PO-Midi E 240

PO-Midi E 240/SNCF BB 300
BB 327 in Miramas
BB 327 in Miramas
BB 327 in Miramas
Nummerierung: PO-Midi: E 241–264
SNCF: BB 301–355
Anzahl: 55
Hersteller: Alsthom
Siemens
Baujahr(e): 1938–1948
Ausmusterung: bis 1998
Achsfolge: Bo’Bo’
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: 12.930 mm
Breite: 2996 mm/2980 mm*
Höhe: 3230 mm
Drehzapfenabstand: 6000 mm
Drehgestellachsstand: 2950 mm
Treibraddurchmesser: 1350 mm
Dienstmasse: 80 t
Reibungsmasse: 80 t
Radsatzfahrmasse: 20 t
Höchstgeschwindigkeit: 105 km/h / nach Umbau 75 km/h
Dauerleistung: 1455 kW / 1540 kW*
Stromsystem: 1500 V Gleichspannung
Stromübertragung: Stromabnehmer
Fahrmotoren: 4
Antrieb: Hohlwellenantrieb
* zweite Lieferserie

Die Elektrolokomotiven E 241–264 wurden von der Chemin de Fer de Paris à Orléans et du Midi (PO-Midi) in den 1930er Jahren bestellt und 1938/1939 zunächst in 24 Exemplaren von Siemens und Alsthom ausgeliefert. Später erhielten sie von den SNCF die Bezeichnung BB 300. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte eine weitere Lieferung von 31 Lokomotiven von Alsthom. Die Lokomotiven waren bis Mitte der 1970er Jahre im gemischten Dienst eingesetzt. Danach erfolgte der Umbau von 43 Lokomotiven in Rangierlokomotiven mit verminderter Geschwindigkeit. Diese Lokomotiven waren bis 1998 in Betrieb. Vier Lokomotiven sind erhalten geblieben; die BB 327, BB 337, BB 346 und BB 348.

Geschichte

Die Lokomotiven hatten ihren Ursprung von den Midi E 4700. Mitte der 1930er bestellte die PO-Midi 24 ähnliche Lokomotiven anlässlich der Elektrifizierung der Bahnstrecke Tours–Bordeaux. Die meisten Lokomotiven wurden von Alsthom gebaut, sieben Maschinen stammten von Siemens, die Reparationsforderungen des Ersten Weltkrieges beglichen. Sie wurden als E 241–264 in Betrieb genommen.

SNCF BB 300

1939 erfolgte die Umbezeichnung zu der SNCF als BB 301–324. Während der Vorkommnisse im Zweiten Weltkrieg wurden einige Lokomotiven beschädigt, die ehemalige E 258 gilt als Kriegsverlust.

Nach 1945 erfolgte die Lieferung einer zweiten Serie, die schon um 1940 vorgesehen, durch Kriegsereignisse allerdings nicht ausgeliefert werden konnte. Die Lokomotiven der zweiten Serie unterschieden sich von denen der ersten Serie durch eine etwas höhere Leistung. Elf Lokomotiven der ersten Serie wurden von 1949 bis 1951 in die Niederlande ausgeliehen, die eine bestellte Lokomotive von Alsthom noch nicht erhalten hatte. In der Mitte der 1960er Jahre bekamen alle ausgelieferten Lokomotive eine Grundüberholung mit Modernisierung der Führerstände und einer neuen Verkabelung. Die Lokomotiven der zweiten Lieferserie erhielten in dem Zusammenhang eine geänderte Frontpartie mit nur noch zwei Frontscheiben. Die vorher vorhandene mittlere Übergangstür entfiel. Ab Mitte der 1970er Jahre wurden die Maschinen mehr und mehr durch neuere und stärkere Lokomotiven der Reihe SNCF BB 8100 ersetzt.

Daher wurden zu der Zeit 21 Lokomotiven der ersten Serie in Rangierlokomotiven umgebaut, wobei sie schwächere Motoren für nur noch 1160 kW und eine andere Getriebeübersetzung für die Höchstgeschwindigkekeit von nur noch 75 km/h erhielten. Ab 1982 wurden auch 22 Lokomotiven der zweiten Lieferserie zu Rangierlokomotiven umgebaut. Die Lokomotiven der ersten Bauserie wurden bis 1997 ausgemustert, wobei die BB 322 4.900.000 Kilometer zurückgelegt hatte. Ein Jahr später war auch für die Lokomotiven der zweiten Bauserie Schluss; von der BB 327 ist bekannt, dass sie 3.900.000 Kilometer Laufleistung erreicht hatte. Die Lokomotiven BB 327, BB 337, BB 346, und BB 348 sind erhalten geblieben.

