Santa Maria in Aracoeli

Santa Maria in Aracoeli

Konfession: römisch-katholisch
Patrozinium: Hl. Maria
Weihejahr: 1517
Rang: Basilica minor
Orden: Franziskaner (OFM)
Kardinalpriester: Salvatore De Giorgi
Pfarrgemeinde: San Marco Evangelista
al Campidoglio
Anschrift: Scala dell’Arce Capitolina 12
00186 Roma

Koordinaten: 41° 53′ 38″ N, 12° 29′ 0″ O

Santa Maria in Aracoeli (lat.: Sanctae Mariae de ara coeli, deutsch: Heilige Maria vom Himmelsaltar), offizieller Name Santa Maria in Ara Coeli al Campidoglio ist eine Kirche in Rom. Sie ist die Regionalkirche der Stadt Rom. Die ehemalige Franziskanerkirche ist auch unter ihrem früheren Namen Santa Maria in Capitolio bekannt.

Diese letzte als Basilika erbaute römische Kirche hat durch ihre Lage an dem seit der Antike bedeutenden politischen und religiösen Zentrum der Stadt, ihre mit Legenden verbundene Geschichte und durch ihre Nutzung im Mittelalter als Stadtparlament und Gerichtsstätte eine hohe symbolische Bedeutung. Zahlreiche Grabstätten von Mitgliedern römischer Adelsfamilien, unter anderen der Orsini, Savelli, Mattei, Cenci, bedeutenden Kardinälen, sowie der Architekten Giacomo della Porta und Giovanni Fontana finden sich im Kirchenraum der ehemaligen Klosterkirche. Von kunsthistorisch besonderer Bedeutung ist die Bufalini-Kapelle mit den Fresken des Malers Pinturicchio aus dem 15. Jahrhundert.

Lage

Die Kirche liegt im X. römischen Rione Campitelli auf dem Kapitolshügel zwischen dem Nationaldenkmal Viktor Emanuels II. auf der Nordseite und dem Palazzo Nuovo auf der Südseite. Sie ist über die steile, charakteristische Scalinata di Aracoeli direkt von der Piazza d'Aracoeli sowie über eine weitere Treppe zum südlichen Seiteneingang vom Kapitolsplatz erreichbar.

Geschichte

Antike und frühmittelalterliche Geschichte

Aufgrund von Ausgrabungen konnte an der Stelle der heutigen Kirche der Tempel der Juno Moneta, der Gemahlin des obersten römischen Gottes Jupiter und Schirmherrin der Stadt Rom nachgewiesen werden. Dieser war anlässlich des Sieges der Römer über die Aurunker ab 345 v. Chr. erbaut worden. Im Verlauf des 3. Jahrhunderts v. Chr. entstand angrenzend die Münzstätte.

Der erste historisch belegbare Kirchenbau, dem ein Kloster mit griechischen Mönchen angeschlossen war, geht auf die Zeit Papst Gregors des Großen im 6. Jahrhundert zurück. Die in verschiedenen Quellen erwähnte Gründung der Kirche durch die hl. Helena, die Mutter Kaiser Konstantin des Großen, kann bisher nicht nachgewiesen werden. In einem mittelalterlichen Codex wird um das Jahr 883 die Betreuung der Kirche durch Benediktinermönche erwähnt.

Als 1143 der römische Senat wieder eingesetzt wurde, erwählte das römische Volk sich den schon in der Antike das Zentrum Roms bildenden Kapitolhügel als Sitz der Konservatoren (Exekutive) und der Senatoren (Judikative). Der Kirche und dem Kloster kamen aufgrund dieser engen Verbindung zur Stadtregierung eine neue Bedeutung zu. Zu dieser Zeit errichteten die Mönche eine neue Kirche, die in etwa das heutige Querschiff einnahm und in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet war, mit der Apsis im Norden.

