Strukturiertes Klinisches Interview für DSM

Das Strukturierte Klinische Interview für DSM (SCID, englisch: Structured Clinical Interview for DSM) ist ein halbstrukturierter Leitfaden für Interviews zur Diagnosestellung gemäß den im Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM) veröffentlichten Kriterien. Da die Entwicklung des SCID der Weiterentwicklung des DSM folgte, sind für eine einzelne Ausgabe mehrere Versionen verfügbar, die verschiedene Kategorien psychischer Störungen abdecken. Die erste Version des SCID (für DSM-III-R) erschien 1989, die Version SCID-IV (für DSM-IV) wurde 1994 veröffentlicht und die aktuelle Version SCID-5 (für DSM-5) ist seit 2015 verfügbar.

Die Interviews können durch Klinikern oder geschultem Fachpersonal aus dem Berufsfeld der Klinischen Psychologie oder Psychiatrie durchgeführt werden, die mit der DSM-Klassifikation und den diagnostischen Kriterien vertraut sind. Befragte können psychiatrische oder allgemeinmedizinische Patienten, Teilnehmer einer Bevölkerungsbefragung zu psychischen Erkrankungen oder Angehörige von psychiatrischen Patienten sein. SCID-Anwender sollten über ausreichende klinische Erfahrung verfügen, um eine diagnostische Beurteilung vornehmen zu können; jedoch können auch Nicht-Fachkräfte, die über umfassende diagnostische Erfahrung mit einer bestimmten Studienpopulation verfügen, für die Durchführung des SCID geschult werden. Im Allgemeinen ist für Personen mit geringerer klinischer Erfahrung eine zusätzliche Schulung erforderlich.

Zum DSM-III-R

Das SCID für das DSM-III-R diente zur Abgrenzung von Störungen der Achse I (SCID-I) und der Achse II (SCID-II). Zur Beurteilung psychiatrischer Patienten (SCID-P) und zur Untersuchung von Nicht-Patienten-Populationen (SCID-NP) wurden separate Versionen verwendet. Eine weitere Form des SCID-P, das SCID-P W/PSY SCREEN, wurde für Patienten entwickelt, bei denen psychotische Störungen voraussichtlich selten auftraten, und enthielt lediglich Screening-Fragen zu diesen Störungen, jedoch nicht das komplexe Modul. Außerdem wurden spezielle Versionen zur Untersuchung der Panikstörung, zur Beurteilung von PTBS und Kriegstraumata bei Vietnam-Veteranen sowie zur Untersuchung der sozialen und psychiatrischen Folgen einer HIV-Infektion erstellt.

SCID-D

Das „Strukturierte Klinische Interview für Dissoziative Störungen“ (SCID-D) dient der Beurteilung dissoziativer Symptome und Störungen bei Erwachsenen und Jugendlichen. Es basiert auf das Fünf-Komponenten-Modell zur Beurteilung von Dissoziation (Amnesie, Depersonalisation, Derealisation, Identitätsunsicherheit und Identitätswechsel) der US-amerikanischen Psychiaterin Marlene Steinberg. Es wurde ursprünglich für das DSM-III-R entwickelt, doch durch den frühzeitigen Zugang zu den DSM-IV-Kriterien für dissoziative Störungen war es möglich, diese in das SCID-D zu integrieren.

Bei Probanden mit nicht dissoziativen Störungen dauert die Durchführung zwischen 30 Minuten und 1,5 Stunden. Bei Probanden mit dissoziativen Störungen sind in der Regel 40 Minuten bis 2,5 Stunden erforderlich. Den Probanden sollte ausreichend Zeit eingeräumt werden, um ihre Erfahrungen umfassend zu schildern.

2023 ist eine Neuauflage erschienen, die die Kriterien des DSM-5-TR sowie der ICD-11 berücksichtigt.

Zum DSM-IV

Das SCID für das DSM-IV folgt dem multiaxialen System: SCID-I für Störungen der Achse I (psychische Störungen) und SCID-II für Störungen der Achse II (Persönlichkeitsstörungen).

Es gibt mehrere Varianten des SCID-I, die sich an unterschiedliche Zielgruppen richten. Ähnlich wie in der vorherigen Ausgabe ist das SCID-I für die Untersuchung psychiatrischer Patienten (SCID-I/P), für die Untersuchung von Nichtpatienten (SCID-I/NP) sowie für Patientengruppen, bei denen keine psychotischen Störungen zu erwarten sind (SCID-I/P W/PSY SCREEN), verfügbar. Es wurden außerdem spezielle Versionen für klinischen Alltag (SCID-CV) und klinische Studien (SCID-CT) entwickelt. Das SCID-II für das DSM-IV ist in einer einzigen Ausgabe erhältlich.

