Rudolf Taschner

Rudolf Taschner (2015)

Rudolf Taschner (* 30. März 1953 in Ternitz, Niederösterreich) ist ein österreichischer Mathematiker, Autor und Politiker (ÖVP). Von 2017 bis 2019 und vom 9. Jänner 2020 bis zum 23. Oktober 2024 war er Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat. Seit dem 7. März 2025 ist er erneut Nationalratsabgeordneter.

Leben

Rudolf Taschner maturierte am Gymnasium der Theresianischen Akademie und studierte an der Universität Wien Mathematik und Physik bei den Professoren Edmund Hlawka, Johann Cigler und Peter Hertel, promovierte dort 1976 sub auspiciis und war seit 1977 bis zur Pensionierung an der Technischen Universität Wien am Institut für Analysis und Scientific Computing tätig.

1981 wurde er an der Technischen Universität Wien habilitiert (Habilitationsschrift: Diskrepanzen gleichverteilter Folgen und Funktionen). Seit 1997 ist er dort als außerordentlicher Universitätsprofessor tätig.

Taschner setzt sich dafür ein, dass die Mathematik der Öffentlichkeit zugänglich wird, und schuf zusammen mit seiner Frau Bianca das Anfang 2003 eröffnete Projekt math.space, das Ende 2017 geschlossen wurde. Mit seinen populärwissenschaftlichen Vorträgen und Publikationen versuchte er, sein Fachgebiet den Menschen näherzubringen.

Dafür wurde er 2004 von den österreichischen Wissenschaftsjournalisten zum Wissenschaftler des Jahres gewählt. Die Tageszeitung Die Presse gab ihm den Spitznamen „Marcel Prawy der Mathematik“. Sein Buch Rechnen mit Gott und der Welt wurde zum Buchliebling 2010 gewählt. 2010 wurde ihm das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Er erhielt den Preis der Stadt Wien für Volksbildung für 2011. Darüber hinaus ist er Beiratsmitglied des im Dezember 2010 gegründeten oberösterreichischen Think Tanks Academia Superior.

Rudolf Taschner trat bei der Nationalratswahl 2017 als Parteifreier auf dem 7. Platz der Bundesliste der ÖVP an und wurde am 9. November 2017 als Abgeordneter im Nationalrat angelobt. Nach der Nationalratswahl 2019 schied er aus dem Nationalrat aus. Ab dem 9. Jänner 2020 war er erneut Nationalratsabgeordneter. Er rückte für Karl Nehammer nach, der Innenminister in der Bundesregierung Kurz II wurde. Nach der Nationalratswahl 2024 schied er mit 23. Oktober 2024 aus dem Nationalrat aus. Nach der Bildung der Bundesregierung Stocker wurde er mit 7. März 2025 erneut Nationalratsabgeordneter.

Taschner ist seit 2021 Mitglied von AJC Transatlantic Friends of Israel.

Taschner ist verheiratet und hat eine Tochter und einen Sohn.

Der Asteroid (130078) Taschner ist nach ihm benannt.

Politische Kommentare

Taschner schrieb von 2006 bis 2017 regelmäßig Kommentare in der Rubrik quergeschrieben in der österreichischen Tageszeitung Die Presse, oft auch zu nichtmathematischen Themen. Er hält die Angst vor den möglichen Folgen globaler Erwärmung für übertrieben und bezeichnete den Kampf gegen sie als „Klimawandelwahn“ und ein „Scheinproblem“. Er spricht sich gegen die Zentralmatura im Fach Mathematik aus und hält eine teilzentrale Reifeprüfung (die Hälfte der Aufgaben wird vom Ministerium erstellt, die andere Hälfte vom Klassenlehrer) für sinnvoller. Man könne somit die Grundfertigkeiten des Rechnens mit anderen Zielen des Unterrichts stimmiger kombinieren.

