
Karl Rudolf Sillib (* 27. Februar 1869 in Mannheim; † 23. Oktober 1946 in Badenweiler) war ein deutscher Bibliothekar und badischer Landeshistoriker. Er war Leiter der Universitätsbibliothek Heidelberg von 1922 bis 1934 und seit 1924 Honorarprofessor für Buch- und Bibliothekswesen.
Nach dem Abitur am Karl-Friedrich-Gymnasium in Mannheim studierte Sillib ab 1887 Geschichte und Nationalökonomie in Heidelberg, Berlin und Greifswald. 1892 wurde er an der Universität Heidelberg promoviert und schlug dort die Laufbahn eines Bibliothekars ein. 1893 begann er als Volontär an der Universitätsbibliothek, ein Jahr später war er „Außerordentlicher Hilfsarbeiter“ und 1896 „Ständiger Hilfsarbeiter“ mit dem Titel Kustos. 1902 wurde er zum Bibliothekar, 1908 zum Professor und 1920 zum Oberbibliothekar befördert.
Am 1. April 1922 wurde Sillib als Nachfolger von Jakob Wille Leitender Bibliotheksdirektor der Universitätsbibliothek Heidelberg, ein Amt, das er bis 1934 ausübte. Er war der dritte Berufsbibliothekar der diese Institution leitete, zuvor war er seit 1915 Vorstand der Handschriften-Abteilung. 1924 erhielt er als Honorarprofessor einen Lehrauftrag für Buch- und Bibliothekswesen an der Universität Heidelberg. Am 31. Mai 1934 wurde Sillib in den Altersruhestand versetzt, führte jedoch bis September die Amtsgeschäfte weiter.
In Sillibs Amtszeit wurden 1924 die Katalogregeln in einem schriftlichen Regelwerk zusammengefasst. Die Verwaltung der Bibliothek straffte und reorganisierte er durch Einführung eines Fachreferatesystems, Anschaffungskonferenzen und andere Maßnahmen. Unterstützt von der (Deutschen) Not- bzw. Forschungsgemeinschaft erweiterte er die Sondersammelgebiete Archäologie und Kunstgeschichte. 1933 wurde das erste Heidelberger Zeitschriftenverzeichnis in Buchform herausgegeben.
Dem Nationalsozialismus hat Sillib keinerlei Widerstände entgegengesetzt. Nach der Entlassung Gustav Radbruchs entzog er ihm sofort die Privilegien an der Universität, eine Entscheidung die vom Ministerium rückgängig gemacht wurde.
Sillib war seit 1912 Außerordentliches und 1925 Ordentliches Mitglied der Badischen Historischen Kommission und Mitglied des Bibliotheksausschusses der (Deutschen) Forschungsgemeinschaft. Ferner war er Mitglied und seit 1932 Vorsitzender des Badischen Beirats für Bibliotheks-Angelegenheiten.
1908–1911 wurde der Bibliothekar ehrenamtlicher Konservator der Städtischen Sammlungen in Heidelberg. Bis zu seiner Ernennung als Bibliotheksdirektor war er seit 1908 auch „Pfleger der Kunst- und Altertums-Denkmale für den Amtsbezirk Heidelberg“. 1929 wurde er noch Vorsitzender des Universitätsarchivs.
1928 bis 1935 übernahm er die Schriftleitung der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins (ZGO).
Sillib war mit Gertrud geb. Glatz (1881–1951) verheiratet. Das Ehepaar hatte eine Tochter. Sein Vater war Kaufmann gewesen. – Der Bibliothekar war 1901 Bauherr und erster Bewohner der repräsentativen Villa in der Kußmaulstraße 10 in Neuenheim.
| Personendaten | |
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| NAME | Sillib, Rudolf |
| ALTERNATIVNAMEN | Sillib, Karl Rudolf |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bibliothekar und Landeshistoriker |
| GEBURTSDATUM | 27. Februar 1869 |
| GEBURTSORT | Mannheim |
| STERBEDATUM | 23. Oktober 1946 |
| STERBEORT | Badenweiler |