Die Familie Sandreczky erhielt ihren Namen von der heute nicht mehr vorhandenen Burg Sendražic bei Smirschitz (Smirzitz) im altböhmischen Königgrätzer Kreis, in deren Nähe auch die das gleiche Wappen führenden Othmar von Holohlaw angesessen waren. 1297 wurde ein Andreas auf Sendražic erwähnt, 1411 starb Peter, Besitzer von Burg und Dorf Sendražic.
Die Stammreihe beginnt dann um 1450 mit Nikolaus Sandreczky von Sendražic († nach 1485), Feldhauptmann der Utraquisten im späteren Landkreis Königgrätz. Infolge des Dreißigjährigen Krieges soll sich Boguslaw von Sandrasky nach Schlesien begeben haben und vermählte sich dort mit Anna Margarethe von Abschatz a.d.H. Koiskau († 1659). Sein Sohn Adam Boguslav von Sandreczky (* 1630; † 1695) setzte mit Barbara von Gellhorn a.d.H. Rogau (* 1635; † 1692) den Stamm fort. Beider Söhne Hans Friedrich (* 1668; † 1737) und Gottlieb Ferdinand von Sandreczky wurden in Wien am 11. Februar 1697 in den Freiherrenstandgehoben.
Am 3. Juni 1827 wurde der Familie eine erbliche Kollektivstimme auf dem schlesischen Provinziallandtagen erteilt.
Graf Erdmann von Sandreczky und Sandraschütz (* 1808; † 1863), Majoratsherr auf Langenbielau, königlich preußischer Kammerherr und Erblandmarschall des Herzogtums Schlesien, verheiratet mit Gräfin Agnes Leopoldine Friederike von Kalckreuth (* 1809; † 1862), wurde am 12. Oktober 1854 erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses, geknüpft an den Besitz des Majorats Langenbielau. Das Geschlecht erlosch mit dessen zu Miesbach in Oberbayern am 2. Dezember 1886 verstorbenem Sohn Graf Hans Adam Friedrich Bogislaus von Sandretzky und Sandraschütz im Mannesstamm. Der große Majoratsbesitz Langenbielau fiel damit an den Sohn seiner Schwester Agnes (* 1835; †1879), Ernst Julius von Seidlitz-Ludwigsdorf. Dieser wurde am 24. Juni 1891 in den Grafenstand erhoben unter gleichzeitiger Annahme des Namens Seidlitz-Sandreczki und entsprechender Wappenvereinigung. Die Familie Seidlitz-Sandreczki behielt diese Güter bis 1945.
Historischer Güterbesitz
Schloss Langenbielau um 1860, Sammlung Alexander DunckerRittergut Armenruh um 1860, Sammlung Alexander Duncker
Gutsbesitz der Familie Sandreczky in Schlesien:
Im Kreis Groß Wartenberg: Altebrettmühle, Dombrowna, Pawelke, Sandraschütz sowie Groß und Klein Schönwald (1789–1808).
Langenbielau im Kreis Reichenbach befand sich seit 1672 in Familienbesitz. 1778 wurde es mit Berthelsdorf, Harthau, Nieder Langseifersdorf, Stoschendorf, Lauterbach, Groß Ellguth sowie Nieder- und Oberpanthenau zum Majorat vereinigt. Bohrau im Kreis Strehlen bildete zusammen mit der Herrschaft Manze im Kreis Nimptsch ein zweites Majorat der Familie.
Wappen
Das Stammwappen gehört zur WappengemeinschaftKorwin. Es zeigt in Gold auf grünem Hügel einen natürlichen Raben mit einem goldenen Fingerring im Schnabel. Auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken der Rabe mit dem Ring auf dem Hügel.
