Rudolf Meißner

Georg Paul Rudolf Meißner, auch als Meissner oder Meiszner (* 3. Februar 1862 in Glogau, Schlesien; † 27. Oktober 1948 in Bonn) war ein deutscher germanistischer und skandinavistischer Mediävist (Altgermanist). Er war Lehrstuhlinhaber für Germanische Philologie und Rektor der Universität Bonn.

Leben und beruflicher Werdegang

Meißner entstammt einer bürgerlichen Familie, sein Vater war der Fabrikant C. Augustin Meißner (Destillateur, Essig- und Weinessig-Produzent) seine Mutter war Minna Meißner. Er war verheiratet mit Eleonore (1880–1948), einer Tochter von Robert Vischer und Enkeltochter von Friedrich Theodor Vischer. Zur weiteren angeheirateten Verwandtschaft Meißners gehörte der Wiener Altgermanist Dietrich Kralik. Das Ehepaar blieb kinderlos.

Nach dem Schulbesuch und Abitur in Glogau studierte er in Göttingen von 1880 bis 1886 Klassische und Deutsche Philologie unter anderem bei Friedrich Bechtel, Wilhelm Dilthey, Karl Goedeke, Moritz Heyne. Im Jahr 1881 bis 1882 hörte er in Berlin unter anderem bei Karl Müllenhoff und Wilhelm Scherer. In Göttingen promovierte er bei Moritz Heyne mit einer Arbeit zu den Liedern des Bertold Steinmar von Klingnau. 1888 erfolgte dort das Staatsexamen für Klassische Philologie, ebenfalls habilitierte er sich in Göttingen 1896 bei Gustav Roethe mit einer skandinavistischen Arbeit über die Strengleikar (aus dem Altfranzösischen übersetzte altnordische Prosa).

Von 1896 bis 1906 war er Privatdozent für Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Göttingen. Von 1889 bis 1902 war er Moritz Heynes Assistent für die Neuordnung, Redaktion und Bearbeitung des Deutschen Wörterbuchs. Am 23. April erhielt er an der Universität Königsberg seine Bestallung und wurde vom bisherigen Privatdozent zum ordentlichen Professor ernannt und war bis 1913 in Königsberg für Germanistik und Nordische Philologie zuständig. In seinem letzten Königsberger Jahr war er gewählter Dekan der Philosophischen Fakultät. Im Wintersemester 1913 folgte er dem Ruf auf den Lehrstuhl für Germanische Philologie in Bonn bis zu seiner Emeritierung 1931. Von 1928 bis 1929 war er Rektor der Universität Bonn. Nach seiner Emeritierung hielt er ab 1932 weiterhin Lehrveranstaltungen ab und trat dort nach dem Zweiten Weltkrieg nochmals von 1946 bis zum Tod 1948 eine ordentliche Professur für Germanistik an.

Lehr- und Forschungsschwerpunkte Meißners waren die deutsche und skandinavische Literatur des Mittelalters. Er lehrte zum Nibelungenlied und zur Nibelungensage, zu Walther von der Vogelweide, zur altgermanischen Dichtung und Metrik und zur altnordischen und althochdeutschen Sprache. Zu seinen Forschungen über die altgermanischen Literaturen und Sprachen veröffentlichte er Arbeiten, insbesondere zur Skaldendichtung und zu den altnordischen Gesetzes- und Rechtstexten. Des Weiteren beschäftigte ihn das Werk von Henrik Ibsen.

Grab Meißners und seiner Frau auf dem Bonner Südfriedhof

Mitgliedschaften

Rudolf Meißner war wie weitere Kollegen Mitglied in der Vereinigung der Islandfreunde. Darüber hinaus war er Mitglied in in- und ausländischen akademischen Einrichtungen wie bei der norwegischen Det Norske Videnskaps-Akademi.

Ehrungen

Werke

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ abweichend wird als Geburtsjahr auch 1863 angegeben, etwa in: DNB
  2. ↑ Mitglieder: Rudolf Meissner. Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, abgerufen am 28. November 2025.
  3. ↑ Mitgliedseintrag von Rudolf Meißner (mit Link zu einem Nachruf) bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 28. November 2025.
Personendaten
NAME Meißner, Rudolf
ALTERNATIVNAMEN Meissner, Rudolf; Meiszner, Rudolf
KURZBESCHREIBUNG deutscher Altgermanist
GEBURTSDATUM 3. Februar 1862
GEBURTSORT Glogau, Schlesien
STERBEDATUM 27. Oktober 1948
STERBEORT Bonn