


Die SAML-S-Typen waren Militärflugzeuge des italienischen Corpo Aeronautico Militare im Ersten Weltkrieg. Sie gingen auf die deutsche Aviatik B zurück, die zur selben Zeit auf deutscher wie auf österreichisch-ungarischer Seite als Aufklärer zum Einsatz kam, und waren die ersten zweisitzigen Doppeldecker mit Zugpropeller, die von einem italienischen Flugzeughersteller entwickelt und gebaut wurden.
Die 1913 in Mailand gegründete Società Anonima Meccanica Lombarda (S.A.M.L.) lieferte aus ihrem Werk in Monza etwa 5 % der italienischen Flugzeuge im Ersten Weltkrieg. Die Firma baute zunächst in Lizenz in Handwerksarbeit die deutschen Aviatik-B-Flugzeuge P13, P13 und P14 nach, die 1913 der schweizerische Konstrukteur Robert Wild nach dem Vorbild eines französischen Rennflugzeugs entworfen hatte. Während das Corpo Aeronautico Militare nach Kriegseintritt Italiens überwiegend mit veralteten, langsamen Druckpropellerflugzeugen ausgerüstet war, ging die S.A.M.L. zu eigenen Entwürfen über. Dazu warb sie Robert Wild an, um als erster italienischer Flugzeugbauer auf Basis der Aviatik eigenständig robuste zweisitzige Doppeldecker mit Zugpropeller zu konstruieren.
Basierend auf den Erfahrungen, die beim Nachbau der deutschen Aviatik gewonnen worden waren, erfolgte daraufhin die Entwicklung der S.A.M.L. S.1 und der unmittelbar nachfolgenden S.2; kleinere Modifikationen sollten die Leistungsfähigkeit verbessern und dabei neben der notwendigen Bewaffnung und verstärkten Motorisierung den schwierigen Einsatzbedingungen an der Alpenfront mit ihren Flugplätzen in engen Tälern Rechnung tragen. Beide Typen waren schwerer und wurden daher auch mir größerer Spannweite gebaut, wobei die S.1 die schwerere Variante war und daher ihre Spannweite dementsprechend größer. Beide Versionen erhielten als Abwehrbewaffnung im Beobachtercockpit ein oder zwei schwenkbare britische 7,7-mm-Lewis‑, bzw. italienische 6,5-mm-Rivelli- oder Fiat-Mod.-14-MGs, hinzu kam später ein weiteres starr auf der oberen Tragfläche montiertes MG für den Piloten, das über den Propellerkreis hinweg feuerte. Bei Verzicht auf Bombenladung konnte auch eine Kameraausrüstung eingebaut werden.
Ursprünglich war geplant, für die S-Typen den 200-PS-Isotta-Fraschini-V5-Achtzylinder-Reihenmotor zu verwenden, doch Schwierigkeiten bei der Lieferung dieser Motoren führten dazu, dass stattdessen der Fiat-A.12-Reihenmotor eingebaut wurde; dieser aufwändige Wechsel verzögerte die Produktion der S.1 nachhaltig.
Die bereits als Nachfolgeversion geplante S.2 unterschied sich von der S.1 u. a. durch die Besonderheit, dass ihrer rechte obere Tragfläche 5 cm länger als die linke war, vermutlich um dem vermuteten ungleichen Drall des Propellers um die Längsachse des Flugzeugs entgegenzuwirken. Außerdem waren die unteren Tragflächen leicht gepfeilt und im Unterschied zur S.1 nicht gestaffelt und auch nicht vorwärts, sondern senkrecht und nicht vierfach, sondern nur zweifach gestielt. Außerdem verwendete die S.2 nur noch übergangsweise den 260-PS-Fiat-A.12-Reihenmotor, erhielt dann aber den 300 PS Fiat-A.12bis-Reihenmotor.
Trotz aller Modifikationen blieben die S-Typen bis zum Auslaufen der Produktion 1918 weitgehend Kopien der ursprünglichen Aviatik B-Typen.
Der durch den Motorwechsel entstehende Zeitverlust führte dazu, dass die S.1 mit reichlicher Verzögerung erst ab Mitte 1917 ausgeliefert wurden und somit fast zeitgleich mit der S.2 in den Einsatz kamen.
Die Produktion der S.1 und der S.2 lief zunächst nur langsam an – bis Oktober 1917 wurden nur 23 Exemplare geliefert –, danach aber steigerten sich die Auslieferungen deutlich; neben S.A.M.L. trat auch das Officine Moncenisio in Condove als Hersteller auf.
Die S.1 und die S.2 wurden zunächst bei der 1. Armee im Trentino als Artilleriebeobachter und leichte Bomber eingesetzt; insgesamt flogen 16 Squadriglie in Italien, Albanien und Mazedonien SAML S-Typen. Sie erwiesen sich dabei als schneller als die längst veralteten Druckpropellerflugzeuge von Savoia-Pomilio und als zuverlässiger als die pannenanfälligen S.I.A. 7, die sie endlich ablösen konnten.
Nach dem Krieg wurden einige Flugzeuge noch in den italienischen Kolonialfeldzügen verwendet oder von Belgien, Ecuador und Paraguay als Schulflugzeuge übernommen.
| Kenngröße | S.A.M.L. Aviatik | S.A.M.L. S.1 | S.A.M.L. S.2 |
|---|---|---|---|
| Länge | 8,50 m | ||
| Höhe | 3,00 m | ||
| Spannweite | 12,00 m | 13,80 m | 12,10 m |
| Flügelfläche | 43,0 m² | 45,00 m² | 38,00 m² |
| Leermasse | 1.000 kg | 1.020 kg | |
| Startmasse | 1.420 kg | 1.395 kg | |
| Antrieb | 125–140 PS Canton-Unné Sternmotor | 200–260 PS Fiat A.12 Reihenmotor | 260 PS Fiat A.12bis Reihenmotor |
| Höchstgeschwindigkeit | 116 km/h | 152 km/h | 162 km/h |
| Steigzeit auf 1.000 m | 8 min | 5:30 min | 5:44 min |
| Steigzeit auf 2.000 m | 18 min | 11:50 min | 12:18 min |
| Steigzeit auf 3.000 m | 30 min | 20:00 min | 21:06 min |
| Steigzeit auf 4.000 m | 35 min | 36:24 min | |
| praktische Gipfelhöhe | 3500 m | 4.000 m | 4.000 m |
| Reichweite | 540 km | 500 km | |
| maximale Flugdauer | 3:30 h | 3:40 h | 3:30 h |
| Besatzung | 2 (Pilot und Beobachter/Schütze) | ||
| Bewaffnung | 1 MG 6,50 mm | 1 MG 6,50 mm, bis 40 kg Bomben | 2–3 MG 6,50 mm, bis 40 kg Bomben |
| Erstflug | 1915 | Okt. 1916 | |
| Einsatz | 1915–18 | Sommer 1917–1918 | |
| Stückzahl | 568 (davon 410 von S.A.M.L. gebaut) | ||