
Samuels Aerophon (ursprünglich vom Erfinder korrekterweise als Samuels Aerophor bezeichnet) ist eine vom Flötisten Bernard Samuels (1872–1944) in Schwerin entwickelte Apparatur, die es Bläsern ermöglichen soll, Liegetöne beliebig lange zu halten.
Aeorophor, als Tonbindeapparat für Blasinstrumente, wurde 1911 von dem niederländischen Flötisten Bernard Samuels für die Oper in Schwerin erfunden. Der Apparat will das Blasen ohne Abhängigkeit von der Atmung ermöglichen und damit eine „unmenschliche“ Phrasierung und gleichzeitig eine bedeutende Herabminderung des menschlichen Kraftaufwands erreichen. Der Fuß des Spielers tritt einen kleinen Schöpfbalg, dessen Wind durch einen Schlauch und ein kleines Röllchen neben dem Mundstück in den Mund getrieben wird, so oft und viel es der Bläser wünscht. Durch ruhiges, stetiges Nasenatmen wird der Mund gegen die Rachenhöhle geschlossen, so dass die künstliche Pressluft nur in das Instrument hinein entweichen kann.
Die Benutzung des Mundes als Windkammer ist von traditionellen Instrumenten u. a. aus dem orientalischen Raum bekannt. Schalmeieninstrumente wie Arghul, Zummara und ähnliche werden auf diese Weise angeblasen.
Richard Strauss schreibt für sein Symphonisches Präludium und für die Anfangstakte seiner symphonischen Dichtung Eine Alpensinfonie die Apparatur Samuels Aerophon vor. Es ist überliefert, dass bei den ersten Aufführungen die Vorrichtung verwendet wurde, sich aber nicht nachhaltig durchsetzen konnte. Es wird berichtet, dass bei Bläsern durch die kalte Luft regelmäßig Schäden an den Zähnen auftraten.
Noch Anfang der 1930er Jahre war der Apparat in den Vereinigten Staaten in Gebrauch. J. Austin Hustin, fest angestellter Kontrabassist und Tubist des Rundfunksenders WLW in Cincinnati, setzte ihn auf der Tuba für lange Haltetöne in sinfonischen Werken von Wagner und Tschaikowski ein, bei denen einzelne Töne bis zu 20 Takte lang auszuhalten waren. Sein Exemplar galt als das einzige seiner Art, das in den Vereinigten Staaten benutzt wurde. Es bestand aus einem Blasebalg, einem kleinen Wasserbehälter mit einer elektrischen Glühlampe und einem Schlauch zum Mund des Spielers. Die Luft wurde vor dem Erreichen des Mundes über das von der Glühlampe erwärmte Wasser geführt und dadurch angefeuchtet und erwärmt, um Reizungen des Rachens zu vermeiden.
In der heutigen Zeit ist diese Apparatur nicht mehr notwendig, da derselbe Effekt auch über die heute üblicherweise verwendete Zirkularatmung erreicht werden kann.
Der deutsche Komponist Johannes X. Schachtner schrieb zum Richard-Strauss-Jubiläum 2014 ein Werk für Bläserensemble mit dem Titel Air – an Samuels Aerophon, welches sehr lang liegende Töne zum Thema der Komposition macht.