Saig

Saig
Gemeinde Lenzkirch
Koordinaten: 47° 54′ N, 8° 11′ OKoordinaten: 47° 53′ 33″ N, 8° 10′ 43″ O
Höhe: 987 m
Fläche: 11,03 km²
Einwohner: 811 (31. Dez. 2024)
Bevölkerungsdichte: 74 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Oktober 1974
Postleitzahl: 79853
Vorwahl: 07653
Blick auf Saig
Blick auf Saig

Saig ist ein Heilklimatischer Kurort im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in der Nähe vom Titisee (ca. 1 km Luftlinie). Das Streudorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Lenzkirch mit eigenem Ortschaftsrat.

Geographie

Saig befindet sich in einer Hochflächen- und sanften Hanglage südlich des Hochfirsts, der mit 1196,9 m ü. NHN nicht nur die höchste Erhebung Saigs, sondern ganz Lenzkirchs ist.

Eine frühere Bezeichnung des Dorfes, Seigge, bedeutet Wasserscheide und bezieht sich auf seine Lage an einer der Rhein-Donau-Wasserscheide untergeordneten Wasserscheide.

Zu Saig gehört das Dorf Saig, die Zinken Hiera (Hürenhof), Hof, Holzmatte, Mühlingen, Schlauch, Steig (Grund), das Gehöft Stierhütte (Clemenshof) und die Wohnplätze Am Hochfirst und Saiger Höhe.

Bis zur Gemeindereform in Baden-Württemberg Anfang der 1970er Jahre erstreckte sich die Gemeinde im Westen bis an den Titisee. Der Fluss Gutach war die Ortsgrenze zwischen Saig und Titisee. Im Zuge der Eingemeindung Saigs zu Lenzkirch kam das östliche Seeufer zur Gemeinde Titisee-Neustadt.

Geschichte

Das Dorf soll durch das Schaffhauser Kloster Allerheiligen gegründet worden sein. Zumindest bestätigte Kaiser Heinrich V. im Jahr 1111 dem Kloster seinen Besitz in Seegga bzw. Riedgras. 1277 hatten die Herren von Lupfen ebenfalls Besitz in Saig. Der Ort gehörte stets zur Herrschaft Lenzkirch und teilte damit auch meist deren Schicksal. So wurde die Herrschaft inklusive des Burgstalls Alt-Urach und eines Dorfes namens Gesserschweiler im Jahre 1491 für 6000 rheinische Goldgulden von den Blumeggern an Heinrich von Fürstenberg verkauft. Dort verblieb sie, bis sie mit dem Großteil des Fürstentums Fürstenberg im Jahr 1806 über die Rheinbundakte an das Großherzogtum Baden gelangte.

Im Zuge der Belagerung Freiburgs im Herbst 1713 drangen etwa 400 Franzosen bis nach Holzschlag vor. Auf dem Rückzug steckten sie, neben zwei Häusern in Mühlingen, in Saig die Kirche, den Pfarrhof, das Wirtshaus und sieben weitere Gehöfte in Brand. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war Saig ein Wallfahrtsort. Ein Bericht aus dem Jahr 1889 blickt auf die Entwicklung Saigs zu einem viel besuchten Luftkurort im Zuge der vorherigen 15 Jahre zurück. Im Jahr 1900 vernichtete ein Großbrand im Ort u. a. das Pfarrhaus und die Johanneskapelle.

Im Jahr 1923 kam es zum Doppelmord am Ehepaar Köpfer an ihrem Wohnhaus durch Karl Friedrich Hundertpfund. Dieser wurde als letzter Mensch in der Republik Baden mit der Guillotine am 28. Oktober 1924 in Freiburg hingerichtet. 2023 wurde die Tat in einen Mundart-Theaterstück der Jostäler Freilichtspiele inszeniert.

Ereignisse in Saig um 1923 rund um die Schriftsteller Uli Klimsch und Adolf von Hatzfeld, den Stahlunternehmer Alexander Röchling (aus der Dynastie von Carl Röchling) und dessen Frau, der Dichterin und Verlegerin Ilse Röchling-Heye, waren Vorlage für mehrere Novellen: u. a. Uli Klimschs Timo (1925), Ilse Heyes Der Dolch (1925) und Adolf von Hatzfelds Vor dem Mikrophon (1928).

Von Dezember 1945 bis zur Gründung der Bundesrepublik 1949 war Saig redaktioneller Standort der Zeitschrift Die Gegenwart, die von namhaften Journalisten der ehemaligen Frankfurter Zeitung herausgegeben wurde. Diese Journalisten wollten mit dieser Zeitschrift die Zeit bis zu einer Neugründung der 1943 geschlossenen „Frankfurter Zeitung“ überbrücken und die Bewältigung der NS-Vergangenheit nicht allein den Siegermächten überlassen. Einer dieser Journalisten, Benno Reifenberg, hatte viele Jahre in leitender Stellung für die Frankfurter Zeitung gearbeitet und seit Sommer 1943 zurückgezogen in Titisee-Neustadt gelebt und gearbeitet. Die von Reifenberg geleiteten Redaktionskonferenzen fanden häufig im Gasthaus Zum Ochsen im Saig statt.