Übernahme durch den Franziskanerorden

1249 wurde die Kirche durch Papst Innozenz IV. dem Franziskanerorden übergeben. Unter der Schutzherrschaft des Senats und einiger Adelsfamilien wie der Savelli begannen die Franziskaner ab 1251 mit dem Bau der heutigen dreischiffigen Basilika nach einem Entwurf von Arnolfo di Cambio. Als ausführender Baumeister ist ein Magister Aldus dokumentiert, dessen Grabplatte noch an der fünften Säule zu sehen ist. Der Bau dauerte bis etwa 1287.

Südseite der Kirche mit dem Loggien-Eingang Paul III. zum Kloster (1561)

Ende des 13. Jahrhunderts wurden die ersten Familien-Kapellen neben dem Chor angebaut. Sie sind die ersten nachweisbaren Beispiele von Patronatskapellen in Kirchen. Ihnen folgten zahlreiche andere, die die gesamte Kirche allmählich umgaben, sodass sich die Kirche zu einer fünfschiffigen Basilika erweiterte. Die Bufalini-Kapelle wurde in den 1480er Jahren von Pinturicchio mit Fresken zum Leben des hl. Bernhardin von Siena versehen, ein von den Franziskanern sehr verehrten Prediger, der diese Kirche oft besuchte. Sie zählt zu den großen Kunstschätzen in dieser Kirche. 1348 erfolgte der Bau der Treppe, die Scalinata di Aracoeli.

Unter Papst Leo X. erhielt die Kirche 1517 den Status einer Titelkirche. Die Südseite der Kirche zeigt zum Kapitolsplatz, zu dem bis heute das Seitenportal über eine Treppe führt. Alexander Farnese ließ in seiner Zeit als Papst Paul III. (1534–1549) eine Loggia als Eingang zum Kloster und Kreuzgang, ähnlich einem Narthex erbauen. Gleichzeitig erkor er das Kloster mit seinen Gärten zum Sitz seiner Sommerresidenz und ließ von dem Baumeister Jacopo Meleghini aus Ferrara, unter Veränderung der Klostergebäude und der Gärten, einen gewaltigen Turm errichten. Die „Torre di Paolo III.“ ging unter Papst Sixtus V., einem Franziskaner, in den Besitz des Ordens über, der ihn bis 1885 als Residenz des Pater General der Franziskaner nutzte. Der Baumeister Giacomo della Porta war von 1572 bis 1584 beauftragt, die Kirche weiter auszubauen, das Langhaus und den Triumphbogen zum Querschiff zu erhöhen und die geschnitzte und vergoldete Kassettendecke einzuziehen. Diese stiftete der Admiral und Vizekönig von Sizilien Marcantonio Colonna anlässlich des Sieges in der Seeschlacht von Lepanto gegen die Türken, an der er teilgenommen hatte. Im 17. und 18. Jahrhundert erfuhren die Kapellen zahlreiche Umbauten, 1752 erhielt die Kirche eine Orgel.

Nach der französischen Besetzung Roms 1799 war die Kirche bis 1815 profaniert. Das Kloster wurde in eine Kaserne umgewandelt. 1886 bis 1888 musste für den Bau des Nationaldenkmals für König Viktor Emanuel II. der größte Teil des Klosters, die Sakristei und der Turm Paul III. abgerissen werden. Ab 1895 wirkte noch der Franziskaner Hartmann von An der Lan-Hochbrunn als Organist an dieser Kirche.

Die bosnische Königin Katarina Kosača-Kotromanić (1424–1478) verbrachte ihre letzten Lebensjahre nach ihrer Flucht vor den Osmanen als Nonne in diesem Franziskanerkloster und wurde hier auch beigesetzt.

Legenden

Vision des Augustus und der Tiburtinischen Sibylle in: Schedelsche Weltchronik, 1493

Gründungslegende

Nach Legenden des frühen Mittelalters, festgehalten in den Mirabilia Urbis Romae, soll die Gründung der Kirche Santa Maria in Aracoeli auf eine Weissagung der tiburtinischen Sibylle zurückgehen. Der römische Kaiser Augustus sollte zu Ehren einer ihm unbekannten Gottheit, die die Welt retten wird, einen Altar errichten. Auch in der Legenda aurea des Dominikanermönchs Jacobus de Voragine findet sich eine ausführliche Schilderung zur Errichtung der Ara Coeli – dem Altar des Himmels – durch Kaiser Augustus. In den Schriften des Historiographen Timotheus von Byzanz, ebenfalls in der Legenda aurea niedergelegt, findet sich eine ähnliche Schilderung der Befragung des Orakels und die Errichtung eines Altars durch Augustus.