An der York University wurde eine Variante des Instruments (KID-SCID) entwickelt, um DSM-IV-Diagnosen für Kinder und Jugendliche im Rahmen klinischer Forschungsstudien zu erstellen. Im Jahr 2015 wurden in einer Studie die psychometrischen Eigenschaften des KID-SCID an einer niederländischen Stichprobe von Kindern und Jugendlichen untersucht, was später zur Entwicklung des SCID-5-Junior für das DSM-5 führte (siehe unten).

Zum DSM-5

Nach dem Erscheinen des DSM-5 2013, ist 2015 das Strukturierte Klinische Interview für DSM-5 (SCID-5) erschienen. Das SCID-5-RV (Research Version) ist die umfassendste Version des SCID-5. Es enthält mehr Störungen, alle relevanten Subtypen sowie Angaben zu Schweregrad und Verlauf. Ein weiteres Merkmal ist die Möglichkeit, das Instrument an die Anforderungen einer bestimmten Studie anzupassen.

Die SCID-5-CV (Clinician Version) ist eine für den klinischen Einsatz angepasste Version der SCID-5-RV. Sie deckt die in der klinischen Praxis am häufigsten anzutreffenden Diagnosen ab. Trotz der Bezeichnung „Clinician“ kann sie auch in der Forschung verwendet werden, sofern die untersuchten Störungen zu den in dieser Version enthaltenen gehören. Die SCID-5-CT (Clinical Trials) ist eine für den Einsatz in klinischen Studien optimierte Adaption der SCID-5-RV.

Das SCID-5-PD (Personality Disorders) dient der Beurteilung der 10 Persönlichkeitsstörungen. Sein Name spiegelt die Abschaffung des multiaxialen Systems des SCID-IV wider. Das SCID-5-AMPD (Alternative DSM-5 Model for Personality Disorders) bietet sowohl dimensionale als auch kategoriale Ansätze zur Erfassung von Persönlichkeitsstörungen. Es wurde für geschulte Fachkräfte entwickelt und ermöglicht es dem Forscher oder Anwender durch seines modularen Aufbaus, sich auf diejenigen Aspekte des alternativen Modells zu konzentrieren, die für ihn von größtem Interesse sind.

Das SCID-5 wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt, darunter Chinesisch, Dänisch, Niederländisch, Deutsch, Griechisch, Ungarisch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch, Norwegisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Spanisch und Türkisch.

Aufgrund früherer Studien mit niederländischen Jugendlichen liegt eine niederländische Variante des Instruments SCID-5-Junior vor. Es handelt sich um eine grundsätzliche Überarbeitung und Erweiterung des KID-SCID.

Elektronische Versionen

Das NetSCID-5 ist eine Online-Version des SCID-5, die in Absprache mit den Autoren des SCID-5 von TeleSage, Inc. in Chapel Hill, North Carolina, entwickelt und vermarktet wurde. Das NetSCID-5 wird als Online-Dienst mit Benutzerkonten und einer Abrechnung pro Durchführung angeboten. Diagnosen und Antwortdaten werden in Form von Berichten und als Rohdaten-Download zur Verfügung gestellt. Der Inhalt (z. B. Text, Verzweigungen und Auswertung) jedes dieser Instrumente soll der entsprechenden Papierversion entsprechen.

Eine elektronische Version des SCID-5-Instruments wird auch im Rahmen von „eInterview“ von Sunilion Software angeboten.

Einige Forschungsergebnisse legen nahe, dass computergestützte Versionen von Interviews zur Erfassung der psychischen Gesundheit im Vergleich zu Papier-und-Bleistift-Versionen derselben Instrumente zu weniger Verzweigungs- und Auswertungsfehlern führen.

Die deutschen Ausgaben des SCID-5 werden teilweise auch als bearbeitbares PDF angeboten, um die Anwendung zu erleichtern. Eine spezielle digitale Version, wie sie für die englischsprachige Version verfügbar ist, gibt es jedoch nicht.

Literatur

Deutsche Ausgaben des SCID-5

Einzelnachweise

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