Saig befindet sich in einer Hochflächen- und sanften Hanglage südlich des Hochfirsts, der mit 1196,9mü.NHN nicht nur die höchste Erhebung Saigs, sondern ganz Lenzkirchs ist.
Eine frühere Bezeichnung des Dorfes, Seigge, bedeutet Wasserscheide und bezieht sich auf seine Lage an einer der Rhein-Donau-Wasserscheide untergeordneten Wasserscheide.
Zu Saig gehört das Dorf Saig, die Zinken Hiera (Hürenhof), Hof, Holzmatte, Mühlingen, Schlauch, Steig (Grund), das Gehöft Stierhütte (Clemenshof) und die Wohnplätze Am Hochfirst und Saiger Höhe.
Bis zur Gemeindereform in Baden-Württemberg Anfang der 1970er Jahre erstreckte sich die Gemeinde im Westen bis an den Titisee. Der Fluss Gutach war die Ortsgrenze zwischen Saig und Titisee. Im Zuge der Eingemeindung Saigs zu Lenzkirch kam das östliche Seeufer zur Gemeinde Titisee-Neustadt.
Im Zuge der Belagerung Freiburgs im Herbst 1713 drangen etwa 400 Franzosen bis nach Holzschlag vor. Auf dem Rückzug steckten sie, neben zwei Häusern in Mühlingen, in Saig die Kirche, den Pfarrhof, das Wirtshaus und sieben weitere Gehöfte in Brand. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war Saig ein Wallfahrtsort. Ein Bericht aus dem Jahr 1889 blickt auf die Entwicklung Saigs zu einem viel besuchten Luftkurort im Zuge der vorherigen 15 Jahre zurück. Im Jahr 1900 vernichtete ein Großbrand im Ort u.a. das Pfarrhaus und die Johanneskapelle.
Ereignisse in Saig um 1923 rund um die Schriftsteller Uli Klimsch und Adolf von Hatzfeld, den Stahlunternehmer Alexander Röchling (aus der Dynastie von Carl Röchling) und dessen Frau, der Dichterin und Verlegerin Ilse Röchling-Heye, waren Vorlage für mehrere Novellen: u.a. Uli Klimschs Timo (1925), Ilse Heyes Der Dolch (1925) und Adolf von HatzfeldsVor dem Mikrophon (1928).
Von Dezember 1945 bis zur Gründung der Bundesrepublik 1949 war Saig redaktioneller Standort der Zeitschrift Die Gegenwart, die von namhaften Journalisten der ehemaligen Frankfurter Zeitung herausgegeben wurde.
Diese Journalisten wollten mit dieser Zeitschrift die Zeit bis zu einer Neugründung der 1943 geschlossenen „Frankfurter Zeitung“ überbrücken und die Bewältigung der NS-Vergangenheit nicht allein den Siegermächten überlassen.
Einer dieser Journalisten, Benno Reifenberg, hatte viele Jahre in leitender Stellung für die Frankfurter Zeitung gearbeitet und seit Sommer 1943 zurückgezogen in Titisee-Neustadt gelebt und gearbeitet. Die von Reifenberg geleiteten Redaktionskonferenzen fanden häufig im Gasthaus Zum Ochsen im Saig statt.
Saig lebt vorwiegend vom Fremdenverkehr. So hat das 811 Einwohner mit Hauptsitz fassende Dorf 191 weitere Einwohner, die hier ihren Zweitwohnsitz haben (Stand 2024), sowie mehrere Hotels, Ferienwohnungen und Pensionen mit insgesamt ungefähr 700 Gästebetten. Die Saiger Höhe wird für Kongresse und Trainingslager genutzt.
Am Saiger Kuhberg befindet sich ein Skilift. Eine Rodelbahn – abends beleuchtet – führt mit einer Länge von etwa 1800 Metern hinunter an den Titisee. Daneben sind mehrere Loipen vorhanden.
Bauwerke
Ortskern: Pfarrhaus, Kirche St. Johann, Johanneskapelle, ehemaliges Rathaus
Im Ortskern befindet sich ein Gesamtensemble, bestehend aus der Pfarrkirche St. Johann, dem Friedhof sowie der Johannes- und der Ölberg-Kapelle. Sakristei und Turm der Kirche stammen aus dem Jahre 1412, Turm und Chor überstanden die Zerstörungen des Jahres 1713, bevor die Kirche um 1770 im Barock neu errichtet wurde. 1965 wurde sie erweitert. Die Ölbergkapelle wurde 1728 errichtet und als Beinhaus genutzt. Inzwischen dient sie zur Aufbahrung bei Beerdigungen. In ihr befinden sich Figuren einer Ölberggruppe von 1675, die Johann Conrad Winterhalder zugeschrieben werden. Die Johanneskapelle von 1410 war nach dem Großbrand von 1900 leicht verändert wieder aufgebaut worden. Der Johannesbrunnen daneben war Ziel der oben erwähnten Wallfahrer. Ebenfalls nach dem Großbrand entstanden das Pfarrhaus nach den Plänen von Max Meckel (1901) sowie das Rathaus nach den Plänen seines Sohnes Carl Anton Meckel (1914).
Am Gipfel des Hochfirsts befinden sich das bewirtschaftete Hochfirsthaus sowie der Hochfirstturm. Vom Turm und von einer unterhalb gelegenen Lichtung hat man bei entsprechendem Wetter Sicht auf das Alpenpanorama von der Zugspitze bis zum Mont Blanc.
