Safia Farkash oder Safia Farkasch, auch Safia Farkash al-Baraasi (arabisch صفية فركاش, DMG Ṣafīya Farkāš; * el-Brasai 2. Mai 1952), ist die Witwe und zweite Ehefrau des ehemaligen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi und Mutter von sieben seiner acht leiblichen Kinder sowie einer gemeinsamen Adoptivtochter.
Farkash soll aus einer ostlibyschen Familie aus dem Stamm von Barasa kommen, in Baida geboren worden sein und eine Ausbildung zur Krankenschwester absolviert haben. Anderen Angaben zufolge wurde Safia als Zsófia Farkas in Mostar, Bosnien-Herzegowina, geboren und ist kroatischer und/oder ungarischer Herkunft.
Sie lernte Gaddafi kennen, als er 1971 wegen einer Blinddarmentzündung in ein Krankenhaus eingeliefert und behandelt wurde. Sie heirateten 1971 in Tripolis und hatten sieben gemeinsame Kinder und eine Adoptivtochter. Die Familie hatte ihren Hauptwohnsitz in der Nähe der Bab-al-Aziziya-Kaserne, die sich an einem südlichen Vorort von Tripolis befindet.
Farkash hielt sich meist im Hintergrund in ihrer Ehe mit Gaddafi. Erstmals nach der Freilassung des Lockerbie-Attentäters Abdel Basit Ali al-Megrahi 2009 organisierte sie aus diesem Anlass ein Fest, um den Jahrestag der libyschen Revolution Gaddafis von 1969 zu feiern. 2008 wurde Farkash in Scharm El-Scheich zur Vizepräsidentin der Afrikanischen Frauen Organisation gewählt, obwohl sie gar nicht an der Sitzung teilnahm und nie irgendwelche Aktivitäten in diesem Zusammenhang übernommen hatte. Farkash besitzt die Fluggesellschaft Buraq Air. 1992 wurde ihr Vermögen auf etwa 30 Mrd. US-Dollar geschätzt.
Safia blieb mit ihrem Mann und ihrer Familie während des Bürgerkrieges in Libyen 2011 in ihrem Haus in Tripolis. Als der Bürgerkrieg ab Mitte August Tripolis erreichte, floh sie mit ihrer Familie aus Libyen. Am 27. August setzte sie sich mit sechs gepanzerten Mercedes-Benz-Limousinen über die Grenze an der südwestlichen libyschen Stadt Ghadames in Richtung Algerien ab. Zunächst wurde ihr von den algerischen Behörden die Einreise verweigert. Am 29. August gab die algerische Regierung offiziell bekannt, dass Safia gemeinsam mit Tochter Ayesha und den Söhnen Muhammad und Hannibal und allen anderen Personen aus dem Konvoi in Algerien eingereist waren und um Asyl gebeten hatten. Das algerische Außenministeriums gab anschließend bekannt, dass den Personen und der Gaddafi-Familie aus humanitären Gründen ein Aufenthalt und Asyl in Algerien gewährt werde. Im Oktober 2012 verließen sie mit ihren Kindern Hannibal, Mohammed und Ayesha (Aisha) das Versteck in Algerien, um nach Oman zu reisen, wo der Familie politisches Asyl gewährt wurde. Im April 2016 wurde Safia Farkash von der libyschen Regierung die Rückkehr nach Libyen erlaubt, um die Anhänger Gaddafis zu besänftigen.
Die libysche Staatspropaganda berichtete, dass Gaddafi und seine Frau in den 1980er-Jahren eine Tochter adoptierten, welche im Alter zwischen einem und fünf Jahren bei dem US-Luftangriff am 15. April 1986 ums Leben gekommen sein soll. Auch soll Gaddafi seinen Neffen Milad Abustaia al Gaddafi adoptiert haben. Einer libyschen Legende zufolge habe dieser Gaddafi bei dem US-Luftangriff das Leben gerettet.
Die Familie Gaddafi soll laut Schätzungen libyscher Oppositioneller ein Vermögen in Höhe von 80 bis 150 Milliarden US-Dollar besitzen. Insbesondere die Gewinne aus dem Öl- und Gas-Sektor machte sich Gaddafi seit Jahrzehnten zu eigen. Einige ihrer Söhne sollen gelegentlich ohne Absprache mit dem Vater beim Chef der Nationalen Öl-Gesellschaft (NOC) vorstellig geworden sein, um mit einigem Nachdruck Millionen aus dem Öl-Geschäft für private Zwecke einzufordern. Mit den Tankstellenketten Tamoil und HEM war Gaddafi auch am deutschen Markt aktiv.
Darüber hinaus geht aus Depeschen der US-Botschaft Tripolis hervor, dass Gaddafis Vermögen in Beteiligungen in den Bereichen Bau und Infrastruktur, Telekommunikation, Hotels, Presse- und Konsumgütervertrieb investiert ist. Im Jahr 2002 hatte sich die Familie Gaddafi mit 22,9 Millionen Euro (7,5 Prozent) am italienischen Fußballclub Juventus Turin beteiligt. Nicht eindeutig geklärt ist, wie viel Geld Gaddafi ins Ausland geschafft hat. Es soll Konten in den arabischen Golfstaaten geben.
Im Zuge des Bürgerkriegs in Libyen sollen am 30. April 2011 bei einem NATO-Luftangriff auf ein Haus in Tripolis der sechste Sohn, Saif al-Arab al-Gaddafi, und drei seiner Enkelkinder ums Leben gekommen sein. Gaddafi und seine Frau sollen sich zu dem Zeitpunkt auch in diesem Haus aufgehalten haben.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Farkash, Safia |
| ALTERNATIVNAMEN | Farkash, Safaja; Farkasch, Safia; Safia Farkash al-Baraasi; صفية فركاش (arabisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | Ehefrau des libyschen Staatschefs (1969–2011) |
| GEBURTSDATUM | 20. Jahrhundert |