Rudolf Rimmel

Rudolf Rimmels Grab

Rudolf Rimmel (bis 1945 Rudolf Ein, * 27. Juli 1937 in Gerassimowka, Ostkasaschische Oblast, Kasachische SSR; † 6. September 2003 in Tallinn) war ein estnischer Schriftsteller.

Leben

Rimmel kam in einer estnischen Siedlung nahe Ust-Kamenogorsk im Altai-Gebirge zur Welt, wobei seine Vorfahren sowohl aus Deportierten als aus freiwillig Ausgewanderten bestanden. Sein Vater wurde 1937 inhaftiert und starb im gleichen Jahr in einem russischen Straflager. Nach dem Tod seiner Mutter (1945) wurde Rimmel von einer in Estland lebenden Tante adoptiert und kam nach Estland. 1956 machte er auf einer russischen Schule in Viljandi Abitur und trat danach in die juristische Fakultät der Universität Tartu ein.

Von 1960 bis 1963 arbeitete Rimmel zunächst bei der Tallinner Miliz. Von 1963 bis 1970 war er in der Redaktion der Satirezeitschrift Pikker tätig. Anschließend war er Konsultant beim Estnischen Schriftstellerverband und ab 1976 Literaturredakteur bei der Zeitschrift Noorus. 1996 ging er, durch eine starke Sehbehinderung beeinträchtigt, in den Ruhestand.

Rimmel war seit 1966 Mitglied des Estnischen Schriftstellerverbands und schied am 6. September 2003 freiwillig aus dem Leben. In seinem Abschiedsbrief rief er die Esten zu einem „Nein“ zur Europäischen Union auf, worüber eine Woche später in Estland in einem Referendum abgestimmt werden sollte.

Werk

Rimmel debütierte in derselben Lyrikkassette wie Helgi Muller und Aleksander Suuman und wurde von der Kritik zunächst wenig beachtet bzw., in exilestnischen Kreisen, verrissen. Auch seine zweite Sammlung stieß stellenweise auf harsche Kritik, wenn es beispielsweise hieß: „Dichtung gibt es im fraglichen Buch wenig.“ Dennoch publizierte Rimmel weiterhin regelmäßig Gedichtbände und war Anfang der 1960er-Jahre ein „vielgelesener Dichter“. Bisweilen wurde bei ihm der Einfluss „zeitgenössischer russischer Verseschmiede“ festgestellt, manche sahen in seinem Humor Parallelen zu Uno Laht oder Hando Runnel.

Rimmel war trotz seiner Parteimitgliedschaft und vermeintlichen Konformität – in späteren Rezensionen wurde er schon mal als „Dichter der Macht“ bezeichnet – auch ein aufmüpfiger Dichter, der bisweilen von den Behörden schikaniert wurde. Neben Dichtung veröffentlichte er auch mehrere Bände mit Kritiken und Essays.

Deutsche Übersetzungen

Auf Deutsch liegt ein Gedicht von Rimmel vor, das in der Zeitschrift Sowjetliteratur publiziert wurde: Wie Ozeane Ozeanen sind die Menschen gleich..., übersetzt von Rainer Kirsch. (Heft 6/1970, S. 147)

Bibliografie

Literatur zum Autor

Einzelnachweise

  1. ↑ Küsimusi ja kostimisi, in: Looming 5/1983, S. 669.
  2. ↑ Eesti kirjanike leksikon. Koostanud Oskar Kruus ja Heino Puhvel. Tallinn: Eesti Raamat 2000, S. 467–468.
  3. ↑ Rudolf Rimmel tegi enesetapu (estnisch)
  4. ↑ Смерть как последний образ // «Литературная газета», № 45 (5948), 5 — 11 ноября 2003
  5. ↑ Ivar Grünthal: Hea, rahuldav, puudulik, in: Mana 2/1964, S. 161–163.
  6. ↑ August Eelmäe: Kisub kangesti vete poole, in: Keel ja Kirjandus 4/1965, S. 243.
  7. ↑ Teet Kallas: Rudolf Rimmel – 50, in: Keel ja Kirjandus 7/1987, S. 439.
  8. ↑ Valeeria Villandi: Kas uue hommiku härmatis?, in: Keel ja Kirjandus 4/1973, S. 244.
  9. ↑ Priidu Beier: Iseendaks jäämine, in: Looming 12/1994, S. 1702.
  10. ↑ Hasso Krull: Rimmel, elu õpetaja, in: Looming 1/1991, S. 125.
  11. ↑ Cornelius Hasselblatt: Geschichte der estnischen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Berlin, New York: Walter de Gruyter 2006, S. 621.
Personendaten
NAME Rimmel, Rudolf
ALTERNATIVNAMEN Ein, Rudolf
KURZBESCHREIBUNG estnischer Schriftsteller
GEBURTSDATUM 27. Juli 1937
GEBURTSORT Gerassimowka
STERBEDATUM 6. September 2003
STERBEORT Tallinn