SS-Ehrendegen

Ehrendegen Reichsführer SS mit Scheide
Nutzung des SS-Degens als Parade- bzw. Zeremonienwaffe

SS-Ehrendegen, Vollbezeichnung Ehrendegen des Reichsführers SS, oder kurz SS-Degen war die Bezeichnung der Ehrenwaffe der Schutzstaffel, die ursprünglich im NS-Staat an „verdiente SS-Führer“ verliehen wurde. Er darf nicht mit dem sogenannten „SS-Geburtstagsdegen“ verwechselt werden, welcher ebenfalls von Heinrich Himmler verliehen wurde.

Hergestellt wurde der Degen von der SS-eigenen Damaskus-Klingenschule Dachau unter der Führung Paul Müllers, einem der damals bekanntesten Klingenschmieden. Neben dem SS-Ehrendegen gab es auch den SS-Ehrenring und den SS-Ehrendolch. Die Verleihung dieser privaten Auszeichnungen hatte nach einem von Himmler persönlich verfügten Regelwerk zu erfolgen.

Aussehen und Gestaltung

Hergestellt wurde der Degen vermutlich in Zwangsarbeit von Häftlingen des Konzentrationslagers Dachau für SS-Führer und für SS-Unterführer gefertigt, wobei jene der Unterführer weniger aufwendig gestaltet waren. Sie besaßen einen einfachen D-förmigen Bügel, der von der Parierstange bis zum Griff verlief. Der Griff war aus schwarzem Holz gefertigt und trug die SS-Runen. Die Degenscheide war ebenfalls schwarz und dekorativ verziert. Die metallene Degenscheide wurde durch ein Aluminium-Gehänge getragen.

Einführung, Verleihung und Produktionsende

Der SS-Ehrendegen wurde 1936 auf Weisung Himmlers eingeführt und war den Parade- bzw. Zeremonien-Degen, die traditionell in Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine verwendet wurden, nachempfunden. Der Degen wurde in der Regel zur Paradeuniform getragen, konnte aber auch, wie zahlreiche Bilddokumente belegen, zur Dienst- und Ausgehuniform getragen werden.

Im Gegensatz zum SS-Ehrendolch gab es für die Verleihung keine exakten Regeln, sondern grundsätzlich waren ausschließlich Himmlers Gewogenheit und Huld maßgeblich für eine Verleihung. Der Degen galt daher als ein Indikator dafür, wen Himmler zu den Förderungswürdigsten der SS zählte, zusätzlich stieg für Angehörige der Allgemeinen SS mit der Höhe des SS-Ranges auch die Wahrscheinlichkeit, ebenfalls in den Kreis der Degeninhaber aufzusteigen.

Zudem wurde der SS-Ehrendegen erst ab dem Dienstgrad SS-Untersturmführer vergeben. Darum erhielten u. a. auch Absolventen der SS-Junkerschulen den Degen zwar bereits beim Abschluss der Ausbildung verliehen, aber trugen diesen erst bei ihrer Beförderung zum SS-Untersturmführer zum ersten Mal.

Der SS-Ehrendegen wurde bis 1945 an das SS-Führerkorps vergeben. So erhielten diesen 58 Prozent der SS-Standartenführer, 83 Prozent der SS-Oberführer, 90 Prozent der SS-Brigadeführer, 91 Prozent der SS-Gruppenführer, 99 Prozent der SS-Obergruppenführer und 100 Prozent der SS-Oberst-Gruppenführer. In absoluten Zahlen bedeutete dies laut Heinz Höhne: Von 621 Standartenführern erhielten 362, von den 276 Oberführern 236, von den 96 Gruppenführern 88, von den 92 Obergruppenführern 91 und alle vier Oberst-Gruppenführer den SS-Ehrendegen.

Die Verwendung des Degens durch Führer und Unterführer anlässlich der Vereidigung von SS-Anwärtern wurde bis Kriegsende weitgehend beibehalten. Die Produktion der SS-Ehrendegen endete gegen Jahresende 1944.

Commons: SS-Ehrendegen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Robin Lumsden, The Allgemeine-SS, Osprey Publishing, S. 34–35.
  2. ↑ SS-Personalhauptamt, Dienstaltersliste der Schutzstaffel der NSDAP, 1. Oktober und 9. November 1944, S. 127 und S. 59.
  3. ↑ Klaus Wiegrefe: Das »Wagnis Auschwitz«. In: Spiegel Online. 1. Juni 1997, abgerufen am 17. Februar 2024.
  4. ↑ Robin Lumsden, The Allgemeine-SS, Ian Allan Publishing, S. 69.
  5. ↑ Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf – Die Geschichte der SS. Weltbild-Verlag, Augsburg 1992, S. 141. Höhne zitiert auf S. 550 Achim Besgen: Der stille Befehl. Medizinalrat Kersten und das Dritte Reich, Nymphenburger Verlagshandlung, München 1960, S. 75.
    Anmerkung: In seiner Auswertung vergaß Höhne jedoch die Gruppe der SS-Brigadeführer!
    Wenn die Dienstaltersliste vom 9. November 1944 (lfd. Nr. 193–463) zugrunde genommen wird, besaßen 262 SS-Männer zu diesem Zeitpunkt den Dienstgrad eines Brigadeführers. 90 Prozent entsprachen also 235 bzw. 236 (nach Rundung; genaues Rechnungsergebnis: 235,8) Brigadeführern.