Karl Rudolf Friedenthal

Rudolf Friedenthal. L. Haase & Comp. Berlin 1874.

Karl Rudolf Friedenthal (* 15. September 1827 in Breslau, Provinz Schlesien; † 7. März 1890 in Giesmannsdorf, Landkreis Neisse) war ein deutscher Jurist, Unternehmer und Politiker (Freikonservative Partei). Er war von 1867 bis 1881 Mitglied des Reichstages, von 1870 bis 1879 Abgeordneter im Preußischen Landtag, von 1874 bis 1879 Landwirtschaftsminister Preußens und von 1879 bis zu seinem Tod Mitglied des Preußischen Herrenhauses.

Biografie

Friedenthals Eltern waren Naphtali Markus Friedenthal, Kaufmann, Bankier und Stadtrat in Breslau, und Amalie geb. Landsberger. Der Großvater Markus Bär Friedenthal (1780–1859) war Kaufmann in Breslau und verfasste theologisch-philosophische Schriften. Mit seinen Eltern trat Karl Rudolf Friedenthal 1832 von der jüdischen zur evangelischen Konfession über, dabei nahm der Vater die Vornamen Karl Wilhelm an. Der Sohn begann an der Universität Breslau Rechtswissenschaft zu studieren und wurde im Corps Silesia Breslau aktiv. Als Inaktiver wechselte er an die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Er trat nach den Examen zunächst in die Rechtspflege des Königreichs Preußen, schied aber nach dem Tod des Vaters 1854 aus, um den väterlichen Großgrundbesitz in Giesmannsdorf (Kreis Neiße) zu bewirtschaften.

1857 wurde er Landrat im oberschlesischen Kreis Grottkau und blieb dies bis 1864. Im Jahr 1861 heiratete er Fanny von Rosenberg (1829–1912). Das Paar hatte einen Sohn, der jung verstarb, und zwei Töchter. Tochter Elsbeth heiratete den Freiherrn Ernst von Falkenhausen auf Bielau. Tochter Rena (1868–1945) ehelichte den Freiherrn Oskar von der Lancken-Wakenitz (1867–1939), der im deutschen diplomatischen Dienst eine geachtete Stellung einnahm und mehrfacher Gutsherr auf Rügen war, u. a. Gut Boldevitz und Nebengelass. Dem Antrag des Schwiegersohns Freiherr von Falkenhausen wurde stattgegeben, sich Freiherr von Friedenthal-Falkenhausen nennen zu dürfen, vererblich am Besitz der vom Schwiegervater errichteten Fideikommissherrschaft Friedenthal. Politisch wurde Karl Rudolf Friedenthal zunächst den Altliberalen zugerechnet, im Konflikt um die preußische Heeresreform und das Militärbudget unterstützte er aber die Regierung. Als Vertreter des Wahlkreises Neiße wurde er 1867 in den Norddeutschen Reichstag gewählt, dem er bis 1871 ebenso wie dem Zollparlament angehörte. Friedenthal war 1867 Mitbegründer der Freikonservativen Partei in Preußen, die später auf Reichsebene den Namen Deutsche Reichspartei annahm. Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 wurde er als Abgeordneter des Wahlkreises Neiße in Reichstag bestätigt.

Friedenthal wirkte als Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses (1870–1879) aktiv an der Kreisreform von 1872 mit. Die auf dem Grundsatz der Selbstverwaltung beruhende Kreisordnung von 1872 für die fünf östlichen Provinzen Preußens (in Kraft ab 1874) wurde in ihren Grundzügen von ihm mit entworfen. 1873/74 war er 2. Vizepräsident des Abgeordnetenhauses. Im Mai 1872 erwarb er zusammen mit Graf Johannes Maria von Renard (auf Groß-Strehlitz in Schlesien) von Landrat Georg Scharnweber das Rittergut Hohenschönhausen für 265.000 Reichstaler und ließ es durch einen Administrator verwalten. Bei der Reichstagswahl 1874 wechselte er in den Wahlkreis Ohlau-Nimptsch-Strehlen und 1877 in den Wahlkreis Mühlhausen (Regierungsbezirk Erfurt), blieb aber bis 1881 Reichstagsabgeordneter.