Die Gründungslegende der Kirche zum Himmelsaltar und ein wundertätiges Christusbild, das sich in der Kirche befindet, spielen eine zentrale Rolle in dem Roman Die Wunder des Antichrist von Selma Lagerlöf.

Legende zu Santo Bambino

Die Kirche verfügt über ein wundertätiges Christkind, das in einer eigenen Kapelle verehrt wird. Einer Legende nach ist das Santo Bambino in Jerusalem von einem Franziskaner aus dem Holz eines Olivenbaums vom Garten Getsemani geschnitzt worden. Da dem Ordensmann die nötige Farbe fehlte, um das Werk fertigzustellen, sei ein Engel erschienen, der die Arbeit eigenhändig beendet habe. Auch auf dem Weg nach Rom wird von einem wundersamen Geschehen berichtet – auf der Seereise herrschte ein unheimlicher Sturm und der kostbare Schatz fiel ins Meer, er schwamm aber dem Schiff hinterher und erreichte den Hafen Livorno ganz alleine und unbeschadet, von wo man ihn nach Rom brachte.

Seit der wundersamen Heilung eines Mitglieds der Adelsfamilie Torlonia konnte das Jesuskind bis ins 20. Jahrhundert hinein an das Bett von Kranken zur Heilung entsandt werden. Eine damit verbundene Legende weiß zu berichten, dass die Fürstin Borghese heimlich eine Kopie des Santo Bambino anfertigen ließ. Als ihr Vetter, Kardinal Scipione Borghese, schwer erkrankte, wurde ihm das Jesuskind auf ihre Bitte hin gebracht. Sie tauschte den Bambino aus und behielt den echten. Dieser verließ jedoch nachts unbemerkt den Palast und eilte zurück zum Franziskaner-Kloster bei Santa Maria in Aracoeli, wo er von den Mönchen mit feierlichem Geleit wieder an seinen angestammten Platz gebracht wurde. Tatsache ist, dass sich in der Kirche San Giovanni bei Giulianello eine Kopie der Statue befindet – ein Geschenk des Kardinals Scipione Borghese.

Nachbildung des 1994 gestohlenen und seither verschollenen Jesuskind

Am 1. Februar 1994 wurde die 500 Jahre alte Olivenholzfigur von Unbekannten gestohlen. Trotz zahlreicher Bemühungen, darunter Angebote vermögender Personen, ein mögliches Lösegeld zu zahlen – was die Franziskaner jedoch ablehnten –, blieb der Bambinello bis heute verschwunden. Daher ist derzeit nur eine Kopie der Figur ausgestellt. Dennoch zieht der Santo Bambino weiterhin Pilger an, die ihn verehren und ihm Bittbriefe schreiben.

Architektur

Santa Maria in Aracoeli und Kapitol; Stich von G.B. Piranesi; 1751

Die große dreischiffige Säulenbasilika hat trotz kostbarer Ausstattungsstücke späterer Jahrhunderte das Bild des 13. Jahrhunderts bewahrt. An beiden Seitenschiffen schließt sich eine Reihe von Nebenkapellen an, sodass sich dadurch architektonisch ein fünfschiffiger Aufbau des Langhauses ergibt. Das kurze Querhaus greift nicht über die Seitenwände hinaus, trotz der Kapellenanbauten. Das Mittelschiff setzt sich in einem geraden Chorabschluss fort, dem seitlich, nach den Gepflogenheiten der Bettelordens- und Zisterzienserkirchen, Nebenchöre angefügt wurden. Antike Säulen, verschiedenartig in ihrer stilistischen Erscheinung sowie in der Art des Gesteins, tragen die in schmalen Fenstern sich öffnende Hochwand.

