

San Paternian war bis zum Abriss im Jahr 1871 rund ein Jahrtausend lang eine Kirche im venezianischen Sestiere San Marco südöstlich der Kirche San Luca. Paternianus lebte im 4. Jahrhundert und gilt als erster Bischof von Fano in den Marken, dessen Schutzpatron der Heilige ist. Im Stadtbild erinnern nur noch die gleichnamige Brücke (Ponte San Paternian) und die entsprechende Gasse (Calle San Paternian), die sich westlich an den Campo Daniele Manin anschließen, an die ehemalige Kirche. Die Legende führt die Verehrung des Heiligen auf das Jahr 809 oder 890 zurück.
Die Kirche, die der Legende nach im früheren 10. Jahrhundert, vielleicht im Jahr 977, auf Initiative der ortsansässigen Familie Muazzo erbaut wurde, stand auf dem heutigen Campo Manin. Dieser war bis zum Umbau im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts neben der Paternianuskirche mit einem Brunnen (Pozzo) ausgestattet, wie er in Venedig für die Trinkwasserversorgung üblich war. Außerdem hieß der Platz noch Campo San Paternian, während er seit dem Abriss der Kirche Campo Manin heißt. Dieser Platz wird von einem kolossalen Denkmal für den Revolutionär und Präsidenten der Repubblica di San Marco von 1848/1849 beherrscht.


Die romanische Kirche brannte mehrfach nieder, so etwa in den Jahren 976, 1105 und 1168, schließlich 1437. Erkennbar ist sie erstmals auf dem Plan von Fra’ Paolino Minorita, der ältesten bekannten Karte der Stadt, die in der Biblioteca Nazionale Marciana aufbewahrt wird. Abbildungen aus späterer Zeit zeigen eine schlichte Fassade ohne nennenswerte Verzierungen.
Infolge der napoleonischen Dekrete wurde die Kirche 1810 als Gemeindekirche aufgelöst und in ein Lagerhaus verwandelt. 1871 wurde die Kirche abgerissen, um Platz für das besagte Denkmal zu schaffen und den Platz zu Füßen der Rialtobrücke zu vergrößern.

Der um 899 gebaute Glockenturm (Campanile) war in Venedig einzigartig, denn er wies ein fünfeckiges Äußeres auf, innen jedoch wies er einen runden Raum nach dem Vorbild der Glockentürme von Ravenna auf. Zwei Doppelfenster auf jeder Seite im Glockenstuhl ließen Licht herein. Bei seinem Abriss fanden sich Ziegelsteine mit römischen Markierungen, byzantinische Reliefs und ein verziertes Kreuz aus griechischem Marmor.
Koordinaten: 45° 26′ 7,5″ N, 12° 20′ 4,1″ O