Taschner hält einen Ausstieg Österreichs aus den PISA-Studien für sinnvoll. Das niedrige durchschnittliche Pensionsantrittsalter in Österreich ist für Taschner „eine Verrücktheit sondergleichen“. Für die stabile Finanzierung der Pensionen fordert er ein Anheben des Pensionsantrittsalters auf 70 Jahre. In Verbindung mit der laut Taschner verfehlt eingeführten Europäischen Währungsunion fordert er die Bereitschaft, Verfehltes zurückzunehmen. Die Verlängerung der Legislaturperiode von vier auf fünf Jahre sieht er als eher schädlich als nützlich. Taschner ist regelmäßiger Autor für das Blog Achse des Guten.

Kontroversen

In einem Interview im Juli 2025 bezeichnete Taschner ein vom Wissenschaftsfonds (FWF) gefördertes Forschungsprojekt an der Musik und Kunst Privatuniversität (MUK) als „verbranntes Geld“ und warf dem FWF vor, Mittel für ideologisch motivierte Vorhaben zu vergeben (untersucht werden sollen etwa die Ästhetik des Schlafes in der Kunst und die Funktion des Träumens für künstlerische und medientechnologische Erfindungen). Taschner forderte ein Eingreifen des Ministeriums, da er nicht wisse, „ob die Selbstreinigungskräfte der Wissenschaft stark genug sind“, um „scheinbare Wissenschaften“ auszusortieren: „Wenn die Wissenschaft nicht diese Selbstreinigungskräfte besitzt, dann sind wir gefordert, denn es ist das Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, das da ausgegeben wird.“ Der Präsident des FWF verteidigte die Förderpraxis als transparent und qualitätsorientiert. Auch Vertreter der Privatuniversität wiesen die Vorwürfe zurück und betonten die Bedeutung freier Forschung. In einem Gastkommentar für Der Standard verteidigte der Präsident des FWF die Wissenschaftsfreiheit gegenüber politischen Angriffen und warnte vor Zuständen, wie sie der US-Präsident Donald Trump in den USA herbeigeführt habe. Der Senat der TU Wien beschloss dazu eine Stellungnahme.

In Folge seiner Aussagen wurde vom Senat der Universität Wien Ende April 2026 die vorgesehene Verleihung des Goldenen Doktordiploms an Taschner kurzfristig abgesagt, was zu einer Verstimmung der ÖVP gegenüber der Universität führte. Der ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti stellte dazu ein Auskunftsbegehren an die Universität und eine parlamentarische Anfrage an das Wissenschaftsministerium. Auch in der Öffentlichkeit wurde das Verhalten der Universität Wien kontrovers rezipiert und kritisiert. So schrieben die Journalisten Thomas Kramar in Die Presse und Andreas Schwarz im Kurier von der Tendenz zur Dogmatisierung und einem Diskursverlust im Wissenschaftsbetrieb.

Im Oktober 2026 kritisierten 200 Wissenschaftler Taschner dafür, dass er im Nationalrat den Rausschmiss von „Scheinwissenschaften“ aus Universitäten forderte. Als Beispiel nannte Taschner „postkoloniale Studien, die in Wirklichkeit nichts anderes als Kaschierungen von einem verdeckten Antizionismus sind, der in Wirklichkeit Judenhass“ sei. Und: „Das gehört nicht auf eine Universität, und das schmeißen wir raus. Da können wir tatsächlich einiges einsparen.“