Fassade

Die romanische, schlichte Backsteinfassade mit dem erhöhten Mittelteil und dem römischen Cavetto-Abschluss ist als Schaufassade ausgeführt und gewinnt ihre Form durch die Architektur des Langhauses. Der strenge Aufbau wird durch das die Mittelachse bildende und mit Rundbogen verzierte Hauptportal und den beiden darüber befindlichen Fenstern betont. Über den beiden Seitenportalen mit den Evangelisten Lukas und Johannes in den spitzbogigen Tympana befinden sich zwei Okuli aus weißem Marmor. Am 27. Dezember 1412 wurde in der Fassade die erste öffentliche Uhr Roms installiert, die 1806 an den Turm des Senatorenpalastes versetzt wurde.

Vor dem Hauptportal befinden sich mehrere Grabplatten, unter anderem die des Humanisten Flavio Biondo. Zahlreiche Stiche und Zeichnung von Van Heemskerck 1532, Giovanni Battista Falda (17. Jahrhundert), Giovanni Battista Piranesi (1720–1778), unter anderem belegen das ursprüngliche Aussehen der Kirche und deren Fassade.

Treppe

Die steile Treppe, die mit 124 Marmorstufen von der Piazza d'Aracoeli zur Westfassade der Kirche führt, wurde 1348, während die Päpste im Exil in Avignon waren, von Lorenzo di Simeone Andreozzi erbaut. Sie war der Dank der römischen Bevölkerung, die sie mit Spenden finanzierte, an die Gottesmutter von Aracoeli für die Errettung vor der Pest. Eine Inschrift an der Fassade (Abb.) links vom Hauptportal erinnert an den Bau der Treppe. Der Volkstribun Cola di Rienzo hielt von der Treppe aus seine Reden an das römische Volk und soll sie eingeweiht haben. Sein Denkmal, im 19. Jahrhundert errichtet, befindet sich zwischen der Aracoeli-Treppe und der Cordonata-Treppe, die zum Kapitol führt. 1888 hat die Stadt Rom die Treppe restauriert und instand gesetzt.

Innenraum

Grundriss

Das Hauptschiff

Hauptschiff

Das Hauptschiff ist durch zwei Säulenreihen in drei Schiffe geteilt. Die 22 Säulen sind Spolien antiker Bauten der Foren und dem Palatin entnommen.

Querschiff

Das Querschiff besteht aus dem linken Flügel, der Cappella di Santa Elena, dem zentralen Teil vor den drei Apsiden und dem rechten Flügel, der Cappella di San Francesco. Der zentrale Teil bewahrt noch große Abschnitte des alten Bodens aus dem 13. Jahrhundert (Abb.), eine Kosmatenarbeit aus Marmor, Porphyr und Serpentin. Es wird angenommen, dass das heutige Querschiff annähernd der Grundfläche der alten Basilika entsprach.

