| Santabarbarait | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
2000-052 |
| IMA-Symbol |
Sbb |
| Chemische Formel | Fe3+3[(OH)3|(PO4)2]·5H2O |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Phosphate, Arsenate und Vanadate |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VII/D.48-015 8.CE.80 42.10.01.02 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | keines, da amorph |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | nicht definiert |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 2,42 |
| Spaltbarkeit | keine |
| Bruch; Tenazität | muschelig; spröde |
| Farbe | orangebraun bis hellbraun; Bernsteingelb unter dem Mikroskop |
| Strichfarbe | braungelb |
| Transparenz | durchscheinend |
| Glanz | Glasglanz bis Fettglanz |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindex | n = 1,695 |
| Doppelbrechung | keine, da optisch isotrop |
Santabarbarait ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der chemischen Zusammensetzung Fe3+3[(OH)3|(PO4)2]·5H2O und ist damit chemisch gesehen ein Eisen-Phosphat mit zusätzlichen Hydroxidionen.
Santabarbarait ist eines der wenigen Minerale, das ähnlich wie Glas zu den amorphen Feststoffen gehört, das heißt die Atome in der Verbindung bilden keine geordneten Strukturen. Entsprechend findet er sich überwiegend in Form unregelmäßiger, derber Mineral-Aggregate und traubenförmiger Krusten, bildet aber auch Pseudomorphosen nach Vivianit.
Das Mineral ist durchscheinend und von orangebrauner bis hellbrauner Farbe bei gelblichbrauner Strichfarbe. Die Mineral-Oberflächen weisen einen glas- bis fettähnlichen Glanz auf.
Erstmals entdeckt wurde Santabarbarait in der Mina Santa Barbara nahe der Gemeinde Cavriglia in der italienischen Provinz Arezzo (Toskana) sowie am Wannon River nahe der Wannon Falls und der Stadt Hamilton im australischen Bundesstaat Victoria. Beide Fundorte gelten daher als Typlokalität, wobei der erste auch der Namensgeber des Minerals ist.
Analysiert und wissenschaftlich beschrieben wurde Santabarbarait durch Giovanni Pratesi, Curzio Cipriani, Gabriele Giuli und William D. Birch, die ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen zur Prüfung bei der International Mineralogical Association (IMA) einreichten (Eingangs-Nr. 2000-052). Die Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse und des anerkannten Namens erfolgte 2003 im „European Journal of Mineralogy“ Nr. 15 unter dem Titel Santabarbaraite: a new amorphous phosphate mineral.
Das Typmaterial des Minerals wird im Museo di Storia Naturale (Naturhistorisches Museum) in Florenz (Katalog-Nr. 2862/RI) aufbewahrt.
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Santabarbarait noch nicht aufgeführt.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/D.48-015. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, mit fremden Anionen“, wo Santabarbarait zusammen mit Ferrisymplesit, Gutsevichit (diskreditiert) und Yukonit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/D.48 bildet.
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Santabarbarait in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; mit H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; RO4 : H2O ≤ 1 : 2,5“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 8.CE.80 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Santabarbarait die System- und Mineralnummer 42.10.01.02. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)3(XO4)2Zq × x(H2O)“ in der „Ferrisymplesitgruppe“, in der auch Ferrisymplesit eingeordnet ist.

Santabarbarait bildet sich in Tonböden, meist vergesellschaftet mit Vivianit oder Metavivianit.
Als seltene Mineralbildung konnte Santabarbarait nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2015) etwas mehr als 10 Fundorte bekannt sind. Seine Typlokalität, die Mina Santa Barbara, ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in Italien.
In Deutschland kennt man das Mineral nur aus der Grube Mark bei Essershausen im hessischen Landkreis Limburg-Weilburg und aus Hagendorf in der Oberpfälzer Gemeinde Waidhaus.
Weitere bisher bekannte Fundorte sind unter anderem der Wannon River im australischen Bundesstaat Victoria, Anloua im Hochland von Adamaua in Kamerun sowie mehrere Orte auf der Halbinsel Kertsch, die den östlichsten Teil der Halbinsel Krim in der Ukraine bildet.
Das Mineral kommt auch als mineralisiertes Bindegewebe in Lebewesen vor, nämlich in den Zähnen der Molluske Cryptochiton stelleri.