Sadschida ar-Rischawi (auch Sajida al-Rishawi, arabisch ساجدة الريشاوي, DMG Sāǧida ar-Rīšāwī, mit vollständigem Namen Sajida Mubarak Atrous al-Rishawi; geboren 1970 in Ramadi; gestorben am 4. Februar 2015 im Swaqa-Gefängnis bei Suwaqa, Jordanien) war eine irakische islamistische Terroristin. Sie lebte mit ihrer Familie in der Nähe von Falludscha und gehörte zu der vierköpfigen Tätergruppe der Anschlagserie in Amman am 9. November 2005, bei der Selbstmordanschläge auf drei Hotels rund 60 Menschen töteten und mehr als 100 verletzten. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Ali Hussein Ali al-Schamari sollte sie einen Anschlag auf eine Hochzeitsfeier im Radisson SAS verüben. Ihr Sprengstoffgürtel detonierte jedoch nicht, sodass sie als einzige der vier vorgesehenen Attentäter überlebte.
Sie wurde vier Tage nach den Anschlägen festgenommen. 2006 verurteilte sie ein jordanisches Staatssicherheitsgericht wegen ihrer Beteiligung an den Anschlägen zum Tode. Im Januar 2015 forderte die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) ihre Freilassung im Zusammenhang mit den von ihm gefangen gehaltenen Geiseln Kenji Gotō und Muʿādh al-Kasāsba. Nachdem IS ein Video von al-Kasāsbas Tötung veröffentlicht hatte, wurde ar-Rischawi am 4. Februar 2015 im Swaqa-Gefängnis südlich von Amman durch Hängen hingerichtet.
Ar-Rischawi wurde 1970 in Ramadi in der irakischen Provinz al-Anbar geboren. Sie war die Schwester von Mubarak Atrous al-Rishawi, der nach Angaben des damaligen jordanischen Vizepremierministers Marwan Muasher ein enger Mitarbeiter von Abū Musʿab az-Zarqāwī, der sich zu den Anschlägen bekannte, und führendes Mitglied von al-Qaida im Irak in der Provinz al-Anbar war. Mubarak Atrous al-Rishawi wurde bei Kämpfen mit US-Streitkräften in Falludscha getötet. Ar-Rischawi war mit dem Iraker Ali Hussein Ali al-Schamari verheiratet, mit dem sie 2005 nach Jordanien einreiste.
Nach eigenen Angaben reiste ar-Rischawi am 5. November 2005 gemeinsam mit ihrem Ehemann, den sie kurz zuvor, um nicht als unverheiratete Reisende in Männerbegleitung aufzufallen, geheiratet hatte, und zwei weiteren Männern unter Verwendung gefälschter irakischer Pässe nach Jordanien ein. In Amman mieteten sie in einem von irakischen Flüchtlingen bewohnten Viertel eine Wohnung. Ihr Ehemann verfügte über zwei Sprengstoffgürtel, von denen er ihr einen anlegte und ihr dessen Bedienung erklärte. Nach ihrer später im jordanischen Fernsehen ausgestrahlten Aussage teilte er ihr mit, dass Anschläge auf Hotels in Jordanien geplant seien.
Am 9. November begaben sich ar-Rischawi, ihr Ehemann in das Radisson SAS Hotel in Amman, in dem zu diesem Zeitpunkt eine Hochzeitsfeier stattfand. Die zwei anderen Täter, die sich als Verwandte ausgaben, steuerten das Grand Hyatt und das Days Inn an. Während ar-Rischawis Ehemann seinen Sprengsatz zündete, wodurch 30 Menschen der jordanisch-palästinensischen Hochzeitsgesellschaft starben, versuchte ar-Rischawi nach ihrer damaligen Aussage ebenfalls, ihren Sprengstoffgürtel zur Explosion zu bringen; dieser detonierte jedoch nicht. Sie verließ das Hotel anschließend zusammen mit den fliehenden Gästen. Zeitgleich verübten zwei weitere Attentäter Anschläge auf das Grand Hyatt und das Days Inn in Amman. Zu den drei Anschlägen, bei denen etwa 60 Menschen getötet wurden, bekannte sich al-Qaida im Irak.
Ar-Rischawi fuhr nach der Explosion mit einem Taxi nach Salt und kam dort bei der Familie ihres von Amerikanern getöteten Schwagers unter. Aus Salt stammte auch Nidal Arabiyat (getötet am 27. Februar 2004), ein Vertrauter von Zarqawi. Drei oder vier Tage nach den Anschlägen wurde sie dort von jordanischen Sicherheitskräften festgenommen. Am 13. November wurde im jordanischen Staatsfernsehen eine aufgezeichnete Aussage ausgestrahlt, in der sie ihre Beteiligung schilderte und einen entschärften Sprengstoffgürtel trug.
Im April 2006 begann vor dem jordanischen Staatssicherheitsgericht ihr Prozess. Ar-Rischawi bekannte sich nicht schuldig und erklärte im Verlauf des Verfahrens, ihre zuvor ausgestrahlten Aussagen seien unter Zwang zustande gekommen. Am 21. September 2006 verurteilte das Gericht sie wegen Verschwörung zur Durchführung terroristischer Handlungen zum Tod durch Hängen. Sechs weitere Angeklagte wurden in Abwesenheit ebenfalls zum Tode verurteilt. Ar-Rischawi focht das Urteil vor dem jordanischen Kassationsgerichtshof an, der das Todesurteil im Januar 2007 bestätigte.
Im Januar 2015 forderte die Terrororganisation Islamischer Staat die Freilassung ar-Rischawis im Austausch gegen den japanischen Journalisten Kenji Gotō, den die Organisation in Syrien als Geisel gefangen hielt. Nachdem der IS auch mit der Tötung des seit Dezember 2014 gefangen gehaltenen jordanischen Kampfpiloten Muʿādh al-Kasāsba gedroht hatte, erklärte die jordanische Regierung, zu einem Austausch ar-Rischawis gegen al-Kasāsba bereit zu sein. Sie verlangte jedoch einen Nachweis dafür, dass der Pilot noch am Leben war.
Zu einem Gefangenenaustausch kam es nicht. Der IS legte keinen von Jordanien verlangten Nachweis über das Überleben al-Kasāsbas vor. Gotō wurde vom IS getötet. Am 3. Februar 2015 veröffentlichte die Organisation ein Video, das die Tötung al-Kasāsbas zeigte. Nach Angaben jordanischer Behörden war der Pilot bereits am 3. Januar getötet worden.
Am Morgen nach der Veröffentlichung des Videos vollstreckte Jordanien die Todesurteile gegen ar-Rischawi und den ebenfalls aus dem Irak stammenden al-Qaida-Angehörigen Ziad al-Karbouli. Beide wurden am 4. Februar 2015 vor Tagesanbruch im Swaqa-Gefängnis, rund 70 Kilometer südlich von Amman, durch Hängen hingerichtet. Die Hinrichtungen wurden von Regierungssprecher Mohammed al-Momani bestätigt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | ar-Rischawi, Sadschida |
| KURZBESCHREIBUNG | irakische Terroristin |
| GEBURTSDATUM | 1970 |
| GEBURTSORT | Ramadi, Irak |
| STERBEDATUM | 4. Februar 2015 |
| STERBEORT | Swaqa-Gefängnis bei Suwaqa, Jordanien |