Schriften

Commons: Rudolf Taschner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Rudolf Taschner auf der Website des österreichischen Parlaments.
  2. ↑ Prof. Rudolf Taschner - BIOGRAPHIE. Abgerufen am 28. Oktober 2019.
  3. ↑ http://permalink.obvsg.at/AC00317891
  4. ↑ Personalverzeichnis der Technischen Universität Wien
  5. ↑ Prof. Rudolf Taschner - BIOGRAPHIE. Abgerufen am 28. Oktober 2019.
  6. ↑ TU ForMath – das Forum Mathematik an der TU Wien. Artikel vom 6. Juni 2018, abgerufen am 8. Juni 2018.
  7. ↑ derStandard.at: TU Wien startet "Forum Mathematik". Artikel vom 8. Juni 2018, abgerufen am 8. Juni 2018.
  8. ↑ Mathematiker Taschner ist "Wissenschaftler 2004". In: ORF.at. 17. Januar 2005, abgerufen am 10. Januar 2020.
  9. ↑ Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage
  10. ↑ Academia Superior – Gesellschaft für Zukunftsforschung – Wissenschaftlicher Beirat. Abgerufen am 14. Juni 2018.
  11. ↑ Mathematiker Taschner tritt für ÖVP an. In: Die Presse. 8. August 2017, abgerufen am 7. November 2017.
  12. ↑ Neue Heimat für Minister, neue Mandatare, neue Sprecher. In: Die Presse. 7. Januar 2020, abgerufen am 10. Januar 2020.
  13. ↑ Rudolf Taschner. 13. Oktober 2021, abgerufen am 3. Oktober 2025 (englisch).
  14. ↑ TFI Members. Abgerufen am 3. Oktober 2025 (englisch).
  15. ↑ R. Taschner: Woran glauben. 10 Angebote für aufgeklärte Menschen. Wien 2016. S. 8.
  16. ↑ Klimakatastrophe abgesagt, aber niemand will es wahrhaben. Die Presse, 28. Oktober 2015.
  17. ↑ Mathematikmatura – eine Abrechnung. In: DiePresse.com. 28. März 2015, abgerufen am 9. August 2019.
  18. ↑ PISA-Brimborium verstellt nur den Blick auf das Wesentliche. Die Presse, 27. November 2013.
  19. ↑ „. . . und wenn's köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen“ Die Presse, 13. August 2014.
  20. ↑ Pensionsantritt: Es bedarf noch viel drastischerer Maßnahmen. Die Presse, 12. Oktober 2011.
  21. ↑ Obwohl es niemand will, könnte die EU wie einst Kakanien versinken. Die Presse, 18. September 2013.
  22. ↑ Sie singen wieder: Die süßen Lieder von den unerfüllbaren Versprechen. Die Presse, 26. Juni 2013.
  23. ↑ Kurzprofil und Beiträge von Rudolf Taschner bei der Achse des Guten.
  24. ↑ ÖVP-Abgeordneter Taschner attackiert Uni und Wissenschaftsfonds: "Verbranntes Geld". In: Der Standard. Abgerufen am 23. Juli 2025 (österreichisches Deutsch).
  25. ↑ Wie man der Wissenschaft schaden kann. In: Der Standard. Abgerufen am 23. Juli 2025 (österreichisches Deutsch).
  26. ↑ Stellungnahme zur Rede von Dr. Rudolf Taschner auf tuwien.de, abgerufen am 15. Jänner 2026.
  27. ↑ ÖVP empört über Uni Wien: Doch keine Ehrung für Mathematiker und ÖVP-Politiker Taschner im Standard vom 30. April 2026, abgerufen am 30. April 2026.
  28. ↑ Nach Taschner-Absage: ÖVP-General stellt Auskunftsbegehren an Uni Wien. 13. Mai 2026, abgerufen am 30. Mai 2026.
  29. ↑ Nach abgesagter Ehrung: ÖVP stellt Anfragen an rote Ministerin. 4. Mai 2026, abgerufen am 30. Mai 2026.
  30. ↑ Thomas Kramar: Zur Affäre Taschner: Ja, man darf auch an Gender-Theorien rütteln. In: Die Presse. 5. Mai 2026, abgerufen am 7. Mai 2026.
  31. ↑ Andreas Schwarz: Aussitzen. In: Kurier. 7. Mai 2026, abgerufen am 7. Mai 2026.
  32. ↑ 200 Forschende empört über ÖVP-Wissenschaftssprecher Taschner, der postkoloniale Studien canceln will. Abgerufen am 15. Oktober 2026 (österreichisches Deutsch).
  33. ↑ Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund
  34. ↑ Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund
  35. ↑ Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund
  36. ↑ Volltext Online, abgerufen am 21. Mai 2010