Einsätze

Die ersten Lokomotiven wurden auf der Bahnstrecke Bordeaux–Tours eingesetzt und beförderten dort Post-, Personen- und Güterzüge auf kurzen Strecken. Einige Lokomotiven wurden während des Zweiten Weltkriegs beschädigt, zerstört wurde die PO-Midi E 258. Nach dem Krieg nahmen die verbliebenen Lokomotiven ihren Dienst wieder auf und wurden von Nachlieferungen aus der 2. Serie verstärkt. Die Lokomotiven übernahmen die gewohnten Leistungen auf denselben Strecken zusätzlich noch Pilgerzüge von Bordeaux nach Valenton.

Insgesamt elf Lokomotiven wurden zwischen 1949 und 1951 an die NS verliehen, die bei Alsthom die NS-Baureihe 1100 bestellt hatten. Die Verleasung an die NS erfolgte im Wechsel, es wurden nie mehr als sechs Lokomlotiven zusammen verliehen.

Bis Mitte der 1970er Jahre beförderten die verbliebenen 54 Lokomotiven auf den meisten mit Gleichstrom elektrifizierten Strecken in Frankreich Personen- und Güterzüge. Eine Besonderheit bildeten dabei die Beförderung von schweren Zügen auf den Rampen mit 10 ‰ zwischen Paris und Toulouse in Dreifachtraktion. Die Mehrzahl der Lokomotiven war in Doppeltraktion auf Flachlandstrecken im Einsatz. Die ersten Lokomotiven wurden im Depot Saint-Pierre-des-Corps eingesetzt. In der Folge der Einsatzgeschichte waren die Lokomotiven auf vierzehn verschiedenen Depots beheimatet. Die letzte Maschine wurde 1998 im Depot Vénissieux ausgemustert.

Technische Details

Die Lokomotiven sind Kastenlokomotiven mit äußeren Führerständen, mittleren Maschinenraum und zwei zweiachsigen Drehgestellen in Nietkonstruktion konstruiert sowie gefertigt. Sie wurden von der Midi E 4700 abgeleitet. Ursprünglich besaßen sie wie diese Reihe in der Stirnwandmitte eine zusätzlich Übergangstür zum Wechseln der Maschinen bei Doppeltraktionen während der Fahrt. Während der Grundüberholungen entfielen jedoch diese und die meisten Lokomotiven erhielten stattdessen eine Frontpartie mit zwei Frontscheiben.

Die Kraftübertragung der Fahrmotoren auf die Antriebsachsen erfolgt mit einem Stab-Gelenk-Mechanismus mit „tanzendem Ring“ nach Bauart Alsthom. Das führt zu einer Reduzierung der Schienenstöße auf die Fahrmotoren und ermöglichte eine Erhöhung der Geschwindigkeit auf 105 km/h.

Die elektrische Ausrüstung stammte von Alsthom und bestand aus Gleichstromtechnik, wo über die elektrische Spannung von der Fahrleitung über den Nockenfahrschalter mit der Widerstandssteuerung die elektrischen Fahrmotoren angetrieben wurden, die als Reihenschlussmaschinen im Drehgestell in Reihe ausgeführt waren. Die Druckluft für die Druckluftbremse wurde von zwei Kompressoren erzeugt, elektromechanische Schütze schalteten die Hilfsbetriebmotoren. Hinsichtlich der Bauausführung gab es bei der Verkabelung der zweiten Lieferserie den Unterschied, dass diese Lokomotiven mit Aluminiumkabel ausgerüstet waren. Deshalb durften Lokomotiven dieser Serie nicht mit denen der ersten Serie in Doppeltraktion zusammen eingesetzt werden.

Lackiert waren die Lokomotiven ursprünglich in Dunkelgrün, ab der Grundüberholung waren sie in einem blaugrünen Farbton mit einem weißen Zierstreifen versehen, zwei Lokomotiven, die BB 337 und BB 348, haben nach ihrem Umbau in Rangierlokomotiven eine Farbgebung in betongrau mit orangen Streifen erhalten.

Siehe auch

Literatur

Commons: PO E 300 → SNCF BB 300 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Thomas Estler, Loks der französischen Staatsbahn SNCF, Transpress Verlag Stuttgart, 2014, ISBN 978-3-613-71480-9, Seite 30
  2. Olivier Constant, Encyclopédie du matériel moteur SNCF, in Le Train, Teil 1: Les locomotives à courant continu 1500 V ISSN 1267-5008.
    1. ↑ 2006, S. 15
    2. 1 2 2006, S. 13
    3. 1 2 2006, S. 17
    4. ↑ 2006, S. 18
  3. ↑ Internetseite über die BB 300 bei den NS auf perspoor.wordpress.com
  4. Jean-Marc Dupuy, Les BB 301-324 et 325-355 SNCF, in Le Train, Nr. 56 spécial Les BB 900/300, les BB 1800, BB 800, BB 900, BB 301 à 324, BB 325 à 355,‎ 10/2008,
    1. ↑ 2008, S. 72-73
    2. ↑ 2008, S. 71
    3. ↑ 2008, S. 88
    4. ↑ 2008, S. 69
    5. ↑ 2008, S. 87
    6. ↑ 2008, S. 62
    7. ↑ 2008, S. 78–79
    8. ↑ 2008, S. 90