Ab September 1874 war er preußischer Staatsminister für Landwirtschaft. In dieser Eigenschaft gründete er die Zentralmoorkommission. Er trat aber nach Otto von Bismarcks innenpolitischer Wendung am 12. Juli 1879 zurück. Nach seinem Ausscheiden als Staatsminister erwarb er 1879 die Herrschaft Deutsch-Wartenberg in Niederschlesien. Er wohnte dann abwechselnd in Deutsch-Wartenberg und auf seinem väterlichen Besitz in Giesmannsdorf bei Neiße. 1881 zog er sich von der aktiven Politik zurück, um sich wieder der Verwaltung seiner landwirtschaftlichen und industriellen Besitzungen zu widmen.

Nach Friedenthal wurde in Schmargendorf um 1908 eine Straße benannt. Als die Nationalsozialisten alle nach Bürgern jüdischer Herkunft benannten Straßen umbenannten, erhielt diese Friedenthalstraße am 16. Mai 1938 den Namen Schellendorffstraße (nach Paul Bronsart von Schellendorff). 1997 wurde der Park am Halensee als Friedenthal-Park benannt und am 15. September 1997 dort zu Ehren Friedenthals eine Bronzetafel enthüllt.

Ehrungen

Gedenktafel im Friedenthal-Park, in Berlin-Grunewald.

Literatur

Commons: Karl Rudolf Friedenthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Karl Rügemer (Hrsg.): Kösener Korps-Listen 1794 bis 1904. Verlag der Academischen Monatshefte, Starnberg 1904.
  2. ↑ Vgl. Karl Rügemer (Hrsg.): Kösener Korps-Listen 1798 bis 1910. Carl Gerber München-Verlag der Academischen Monatshefte, Starnberg 1910, 35 (Corps) / (Lfd. Nr. dort) 212.
  3. ↑ Ernest Hamburger: Juden im Öffentlichen Leben Deutschlands. Verlag Mohr Siebeck, Tübingen 1968, ISBN 3-16-829292-3, S. 97 f.
  4. ↑ Bernd Haunfelder, Klaus Erich Pollmann: Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867–1870. Historische Photographien und biographisches Handbuch. In: Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 2, Droste, Düsseldorf 1989, ISBN 3-7700-5151-3, Foto S. 128, Kurzbiographie S. 403.
  5. ↑ Fritz Specht, Paul Schwabe: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Auflage, Carl Heymanns Verlag, Berlin 1904, S. 91.
  6. ↑ Thomas Kühne: Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten. In: Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 6, Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5182-3, S. 842.
  7. ↑ Gustav Friedrich von Schoenberg: Handbuch der politischen Oekonomie. Mitarbeit: Ministerialrat A. Buchenberger, Gustav Schönberg. Band 2, Ausgabe 3, H. Laupp, Tübingen 1891, S. 84.
  8. ↑ Karl Rudolf Friedenthal. In: Karl Erich Born; Bayerische Akademie der Wissenschaften. Historische Kommission (Hrsg.): Neue Deutsche Biographie. Band 5. Duncker & Humblot, 1961, ISBN 3-428-00181-8, S. 447 (deutsche-biographie.de).
  9. ↑ Ernest Hamburger: Juden im Öffentlichen Leben Deutschlands. Mohr Siebeck, Tübingen 1968, ISBN 3-16-829292-3, S. 78.
  10. ↑ Vgl. Abraham Treuenfels, M. Rahmer: Israelitische Wochen-Schrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums. Jahrgang VIII, 1881/1882 / Nr. 40/41/42, Verlag von Robert Friese, Leipzig 1883, [ S. 311.]
  11. ↑ Florian Tennstedt, Dirk Hainbuch, Karin Christi: Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1871 bis 1945. Kassel Universität, Kassel 2010, ISBN 978-3-86219-038-6, S. 53.
Personendaten
NAME Friedenthal, Karl Rudolf
KURZBESCHREIBUNG deutscher Politiker, MdR, Jurist und Unternehmer
GEBURTSDATUM 15. September 1827
GEBURTSORT Breslau, Provinz Schlesien
STERBEDATUM 7. März 1890
STERBEORT Giesmannsdorf, Landkreis Neisse