Persönlichkeiten
Persönlichkeiten, die in Saig geboren wurden, zur Erholung in den Ort kamen, künstlerische Inspiration oder Zuflucht aus politischen Gründen suchten:
Mary Shelley (1797–1851), Schöpferin des Frankenstein, kam bei ihrer ersten Europareise zusammen mit ihrem Sohn am 10. Juli 1840, von Höllental und Titisee her, über die Seesteige durch Saig und fuhr weiter über Lenzkirch bis Schaffhausen. Sie hatten den Tip erhalten, auf der Saigerhöhe „we might catch a glimpse of the distant Alps, and see 'the mountains unroll themselves in a convulsive manner.' Our morning was cloudy, and we were balked of this curious spectacle.“
Karl Pearson (1857–1936), britischer Mathematiker, weilte in den 1880er-Jahren in Saig
Johanna Geissmar (1877–1942), Ärztin, lebte von 1935 bis 1940 in Saig
Gerhard Ritter (1888–1967), Historiker, besaß seit 1928 ein Häuschen in Saig, Mitarbeiter von Carl Friedrich Goerdeler im Widerstand des 20. Juli 1944, verfasste hier sein Buch über Goerdeler, hier beerdigt
Eduard Schalfejew (1888–1962), Politiker, Mäzen der Pfarrkirche, hier beerdigt
Otto Faller (1889–1971), Jesuitenprovinzial, Schriftsteller, wurde in Saig geboren
Otto Dix (1891–1969), Maler, vollendete 1924 in Saig sein Mappenwerk Der Krieg
Benno Reifenberg (1892–1970), Journalist, lebte von 1946 bis 1950 in Saig und gründete hier zusammen mit dem Spandauer Zeitungsverleger Erich Stückrath (1902–1955) die Zeitschrift Die Gegenwart, die meistgelesene Zeitung während der Besatzung Deutschlands 1945–1949.
Uli Klimsch (1895–1967), Sohn von Fritz Klimsch, Dramatiker und Journalist, lebte von 1931 bis zu seinem Tod in Saig, hier beerdigt
Johannes Asdonk (1910–2003), Arzt, eröffnete 1972 in Saig mit seiner Dr.-Vodder-Klinik die weltweit erste lymphologische Fachklinik, die 1975 als Feldbergklinik nach Altglashütten zog
Zudem verbringen oder verbrachten mehrere Fußballvereine ihre Trainingslager in Saig, so die Alemannia Aachen, der FC Aarau und der FC Basel. Die AH-Mannschaft der Fußballabteilung des SV Blankenloch 1911 aus Stutensee konnte 2012 bereits zum 40. Mal im Ort begrüßt werden.
Literatur
Rainer Bayreuther, Gunilla Eschenbach: Das Dorf der Visionäre: Aufbruch in die Bundesrepublik 1927–1947. Gutkind Verlag, Berlin 2026, ISBN 978-3-9894111-2-8.
Weblinks
Commons: Saig– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Geschichte Saig.In:Geschichte von Lenzkirch und den Ortsteilen.Gemeindeverwaltung Lenzkirch;abgerufen am 16.Oktober 2026
↑Ekkehard Liehl: Die Lage des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald im Verwaltungsraum des Landes und im Landschaftsgefüge in: Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (Hrsg.): Breisgau-Hochschwarzwald. Land vom Rhein über den Schwarzwald zur Baar, Karl Schillinger, Freiburg im Breisgau 1980, ISBN 3-921340-44-6, S. 18.
↑Ernst Hermann Joseph Münch, Carl Borromäus Alois Fickler: Geschichte des Hauses und Landes Fürstenberg: aus Urkunden und den besten Quellen, Band 1, Mayer, Aachen und Leipzig 1829, S. 393, Volltextin der Google-Buchsuche.
↑Geographisches Statistisch-Topographisches Lexicon von Schwaben. Band 2, Stettinische Buchhandlung, Ulm 1801, S. 977, Volltextin der Google-Buchsuche.
↑Mein Saig. (Memento vom 5. März 2014 im Internet Archive) Gastgebergemeinschaft Saig, saig.de, 27. April 2010; abgerufen im August 2026.
↑Manfred Hermann: Die Bildhauer Hauser in Kirchzarten, Schlettstadt und Freiburg/Br. 1611–1842. Das Werk (Teil 1). In: Badische Heimat. 52, 1972, S. 19.
↑Werner Wolf-Holzäpfel:Der Architekt Max Meckel 1847–1910. Studien zur Architektur und zum Kirchenbau des Historismus in Deutschland. Josef Fink, Lindenberg 2000, ISBN 3-933784-62-X, S.372.
↑Werner Wolf-Holzäpfel:Der Architekt Max Meckel 1847–1910. Studien zur Architektur und zum Kirchenbau des Historismus in Deutschland. Josef Fink, Lindenberg 2000, ISBN 3-933784-62-X, S.329.
↑Mary Shelley: Rambles in Germany and Italy, in 1840, 1842, and 1843, Bd. 1, London 1844, S. 47.
↑Rainer Bayreuther und Gunilla Eschenbach: Das Dorf der Visionäre. Aufbruch in die Bundesrepublik 1927–1947, Berlin 2026, S. 51ff. mit zahlreichen Quellen.
↑Rainer Bayreuther und Gunilla Eschenbach: Das Dorf der Visionäre. Aufbruch in die Bundesrepublik 1927–1947, Berlin 2026, S. 161ff. mit Quellen und Tagebuchdokumenten zur Saiger Zeit.
↑Rainer Bayreuther und Gunilla Eschenbach: Das Dorf der Visionäre. Aufbruch in die Bundesrepublik 1927–1947, Berlin 2026 mit zahlreichen Quellen.
↑Ulrich Herpertz: Ödeme und Lymphdrainage: Diagnose und Therapie von Ödemkrankheiten, Schattauer, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-7945-2703-8, S. 270, Vorschauin der Google-Buchsuche.