
Dame Sarah Elisabeth Mullally DBE (geborene Bowser, * 26. März 1962 in Woking, Surrey) ist eine britische anglikanische Theologin und Erzbischöfin von Canterbury. Am 28. Januar 2026 wurde sie als erste Frau in dieses ranghöchste geistliche Amt der Church of England gewählt. Am 25. März 2026 erfolgte die Amtseinführung.
Sarah Mullally ist die Tochter von Michael und Ann Bowser. Sie besuchte die Winston Churchill Comprehensive School in Woking und absolvierte an der Nightingale School of Nursing und der London South Bank University eine Ausbildung zur Krankenpflege. Sie arbeitete unter anderem am St Thomas’ Hospital. Weitere Stationen ihrer beruflichen Arbeit waren das Royal Marsden Hospital und das Westminster Hospital. 1999 wurde sie zur Chief Nursing Officer and Director of Patient Experience for England im Gesundheitsministerium des Vereinigten Königreiches ernannt.
2001 wurde Mullally zur anglikanischen Diakonin und 2002 zur anglikanischen Priesterin geweiht. Sie gab ihr Amt als Chief Nursing Officer 2004 auf und arbeitete als Priesterin in verschiedenen Gemeinden im Raum London. 2005 wurde ihr in Anerkennung ihrer Leistungen in der Krankenpflege und in der Geburtshilfe als Dame Commander der Order of the British Empire verliehen. Von 2012 bis 2015 gehörte sie dem Domkapitel der Kathedrale von Salisbury an. Am 22. Juli 2015 wurde sie von Erzbischof Justin Welby zur Suffraganbischöfin von Crediton in der Diözese Exeter geweiht. Im Dezember 2017 wurde sie als Nachfolgerin des emeritierten Bischofs Richard Chartres zur Bischöfin der Diözese London in der Church of England ernannt. Nach ihrer Ernennung zur Bischöfin von London wurde sie am 14. März 2018 Mitglied des Privy Council. Am 10. April 2018 wurde sie als geistlicher Lord ins House of Lords aufgenommen. Ihre offizielle Amtseinführung als Bischöfin in der St Paul’s Cathedral fand am 12. Mai 2018 statt.
Im Oktober 2025 wurde bekanntgegeben, dass Mullally am 28. Januar 2026 das Amt der Erzbischöfin von Canterbury übernehmen soll, nachdem König Charles III. dem Vorschlag offiziell zugestimmt hat. Die Wahl wurde am 28. Januar 2026 bestätigt, damit hat sie das Amt offiziell aufgenommen. Im März folgte ein feierlicher Gottesdienst zur Amtsaufnahme. Mullally ist die erste Frau, die dieses Amt übernimmt. Bei der Bestätigung wurde sie in einem traditionellen Ritual in der Londoner St-Paul’s-Kathedrale in das Amt eingesetzt; dabei kündigte sie an, den Stimmen von Betroffenen sexualisierter Gewalt stärker Gehör zu verschaffen und die kirchlichen Schutz- und Aufsichtssysteme unabhängig von kirchlicher Einflussnahme zu stärken. Zugleich betonte sie angesichts politischer Spaltungen und globaler Verunsicherungen die Notwendigkeit zur Förderung von Orten des Teilens und der Gemeinschaft. Die Church of England zählt knapp über 25 Millionen Mitglieder; weltweit gehören rund 85 Millionen Gläubige zur anglikanischen Gemeinschaft, deren „Mutterkirche“ sie historisch ist. In der Vergangenheit wurde Mullally mangelnde Transparenz im Umgang mit Missbrauchsfällen vorgeworfen; sie erklärte, diesen Eindruck korrigieren zu wollen. Am 25. März 2026 erfolgte die Amtseinführung in Canterbury im Beisein des Prince of Wales als Vertreter des Königshauses. Im Zeichen der Ökumene trug sie dabei den Ring, welchen Papst Paul VI. dem Erzbischof von Canterbury 1966 überreicht hatte. Ihre erste Auslandsreise nach der Amtseinführung führte sie vier Tage lang nach Rom. Bei einem Empfang mit Papst Leo XIV. würdigten die beiden den gewachsenen freundschaftlichen Dialog der Anglikanischen Gemeinschaft und der römisch-katholischen Kirche sowie die Notwendigkeit für die Überwindung der Spaltung des Christentums und begangen ein gemeinsames Gebet in der Cappella di Urbano VIII.
Mullally hat wiederholt eine Stärkung der sozialen und palliativen Pflege gefordert und spricht sich gegen Initiativen zur Legalisierung der Sterbehilfe im Vereinigten Königreich aus. Sie unterstützt die Pläne der Church of England für Entschädigungen in Höhe von 100 Millionen Pfund aufgrund ihrer historischen Verstrickung in den transatlantischen Sklavenhandel und will diese trotz konservativer Kritik weiter vorantreiben. In Fragen der Sexualethik befürwortet sie Segnungen für LGBTQIA+-Paare, hält zugleich aber am kirchlichen Verständnis fest, dass die kirchliche Ehe eine Verbindung zwischen Mann und Frau ist. Zum Thema Schwangerschaftsabbruch vertritt sie die Auffassung, dass andere Frauen ein Recht auf einen Abbruch haben, während ihre persönliche Haltung eher „pro life“ sei. Sie berichtet, sowohl im Gesundheitswesen als auch in der Kirche Erfahrungen mit Misogynie gemacht zu haben und sieht es als wichtig an, dem öffentlich zu begegnen. Bei ihrer Ernennung kam es zu einem lautstarken Protest eines Gegners, welcher die Zeremonie jedoch nicht unterbrach. Mullally befürwortet die gleichgeschlechtliche Ehe. Einige anglikanische Kirchen in Afrika sagten sich im Herbst 2025 aus Protest gegen ihre Nominierung durch die zuständige Kommission und ihre Bestätigung durch König Charles III. von der Anglikanischen Gemeinschaft los.
Seit 1987 ist sie mit Eamonn Mullally verheiratet und hat mit ihm zwei Kinder.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Nick McKinnel | Bischöfin von Crediton 2015–2018 | Jackie Searle |
| Richard Chartres | Bischöfin von London 2018–2026 | derzeit vakant |
| Justin Welby | Erzbischöfin von Canterbury 2026–heute | aktuelle Amtsinhaberin |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mullally, Sarah |
| ALTERNATIVNAMEN | Mullally, Sarah Elisabeth (vollständiger Name); Bowser, Sarah (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | britische anglikanische Bischöfin der Church of England |
| GEBURTSDATUM | 26. März 1962 |
| GEBURTSORT | Vereinigtes Königreich |