Chorkapellen

Chorkapelle und Hauptaltar
  • Hauptchorkapelle (13)- Der Hochaltar wurde 1725 von Papst Benedikt XIII. eingeweiht. Die Altar-Ikone Maria Hagioritissa, die Madonna di Aracoeli, aus dem 6. Jahrhundert (in anderen Quellen in das 11. Jahrhundert datiert) wird vom römischen Volk hochverehrt. Die Fresken im Stuckrahmen an der Decke des Chors wurden im Auftrag der Flaminia Margani zwischen 1565 und 1568 von Nicolò Martinelli, gen. Trometta da Pesaro geschaffen. Dargestellt ist die Legende der Weissagung der Tiburtinischen Sibylle an den Kaiser Augustus und die Weihe des Himmelsaltars durch den Kaiser. An der linken Wand befindet sich das Grabmonument für Kardinal Giovanni Battista Savelli (1489) von Andrea Bregno und Luigi Capponi. In der Kalotte der Apsis befand sich vor dem Umbau der Kirche in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts das Fresko des Pietro Cavallini Die Madonna mit dem Kind umstrahlt von der Sonne und darunter der Kaiser Octavian dem die Tiburtinische Sibylle Jesus Christus zeigt, den er anbetet. Dieses Werk, das Vasari als Cavallinis bestes in Rom bezeichnete wurde im Zuge der Umgestaltung entfernt. Auf dem Altar in der Apsis stand bis 1565 die berühmte Madonna von Foligno von Raffael.
  • Cappella di San Gregorio, linke Apsis (12) – Die Kapelle trägt das Patrozinium des Heiligen Gregor. Der Bau der Kapelle geht auf den Kardinal Tommaso Orsini im 14. Jahrhundert zurück, dessen Familie zeitweise die Patronatsrechte der Kapelle innehatte. Das Altarbild Die Jungfrau mit den Heiligen Gregor und Franziskus stammt von Giovanni Giacomo Sementi (17. Jahrhundert). Unter dem Altar liegt der in China tätig gewesene Missionar Johannes von Triora († 1816) bestattet. Links das Grabmal für Giovanni Battista Milizio (Abb.) († 1507), das dem Schüler Andres Bregnos, Luigi Capponi, zugeschrieben wird.
  • Cappella del Santissimo Sacramento (Abb.), rechte Apsis (14) – auch Cappella dell'Immacolata oder Cappella di San Francesco Solano genannt. Die Kapelle wurde 1675 von Antonio Gherardi errichtet. Auf dem Altar steht die Holzstatue der Immacolata eine Arbeit der Neapolitanischen Schule (um 1722). Die Fresken in der Kapelle und im Vorraum stammen von Giuseppe Ghezzi aus dem 18. Jahrhundert: Hinscheiden des Heiligen Francesco Solano und zwei Legenden des Heiligen.
  • Cappella di Santa Rosa da Viterbo (15) – Die Kapelle ist nur durch die Cappella del Santissimo Sacramento zugänglich. Sie wurde zu Ehren der Heiligen Rosa von Viterbo errichtet. An der linken Wand findet sich der Rest eines Mosaiks aus dem 13. Jahrhundert (Abb.), das die Madonna mit dem Kind und Heiligen zeigt.

Linker Flügel

Ädikula in der Kapelle der Heiligen Helena
  • Cappella di Santa Elena oder Cappella Santa (10) – Die Kapelle, der hl. Helena, Mutter des Kaisers Konstantin gewidmet, wird vom linken Arm des Querschiffes der Kirche gebildet. Bei der romanischen Vorgängerkirche aus dem 12. Jahrhundert befand sich an der Stelle der Ädikula der Hauptaltar mit der Ikone der Madonna di Aracoeli, die nunmehr auf dem Hauptaltar der Basilika zur Schau gestellt ist. Im Zentrum der Kapelle steht die freistehende, achteckige Ädikula (i), die ursprünglich 1605 vom Bischof von Cavaillon Jérôme II. Centelles errichtet wurde, wie aus der Inschrift am Sockel hervorgeht: „HIERONYMVS • CENTELLES • R • EPISC • CAVALLICEN • ARAM • DEO • ET • BEATE • VIRGINI • ORNAVIT • SEPVLCRVM • SIBI • FECIT • ANNO • DOM • MDCV“ („Hieronymus Centelles, Bischof von Cavaillon hat den Altar für Gott und die heilige Jungfrau verziert; ein Grabmal für sich gemacht im Jahr des Herrn 1605“). 1798 von den napoleonischen Truppen zerstört und 1833 für die Erzbruderschaft des Gonfalone die das Patronat innehatten, rekonstruiert. Die Ädikula steht der Legende nach über dem Himmelsaltar (Ara Coeli) des Kaisers Augustus. Der Altar in der Ädikula besteht aus einer großen Porphyrwanne. Darunter ist durch kleine Fenster ein mit Kosmatenarbeit verzierter Marmoraltar (Abb.) sichtbar, in dem sich eine Sandelholzschatulle mit den Gebeinen der hl. Helena befinden sollen. Er trägt eine auf die Gründungslegende zurückgehende Inschrift: „LUMINIS HANC ALMAM MATRIS QUI SCANDIS AD AULAM / CUN(c)TARUM PRIMA QU(a)E FUIT ORBE SITA / NOSCAS QUOD C(a)ESAR TUNC STRUXIT OCTAVIANUS / HANC ARA(m) C(a)ELI SACRA PROLES CUM PATET EI“ („Der du hinaufsteigst zu diesem segenspendenden Hof der Mutter des Lichts, / der von allen als erster im Erdkreis angelegt war, / magst du erkennen, dass Caesar Octavianus damals erbaut hat / diesen Altar, als der heilige Spross des Himmels sich ihm offenbarte“). An der Stirnwand (k) befindet sich das Grabmal des Matteo d’Acquasparta (Abb.). Kardinal Matteo d’Acquasparta († 1302) war eine der Zentralfiguren des mittelalterlichen Franziskanertums und ist als solche auch von Dante Alighieri in seiner Göttlichen Komödie verewigt. Das Grabmal ist eine gotische Ädikula, deren Ausführung Giovanni da Cosma und das Fresko in der Nische, Madonna mit Kind begleitet von den hll. Matthäus und Franziskus dem Pietro Cavallini zugeschrieben wird. Links davon (j) die Statue Papst Leo X. (Abb.) von Domenico Aimo da Varignana (1514).
  • Kapelle des Santo Bambino (11) – In der Kapelle (neben der linken Apsis durch den Gang erreichbar) befindet sich das berühmte Santo Bambino – das Heilige Kind, das bei der Bevölkerung aufgrund seiner wundersamen Heilkräfte große Verehrung genießt und Ziel zahlreicher Pilger ist. Das Original wurde am 1. Februar 1994 gestohlen und ist seitdem verschollen. An Stelle des Originals ist nunmehr eine Kopie aufgestellt, die auch ihrerseits wieder über und über mit Votivgaben bedeckt ist. Während der Weihnachtszeit wird das Santo Bambino täglich aus der Kapelle zu der in der Cappella della Trasfigurazione aufgestellten großen Krippe gebracht.