Saig wurde im Zuge der Gebietsreform in Baden-Württemberg am 1. Oktober 1974 nach Lenzkirch eingemeindet.

Wirtschaft und Infrastruktur

Skilift „großer Kuhberglift“ in Saig

Saig lebt vorwiegend vom Fremdenverkehr. So hat das 811 Einwohner mit Hauptsitz fassende Dorf 191 weitere Einwohner, die hier ihren Zweitwohnsitz haben (Stand 2024), sowie mehrere Hotels, Ferienwohnungen und Pensionen mit insgesamt ungefähr 700 Gästebetten. Die Saiger Höhe wird für Kongresse und Trainingslager genutzt.

Am Saiger Kuhberg befindet sich ein Skilift. Eine Rodelbahn – abends beleuchtet – führt mit einer Länge von etwa 1800 Metern hinunter an den Titisee. Daneben sind mehrere Loipen vorhanden.

Bauwerke

Ortskern: Pfarrhaus, Kirche St. Johann, Johanneskapelle, ehemaliges Rathaus

Im Ortskern befindet sich ein Gesamtensemble, bestehend aus der Pfarrkirche St. Johann, dem Friedhof sowie der Johannes- und der Ölberg-Kapelle. Sakristei und Turm der Kirche stammen aus dem Jahre 1412, Turm und Chor überstanden die Zerstörungen des Jahres 1713, bevor die Kirche um 1770 im Barock neu errichtet wurde. 1965 wurde sie erweitert. Die Ölbergkapelle wurde 1728 errichtet und als Beinhaus genutzt. Inzwischen dient sie zur Aufbahrung bei Beerdigungen. In ihr befinden sich Figuren einer Ölberggruppe von 1675, die Johann Conrad Winterhalder zugeschrieben werden. Die Johanneskapelle von 1410 war nach dem Großbrand von 1900 leicht verändert wieder aufgebaut worden. Der Johannesbrunnen daneben war Ziel der oben erwähnten Wallfahrer. Ebenfalls nach dem Großbrand entstanden das Pfarrhaus nach den Plänen von Max Meckel (1901) sowie das Rathaus nach den Plänen seines Sohnes Carl Anton Meckel (1914).

Am Gipfel des Hochfirsts befinden sich das bewirtschaftete Hochfirsthaus sowie der Hochfirstturm. Vom Turm und von einer unterhalb gelegenen Lichtung hat man bei entsprechendem Wetter Sicht auf das Alpenpanorama von der Zugspitze bis zum Mont Blanc.

Persönlichkeiten

Persönlichkeiten, die in Saig geboren wurden, zur Erholung in den Ort kamen, künstlerische Inspiration oder Zuflucht aus politischen Gründen suchten:

Zudem verbringen oder verbrachten mehrere Fußballvereine ihre Trainingslager in Saig, so die Alemannia Aachen, der FC Aarau und der FC Basel. Die AH-Mannschaft der Fußballabteilung des SV Blankenloch 1911 aus Stutensee konnte 2012 bereits zum 40. Mal im Ort begrüßt werden.