Das Gräfliche Wappen (1742) ist innerhalb des goldenen Schildrandes geviert: 1 und 4 in Silber ein königlich gekrönter, gold-bewehrter, preußischer, schwarzer Adler, die Flügel belegt mit goldenen Kleestengeln; 2 und 3 wie das Stammwappen. Drei Helme: rechts der Helm des Stammwappens, jedoch der Rabe einwärts gekehrt, auf dem mittleren Helm mit schwarz-silbernen Decken der Adler; links der Helm des Stammwappens. Schildhalter: Zwei blau gekleidete Ungarn in goldenen Stiefeln, silbernen Kragen und abhängenden pelzbesetzten blauen Mützen, die umgehängten gold-begrifften Säbel in schwarzen Scheiden.
Wappen der Grafen von Sandreczky
Wappen der Grafen von Sandreczky
Angehörige
Hans Friedrich von Sandreczky und Sandraschütz (1668–1737)
Freiherr Hans Friedrich von Sandreczky und Sandraschütz (* 1668; † 1737), Erbherr auf Niederlangenseifersdorff, Schwentnig, Kleinkniegnitz und Prschidrowitz, Landesältester der Fürstentümer Schweidnitz und Jauer
Graf Johann (Hans) Ferdinand von Sandretzky (* 1711; † 1775), Erbherr auf Langenbielau, königlich preußischer Kammerherr und Hofmarschall, Erblandesmarschall von Schlesien
Gräfin Sophie Juliane Sandretzky (1732–1796), jüngere Schwester von Gräfin Friderike Konstanze Henriette von Bohlen geb. Sandretzky (1743–1814), die in zweiter Ehe mit dem Chefpräsidenten des Oberamts in Breslau Ferdinand Sigismund Freiherr von Seidlitz auf Golau (1725–1806) verheiratet war.
Gräfin Luise Beate Sandretzky und Sandraschütz, verheiratet mit Ferdinand Heinrich Sigismund von Seidlitz auf Golau (1770–1811), dem Sohn von Ferdinand Sigismund Freiherr von Seidlitz auf Golau
Graf Erdmann Karl Gottlob von Sandretzky und Sandraschütz (* 1808; † 1863), Majoratsherr auf Langenbielau, königlich preußischer Kammerherr und Erblandmarschall des Herzogtums Schlesien, 1854–1863 erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses
Anmerkung: Der Leutnant Heinrich Friedrich Sandretzki, der am 12. November 1770 in den preußischen Adelsstand erhoben wurde, gehört nicht zu dieser Familie.
Literatur
Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XXII, Band 125 der Gesamtreihe, S. 243, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 2001 ISSN0435-2408
Ernst Heinrich Kneschke: Deutsche Grafen-Häuser der Gegenwart in heraldischer, historischer und genealogischer Beziehung. Band 2, T.O. Weigel, Leipzig 1853, S. 342–344
Roman von Procházka: Genealogisches Handbuch erloschener böhmischer Herrenstandsfamilien. Verlag Degener & Co, Neustadt (Aisch) 1973, S. 264–268, ISBN 3-7686-5002-2
Roman von Procházka: Genealogisches Handbuch erloschener böhmischer Herrenstandsfamilien. Ergänzungsband. R. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1990, S. 119, ISBN 3-486-54051-3.
↑Eine sechs Stellen umfassende Kolonie, die 1791 durch Graf Friedrich Wilhelm Ferdinand Gottlob von Sandretzky und Sandraschütz (* 8. Februar 1745; † 11. August 1805) angelegt worden war.
↑Im Besitz des Freiherrn Karl Gottlieb Ferdinand Sandretzki von Sandraschütz (* 26. September 1746; † 2. November 1803).
↑Michael Sachs: ‘Fürstbischof und Vagabund’. Geschichte einer Freundschaft zwischen dem Fürstbischof von Breslau Heinrich Förster (1799–1881) und dem Schriftsteller und Schauspieler Karl von Holtei (1798–1880). Nach dem Originalmanuskript Holteis textkritisch herausgegeben. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 35, 2016 (2018), S. 223–291, S. 279.