Rechter Flügel

  • Cappella di San Francesco (16) – Die Kapelle, die dem Ordensgründer der Franziskaner, dem Heiligen Franz von Assisi gewidmet ist, bildet den rechten Abschluss des Querschiffes. Sie wird auch als Cappella Savelli bezeichnet, nach der Gründerfamilie, deren Wappen an der Außenmauer (Abb.) zu sehen sind. Hier befinden sich auch die Grablegen dieser Familie (Abb.). Das heutige Aussehen verdankt sie dem Umbau durch Filippo Raguzzini, den Papst Benedikt XIII. 1727 in Auftrag gab. Das Altarbild von Francesco Trevisani stellt die Ekstase des Franziskus dar. Von Trevisiani stammen auch die zwei Bilder an den Seiten. Links das stark restaurierte Grabmonument für Luca Savelli (1295), dem Vater Papst Honorius IV., wird der Werkstatt Arnolfo di Cambio zugeschrieben. Als Relief wurde eine Seite eines antiken Sarkophags mit Girlanden tragenden Genien verwendet. Gegenüber rechts befindet sich das Grabmal für Giovanna Aldobrandeschi, der Mutter Papst Honorius IV. (Abb.). Der Gisant des Papstes stammt von seinem Grabmal in der alten Peterskirche und wurde 1788 unter Papst Paul III. auf diesen Sarkophag versetzt.

Linkes Seitenschiff

Zwischen der zweiten und dritten Kapelle des Seitenschiffs steht die Statue von Papst Paul III. (Abb.) (c), die ursprünglich in einem der Säle des Konservatorenpalastes aufgestellt war. Neben den Stufen zum Querschiff ist die Grabplatte (1529) für Felice de Fredis (Abb.) (h), dem Entdecker der Laokoon-Gruppe, zu finden.