Literatur

Commons: Saig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Gemeinde Lenzkirch – Einwohnerzahlen. (PDF) Abgerufen am 7. Januar 2025. (Alleiniger Wohnsitz: 790, Hauptwohnsitz: 21, total 811)
  2. 1 2 3 4 5 Saig (Altgemeinde-Teilort). leo-bw.de; abgerufen am 1. März 2014.
  3. ↑ Ortschaftsrat. lenzkirch-schwarzwald.de; abgerufen am 1. März 2014.
  4. ↑ Karten und Daten des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  5. 1 2 Fläche, Bevölkerung, Zweitwohnsitze, … lenzkirch.de; abgerufen am 7. Januar 2025.
  6. ↑ Ekkehard Liehl: Die Lage des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald im Verwaltungsraum des Landes und im Landschaftsgefüge in: Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (Hrsg.): Breisgau-Hochschwarzwald. Land vom Rhein über den Schwarzwald zur Baar, Karl Schillinger, Freiburg im Breisgau 1980, ISBN 3-921340-44-6, S. 18.
  7. 1 2 3 4 Geschichte von Saig. lenzkirch-schwarzwald.de, abgerufen am 28. Mai 2022.
  8. ↑ Ernst Hermann Joseph Münch, Carl Borromäus Alois Fickler: Geschichte des Hauses und Landes Fürstenberg: aus Urkunden und den besten Quellen, Band 1, Mayer, Aachen und Leipzig 1829, S. 393, Volltext in der Google-Buchsuche.
  9. ↑ Geographisches Statistisch-Topographisches Lexicon von Schwaben. Band 2, Stettinische Buchhandlung, Ulm 1801, S. 977, Volltext in der Google-Buchsuche.
  10. ↑ Ortsgeschichte. (Memento vom 4. März 2014 im Internet Archive) feuerwehr-saig.de, abgerufen im August 2026.
  11. ↑ Friedrich von der Wengen: Die Belagerung von Freiburg im Breisgau 1713. Tagebuch des Österreichischen Kommandanten Feldmarschall-Lieutenants Freiherrn von Harrsch, Eugen Stoll, Freiburg im Breisgau 1898, S. 118, archive.org.
  12. 1 2 3 Infotafeln an den Gebäuden: Kirche, Johanneskapelle, Ölbergkapelle, 19. August 2011.
  13. ↑ Badische Zeitung: Jostäler Freilichtspiele zeigen Tragödie um Doppelmord von Saig 1923. In: Badische Zeitung Online. Badische Zeitung / BZ.medien, 14. Juli 2023, abgerufen am 21. Juli 2023.
  14. ↑ Wilhelm (Ketterer) Köpfer (1861-1923) | WikiTree FREE Family Tree. 16. April 1861, abgerufen am 21. Juli 2023 (englisch).
  15. ↑ Rainer Bayreuther und Gunilla Eschenbach: Das Dorf der Visionäre. Aufbruch in die Bundesrepublik 1927–1947, Berlin 2026, S. 19ff.
  16. ↑ Dominik Bloedner: Visionen ganz hoch oben. In: Badische Zeitung. 13. Mai 2026, S. 9 (badische-zeitung.de [abgerufen am 17. Mai 2026]).
  17. 1 2 Rainer Bayreuther und Gunilla Eschenbach: Das Dorf der Visionäre. Aufbruch in die Bundesrepublik 1927–1947, Berlin 2026, S. 161ff.
  18. ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 509 (Statistische Bibliothek des Bundes und der Länder [PDF; 41,1 MB]).
  19. ↑ Mein Saig. (Memento vom 5. März 2014 im Internet Archive) Gastgebergemeinschaft Saig, saig.de, 27. April 2010; abgerufen im August 2026.
  20. ↑ Manfred Hermann: Die Bildhauer Hauser in Kirchzarten, Schlettstadt und Freiburg/Br. 1611–1842. Das Werk (Teil 1). In: Badische Heimat. 52, 1972, S. 19.
  21. ↑ Werner Wolf-Holzäpfel: Der Architekt Max Meckel 1847–1910. Studien zur Architektur und zum Kirchenbau des Historismus in Deutschland. Josef Fink, Lindenberg 2000, ISBN 3-933784-62-X, S. 372.
  22. ↑ Werner Wolf-Holzäpfel: Der Architekt Max Meckel 1847–1910. Studien zur Architektur und zum Kirchenbau des Historismus in Deutschland. Josef Fink, Lindenberg 2000, ISBN 3-933784-62-X, S. 329.
  23. ↑ Mary Shelley: Rambles in Germany and Italy, in 1840, 1842, and 1843, Bd. 1, London 1844, S. 47.
  24. ↑ Zit. bei Benno Reifenberg, Brief an Max Picard Silvester 1949 (DLA Marbach, A:Reifenberg).
  25. ↑ Lucinda Matthews-Jones: Book review: Amy Levy’s Fate: Death and the Statistician. In: Journal of Victorian Culture Online. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 5. März 2014; abgerufen am 15. Mai 2016.
  26. ↑ Rainer Bayreuther und Gunilla Eschenbach: Das Dorf der Visionäre. Aufbruch in die Bundesrepublik 1927–1947, Berlin 2026, S. 51ff. mit zahlreichen Quellen.
  27. ↑ Inschrift auf Bildstock bei der Kirche
  28. ↑ Rainer Bayreuther und Gunilla Eschenbach: Das Dorf der Visionäre. Aufbruch in die Bundesrepublik 1927–1947, Berlin 2026, S. 161ff. mit Quellen und Tagebuchdokumenten zur Saiger Zeit.
  29. ↑ Rainer Bayreuther und Gunilla Eschenbach: Das Dorf der Visionäre. Aufbruch in die Bundesrepublik 1927–1947, Berlin 2026 mit zahlreichen Quellen.
  30. ↑ Kathrin Blum: St. Blasien: Die Feldbergklinik war ein Vorreiter. Badische Zeitung, 5. März 2010, abgerufen am 1. März 2014.
  31. ↑ Ulrich Herpertz: Ödeme und Lymphdrainage: Diagnose und Therapie von Ödemkrankheiten, Schattauer, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-7945-2703-8, S. 270, Vorschau in der Google-Buchsuche.
  32. ↑ Ende der Ferien: Wiedersehen auf der grünen Wiese. (Memento vom 2. April 2015 im Internet Archive) Aachener Zeitung, 20. Juni 2001; abgerufen am 1. März 2014.
  33. ↑ Patrick Haller: Fanionteam im Trainingslager in Lenzkirch. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im August 2026. Suche im Internet Archive) fcaarau.ch, 26. Juni 2013.
  34. ↑ Trainingslager Saig. gallery.fcb.ch; abgerufen am 1. März 2014.
  35. ↑ Lenzkirch: Aus dem Trainingslager entwickelte sich ein Ferienort. Badische Zeitung, 2. November 2012; abgerufen am 1. März 2014.