Samuel Ludvigh

Samuel Gottlieb Ludvigh (* 13. Februar 1801 in Kőszeg, Ungarn; † 14. Februar 1869 in Cumminsville (Ohio), seit 1873 Stadtteil von Cincinnati) war ein deutschsprachiger Schriftsteller, Journalist und Dichter.

Leben

Ungarn

Samuel Ludvigh wurde als Sohn des Buchhändlers Samuel Gottlieb Ludvigh und dessen Ehefrau Theresia, einer reichen Kürschnerstochter aus der Familie Schöpf, geboren. Nach dem Besuch der Normalschule lernte er auf einer Schule der Calviner und danach die Sprache Ungarisch an verschiedenen Seminaren in Ödenburg/Sopron. Vom Vater zum Buchhändler ausgebildet, eröffnete er in Raab/Győr eine Buchhandlung, was ihn jedoch nicht erfüllte. So lernte er Rechtswissenschaft und ließ sich nach beendetem Studium in Pest als Anwalt nieder.

Dann packte ihn die Reiselust. In Konstantinopel lernte er den Fürsten Friedrich zu Schwarzenberg (1800–1870), den ältesten Sohn des Feldmarschalls Karl Fürst von Schwarzenberg, kennen und begleitete ihn als dessen Sekretär von der Türkei über Griechenland, die Walachei nach Siebenbürgen. Nach einer Reise durch das 1832 von der Cholera geplagte Ungarn veröffentlichte er 1833 ein kritisches Buch über seine Reiseeindrücke. Darin prangerte er die Armut der Landbevölkerung an und verlangte Reformen, wie beispielsweise die Aufhebung der Leibeigenschaft. Auch wandte er sich strikt gegen eine Vorherrschaft der Magyaren im Vielvölkerstaat Kaisertum Österreich, wie es etwa Graf Stephan Szechenyi forderte. Das Buch wurde von der Zensur Metternichs eingezogen, ebenso wie mache andere seiner zehn meist deutschsprachigen Werke in Ungarn. Hohe Verschuldung und Unzufriedenheit mit dem politischen System veranlassten ihn mit finanzieller Unterstützung Schwarzenbergs, mit dem er noch über zwei Jahrzehnte in brieflicher Verbindung blieb, in die Vereinigten Staaten auszuwandern. Am 6. Juni 1837 verließ er Bremerhaven mit dem Schiff.

Vereinigte Staaten

Aufgrund einer vakanten Stelle konnte er kurze Zeit nach seiner Ankunft die in Philadelphia beheimatete deutschsprachige Volkszeitung für Politik, Handel und Gewerbe, „Alte und neue Welt“ (1834–1843), als Herausgeber übernehmen. In New York gründete er 1843 einen „Rationalistenverein“ und hielt viele Reden vor deutschen Einwanderern, die er ab demselben Jahr in der neuen Zeitung „Die Fackel. Literaturblatt zur Förderung geistiger Freiheit“ veröffentlichte. Diese Zeitung gab er bis zu seinem Tod 1869 der Reihe nach in New York, Baltimore, St. Paul und Cincinnati heraus, wobei der letzte Jahrgang (Hefte 3 und 4) von seiner Frau Sarah zu Ende geführt wurde.

Ludvigh bereiste regelmäßig die Vereinigten Staaten, um deren Entwicklung zu analysieren und darüber zu schreiben. Sie waren für ihn das Land der Zukunft. Die amerikanische republikanische Verfassung war für ihn ein Garant für Freiheit und Gleichheit, er erkannte aber auch die Gefahr, dass ein unbeschränktes Ausleben der gesetzlich garantierten Freiheit auf Dauer mehr Arme als Reiche schaffen werde und eine Geld- und Geistesaristokratie entstehen würde. Zu dieser zählte er Beamte, Soldaten, Anwälte, Ärzte und Priester. Häufig bereiste er von deutschen Einwanderern besiedelte Städte und hielt Vorträge. Den Neuankömmlingen sprach er Mut zu und war vor allem bestrebt, seine Reformgedanken in den Kernbereichen Politik und Ökonomie, Natur sowie Kultur und Religion den Zuhörern nahezubringen. Er propagierte eine soziale Demokratie, die durch staatliche Regulierungsmaßnahmen den Egoismus des Einzelnen eindämmen sollte zugunsten der Erziehung und sozialen Sicherung aller Bevölkerungsschichten. Die Deutschen sah er durch den ihnen zugedachten Geist und ihrem Fleiß als eine herausragende ethnische Gruppierung in den USA. In den USA brachte er neben seiner Zeitung 30 Werke und sieben Reiseführer heraus.

Ludvigh war Freidenker und publizierte, nachdem 1838 der Vernunftgläubige gegründet war, 1839 den Wahrheitssucher.

Werke

In Ungarn

In den Vereinigten Staaten

Literatur

Wikisource: Samuel Ludvigh – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. 1 2 Horst Belke: Autobiographie und Zeitkritik (Band 3 von Literatur in der Gesellschaft), Bertelsmann Universitätsverlag, Düsseldorf 1971, ISBN 3-571-09292-9. S. 111
Personendaten
NAME Ludvigh, Samuel
ALTERNATIVNAMEN Ludvigh, Samuel Gottlieb (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutschsprachiger Schriftsteller, Journalist und Dichter
GEBURTSDATUM 13. Februar 1801
GEBURTSORT Kőszeg, Ungarn
STERBEDATUM 14. Februar 1869
STERBEORT Cincinnati, Vereinigte Staaten