Rechtes Seitenschiff

An der Wand neben dem Seitenausgang steht das Grabmonument für Antonio di Saluzzo (Abb.) (m), des Feldherrn und Generalprokurators König Franz I. († 1528) von Giovanni Antonio Dosio (1575). Zwischen der zweiten und dritten Kapelle des rechten Seitenschiffes steht die Statue Papst Gregor XIII. (Abb.) (o) von Pietro Paolo Olivieri. Die Statue wurde 1876 aus dem Konservatorenpalast in die Kirche versetzt.

Fresko des Pietro Cavallini
Verklärung des Hl. Bernhardin

Das Kloster

Loggia Paul III.

Vom Atrium (18) im rechten Seitenschiff gelangt man durch das Seitenportal über Treppen zur Loggia, die den Zugang zum Konvent von Aracoeli bildete. Diese Loggia wurde unter Papst Paul III. 1554 von Nanni di Baccio Bigio oder Jacopo Meleghino geschaffen. Die erste Erwähnung eines Benediktinerklosters von Santa Maria in Capitolio scheint in einem Privileg des Gegenpapstes Anaklet II. 1130–38 auf, in dem Abt Johannes seinen Mitbrüdern und seinen Nachfolgern das Kloster der Gottesmutter zugestanden wird. Das in diesem Privileg beschriebene Areal umfasste den gesamten Kapitolshügel. 1249 wurde das Kloster von Papst Innozenz IV. den Franziskanern übergeben. Von dem einst bedeutendem Gebäudekomplex ist heute lediglich die Loggia Paul III. zum Kapitolsplatz übrig geblieben.

