermordet.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fischl, Rudolf |
| KURZBESCHREIBUNG | Prager Kinderarzt und Wissenschaftler |
| GEBURTSDATUM | 12. Februar 1862 |
| GEBURTSORT | Hohenmauth, Bezirk Hohenmauth |
| STERBEDATUM | 18. Februar 1942 |
| STERBEORT | Prag |