Salomea Genin

Salomea Genin (geboren 1932 in Berlin) ist eine deutsch-australische Publizistin. Sie war inoffizieller Mitarbeiterin (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) bis Mitte 1982, später wurde sie Oppositionelle und Mitglied des Neuen Forums in der DDR.

Leben und Wirken

Salomea („Loni“) kam am 31. August 1932 als dritte Tochter polnisch-russischer jüdischer Eltern im jüdischen Krankenhaus von Berlin-Wedding zur Welt. Bei ihrer Geburt erhielt sie den Namen Salomea, doch wurde ihre Mutter von der jüdischen Krankenschwester gewarnt, dass ihr Kind mit diesem jüdischen Namen Probleme in der Schule bekommen würde, deswegen wurde sie Loni genannt. Ihr Vater Abraham Genin war gelernter Buchdrucker. In den 20er Jahren benutzte er sein Wissen, um Banknoten zu fälschen, dafür kam er für drei Jahre in ein Berliner Gefängnis. Scheindl, die Mutter Salomeas, ließ sich 1937 von ihrem Mann scheiden. Abraham wanderte nach Shanghai aus. 1938 flüchtete Salomeas älteste Schwester aus Deutschland, als sie bei der Polizei wegen ihres Verhältnisses zu einem jungen Nichtjuden angezeigt wurde. Im Mai 1939 gelang Scheindl und ihren beiden jüngeren Töchtern die Ausreise aus Nazideutschland. Ein Onkel in Australien hatte ihnen das nötige Affidavit besorgt, das ein Visum für Australien ermöglichte. Die Berliner Jüdische Gemeinde bezahlte die teure Überfahrt. Die Familie lebte dann in Melbourne.

In Melbourne wurde Salomea 1944 Jungkommunistin und trat 1949 der Kommunistischen Partei Australiens bei, als diese gerade verboten werden sollte. 1951 war sie Mitglied der australischen Delegation zu den 3. Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Ost-Berlin. Salomea war von der DDR begeistert und wollte unbedingt dort leben. 1954 kehrte sie nach West-Berlin zurück und versuchte in die DDR einzuwandern, doch man ließ sie nicht. Sie lebte zunächst in West-Berlin und zeitweise in England. In der Zeit als Sekretärin bei Aktion Sühnezeichen (West) ließ sie sich aus Überzeugung vom Ministerium für Staatssicherheit als IM anwerben. Nach neun Jahren Wartezeit erlitt Salomea einen Nervenzusammenbruch, 1963 durfte sie endlich nach Ost-Berlin übersiedeln. Sie arbeitete beim Auslandsrundfunk der DDR und wurde Mitglied der SED. In den kommenden Jahren lernte sie den Unterschied zwischen marxistischer Theorie und sozialistischer Lebensrealität kennen. 1982 kam Genin zu der Erkenntnis, dass sie bei der Schaffung eines Polizeistaates mitgeholfen hatte. Daraufhin wurde sie suizidal. 1985 fand sie Hilfe durch Psychotherapie. Im Mai 1989 trat sie aus der SED aus und wurde im September 1989 Mitglied des Neuen Forums.

Nach 1990 veröffentlichte Salomea Genin ihre eigene Geschichte und die ihrer Familie in zwei Büchern und auf mehreren CDs. Außerdem brachte sie ihre Geschichte etliche Male mit Gedichten, Liedern und in erzählender Weise bei öffentlichen Auftritten zu Gehör, z. B. mehr als 10 Jahre im Hackeschen Hoftheater. Viele Jahre trat sie zudem bei der Zeitzeugenbörse auf und berichtete an Schulen und anderen Orten von ihren persönlichen Erfahrungen in zwei Diktaturen.

Publizistische und künstlerische Tätigkeiten

Schriften

Literatur

Filme

Commons: Salomea Genin – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Susanne Balthasar: Einmal Berlin und zurück. In: www.deutschlandfunkkultur.de. 3. Januar 2010, abgerufen am 22. Juni 2025.
  2. ↑ Berlin, Schicksalsjahre einer Stadt: 1963. In: RBB. 25. September 2021, abgerufen am 22. Februar 2020 (Interview).
  3. ↑ Salomea Genin: Ich folgte den falschen Göttern. 2. Auflage. vbb, Berlin 2012, ISBN 978-3-942476-35-5, S. 228.
  4. ↑ Salomea Genin: Gespräch und Lesung mit Zeitzeugin Salomea Genin. Anne Frank Zentrum e. V. Berlin, 6. November 2023, abgerufen am 19. April 2025.
  5. ↑ Salomea Genin: Lesung, Gespräch und Musik mit Salomea Genin und Karsten Troyke. Cottbuser Aufbruch Veranstaltungsreihe „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“, 13. September 2021, abgerufen am 19. April 2025.
  6. ↑ Die ZeitZeugenBörse. Abgerufen am 4. Mai 2025.
  7. ↑ Schalom neues Deutschland – Juden in der DDR. In: bundesstiftung-aufarbeitung.de, Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, abgerufen am 18. Juni 2025.
    Schalom Neues Deutschland – Juden in der DDR bei Fernsehserien.de, abgerufen am 18. Juni 2025.
  8. ↑ Premiere des Dokumentarfilms „SALOMEA“. Ein Film von Miriam Pfeiffer. In: karsten-troyke.de. Bertolt Fenko für den Anar Musikverlag, 15. Juni 2025, abgerufen am 17. Juni 2025.
Personendaten
NAME Genin, Salomea
ALTERNATIVNAMEN Genin, Loni
KURZBESCHREIBUNG deutsch-australische Publizistin mit osteuropäisch-jüdischen Wurzeln
GEBURTSDATUM 1932
GEBURTSORT Berlin