Siehe auch

Literatur

Commons: Santa Maria in Aracoeli – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Diözese Rom
  2. ↑ Frank Kolb: Rom. Die Geschichte der Stadt in der Antike. C. H. Beck, München 1995, ISBN 3-406-39666-6, S. 143.
  3. ↑ Treccani Dizionario Biografico
  4. ↑ † HIC REQVIESCIT MAGISTER ALDUS MVRATOR QVI FVIT FVNDATOR ET PRINCIPALIS SVPER OPVS ISTIVS ECCLESIAE CVIVS ANIMA REQVIECAT IN PACE. AMMEN ORATE PRO EO. Casimiro Romano: Memorie Istoriche, S. 399
  5. ↑ Ulrich Nersinger: Erinnerungen an den Turm Pauls III. – https://de.zenit.org/ – abgerufen am 20. April 2016
  6. ↑ Kotromanić, Katarina | Hrvatska enciklopedija. Abgerufen am 4. September 2017.
  7. ↑ Kaiser Octavian – Augustus – stand, nachdem er den Erdkreis unter die Macht Roms gebracht hatte, bei den Senatoren in solcher Gunst, dass sie ihn als Gott verehren wollten. Da der Kaiser aber wusste, dass er sterblich war, wollte er in seiner Klugheit die Bezeichnung eines Unsterblichen nicht beanspruchen. Weil ihn aber jene drängten, rief er die Sibylle herbei – das war eine Prophetin – und wollte durch ihre Weissagung erfahren, ob einmal auf der Welt einer geboren werden sollte, der größer wäre als er selbst. Als nun Augustus – gerade am Fest der Geburt unseres Herrn – eine Beratung über die Angelegenheit angeordnet hatte und die Sibylle allein in der Kammer des Kaisers ihrer Orakelgebung oblag, erschien mitten am Tag ein goldener Kreis um die Sonne und in der Mitte des Kreises eine allerschönste Jungfrau, die einen Knaben auf ihrem Schoß trug. Da wies die Sibylle auf die Erscheinung, und als der Kaiser darüber in großes Staunen geriet, hörte er eine Stimme, die zu ihm sprach: „Das ist der Altar des Himmels – ara Coeli“, und die Sibylle sagte: „Dieser Knabe ist größer als Du, bete ihn daher an!“ Der Raum ist später zu Ehren der Heiligen Jungfrau geweiht worden und wird deshalb bis auf den heutigen Tag S. Maria in Aracoeli genannt. Da der Kaiser also erkannte, dass dieser Knabe größer als er selber war, brachte er ihm Weihrauch dar und lehnte es künftig ab, Gott genannt zu werden. (aus U. Nersinger: S. 153ff.)
  8. ↑ U. Nersinger: S. 155
  9. ↑ U. Nersinger: S. 159
  10. ↑ U. Nersinger: S. 161
  11. ↑ Der verschollene Heiland. Vor 30 Jahren wurde das "Bambinello" in Rom gestohlen. In: domradio.de. 1. Februar 2024, abgerufen am 25. Januar 2025.
  12. ↑ Reclam Kunstführer Rom: S. 200
  13. ↑ Claudio Rendina: Le Chiese di Roma, S. 229.
  14. ↑ Gedenktafel an der Fassade: † MAGISTER LAVRENTIVS SIMEONI ANDREOTII KAROLI FABRICATOR DE ROMA DE REGIONE COLVMPNE FVNDAVIT PROSECVTVS EST ET CONSVMAVIT VT PRINCIPALIS MAGISTER HOC OPVS SCALARVM INCEPTVM ANO DOMINI ANN. CCCXLVIII DIE XXV OCTOBRIS
  15. ↑ Inschrift rechts vom Hauptportal: SCALAM ARACAELITANAM VETVSTATE DILABENTEM GRADIBVS QVA REPARATIS QVA RENOVATIS RESTITVIT. AN CHR MDCCCLXXXVIII VRB COND MMDCXLI
  16. ↑ Casimiro Romano: Memorie Istoriche, Seite 53.
  17. ↑ Daria Colonna: Roma Sacra, S. 40.
  18. ↑ … OPVS DONATELLI FLORENTINI
  19. ↑ TCI Guida d’Italia – Roma, S. 436.
  20. ↑ Laurentius cum Jacobo filio suo [h]uius operis magister fuit
  21. ↑ Medioevo.Roma
  22. ↑ Treccani, Dizionario Biografico degli Italiani, Vol. 71
  23. ↑ Giorgio Vasari, Le Vite 1568
  24. ↑ Casimiro Romano, Memorie Istoriche Seite 44
  25. 1 2 Daria Colonna: Roma Sacra, S. 45
  26. ↑ Medioevo Roma
  27. ↑ Casimiro Romano, Memorie Istoriche Seite 263
  28. ↑ Text und Übersetzung gemäß Klaus Bartels: Roms sprechende Steine. Inschriften aus zwei Jahrtausenden gesammelt, übersetzt und erläutert. 4. Auflage, Philipp von Zabern, Darmstadt/Mainz 2012, ISBN 978-3-8053-4478-4, S. 31.
  29. ↑ Danta Alighieri: Paradies, XII, 124 - Ma non fia da Casal né d’Acquasparta,/ là onde vegnon tali alla scrittura,/ ch‘ uno la fugge, e l’altro la coarta.
  30. ↑ Richard Krautheimer: Rom. Schicksal einer Stadt 312–1308. C. H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-30575-X, S. 237.
  31. ↑ Casimiro Romano, Memorie Istoriche Seite 173
  32. ↑ Casimiro Romano, Memorie Istoriche Seite 370 ff.
  33. ↑ Informationstafel des FEC neben der Kapelle
  34. ↑ Casimiro Romano, Memorie Istoriche, Seite 360 ff.
  35. 1 2 Daria Colonna: Roma Sacra, S. 47.
  36. ↑ Casimiro Romano, Memorie Istoriche Seite 339
  37. ↑ Casimiro Romano, Memorie Istoriche Seite 318
  38. 1 2 Daria Colonna: Roma Sacra, S. 46.
  39. ↑ Casimiro Romano, Memorie Istoriche Seite 306
  40. ↑ Casimiro Romano, Memorie Istoriche S 291
  41. ↑ Daria Colonna Seite 42
  42. 1 2 Daria Colonna: Roma Sacra, S. 43.
  43. ↑ Medioevo.Roma
  44. 1 2 Daria Colonna: Roma Sacra, S. 42.
  45. 1 2 Daria Colonna: Roma Sacra, S. 41.
  46. ↑ U. Nersinger: S. 158
  47. ↑ Casimiro Romano, Memorie Istoriche Seite 670 totum montem Capitolii in integrum