| Sardascht | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Provinz: | West-Aserbaidschan | |
| Koordinaten: | 36° 9′ N, 45° 29′ O | |
| Höhe: | 1510 m | |
| Einwohner: | 46.412 (2016) | |
| Zeitzone: | UTC+3:30 | |
| Politik | ||
| Bürgermeister: | Mohammad Reza Saeedzadeh | |
Sardascht (persisch سردشت, DMG Sar-Dašt; kurdisch Serdeşt) ist eine Stadt in der iranischen Provinz West-Aserbaidschan, die hauptsächlich von Kurden bewohnt ist. Der Name der Stadt setzt sich zusammen aus persisch سر, DMG sar, ‚Kopf‘, ‚Haupt‘, ‚Gipfel‘ sowie دشت, DMG dašt, ‚Ebene‘ und bedeutet wörtlich „auf der Ebene [liegend]“, womit die umgebende Hochebene gemeint ist.
Die Stadt Sardascht liegt südwestlich des Urmiasees in bis 1510 Meter Höhe und bildet die Hauptstadt des gleichnamigen County Sardascht in der Provinz West-Aserbaidschan. Sie bildet im Westen einen „Null-Grenzpunkt“ mit der etwa 100 km langen gemeinsamen Grenze mit der Autonomen Region Kurdistan des Irak. Im Süden benachbart ist die Provinz Kurdistan, im Norden die Stadt Piranschahr und im Osten die Stadt Mahabad. Zu den Besonderheiten der Gegend gehört die Geravan-Mineralquelle, die für die Therapie von Hautkrankheiten genutzt wird.
Bei der Volkszählung des Statistical Centre of Iran am 24. September 2016 hatte Sardascht 46.412 Einwohner, davon 23.517 Männer und 22.895 Frauen. Der County Sardascht hatte am selben Tag 118.849 Einwohner (vorher 111.590 bei der Zählung 2011), womit 39 Prozent der Gesamtbevölkerung auf die Hauptstadt fällt. Die Bevölkerung von Sardascht besteht mehrheitlich aus Kurden.
Die Wirtschaft Sardaschts ist vor allem von seiner Lage an der irakischen Grenze geprägt. In der Stadt befinden sich mehrere offizielle Grenzmärkte, darunter Kileh (Kele), Qasem Rosh und Ashkan, über die ein Teil des Exports heimischer Produkte abgewickelt wird. Regelmäßig offen ist gegenwärtig nur noch der Markt in Kileh, die übrigen sind meist während des Winters geschlossen. Der Grenzübergang Kele wurde 2019 von der iranischen Regierung offiziell anerkannt und ist die kürzeste direkte Handelsverbindung in die Autonome Region Kurdistan bzw. dem Nordirak. In der ersten Jahreshälfte 2023 wurden über diesen Übergang Güter im Wert von mehr als 94 Millionen US-Dollar importiert, 80 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Täglich exportieren über 180 Lastwagen Waren aller Art, wie Fliesen, Keramik, Eisengegenstände, Blähton, Kunststoffprodukte und Lebensmittel. Ghorbanali Sa’adat (persisch قربانعلی سعادت), Gouverneur der Provinz West-Aserbaidschan, gab bereits 2017 an, dass mit der offiziellen Grenzöffnung mehr als 2.000 Arbeitsplätze geschaffen würden.
Da die übrigen Grenzmärkte unregelmäßig geöffnet sind, wenden sich die Einheimischen vielfach der Landwirtschaft, der Viehzucht oder dem Maschinenbau sowie der Ziegeleien und Backsteinfabriken zu. Daneben pflegt der Grenzhandel durch sogenannte „Kolbar“ (Lastenträger) das wirtschaftliche Leben der Gegend stark zu beeinträchtigen. Landesweit bis zu 170.000 iranische Kurden bestreiten ihren Lebensunterhalt als Grenzkuriere. Ein erheblicher Teil von ihnen ist in der Umgebung von Sardascht und Piranschahr tätig. Diese Tätigkeit ist mit erheblichen Risiken verbunden, darunter Beschuss durch Grenztruppen, Abstürze in bergigem Gelände und Erfrieren. Eine wissenschaftliche Studie zur ökonomischen Stabilität der Stadt bewertete deren Stabilitätsgrad mit 2,8 Punkten und damit unterhalb des theoretischen Mittelwerts.
Isoliert am Fuß des Zagrosgebirges ist Sardascht die fruchtbarste Obstbauregion Iranisch-Kurdistans und ist für seine schwarzen Trauben bekannt. Daneben werden Granatäpfel, Feigen und Pfirsiche angebaut. Auch die Imkerei stellt einen bedeutenden Erwerbszweig dar. Erzeuger sehen sich mit fehlender Kühllagerung und Großhandelsinfrastruktur konfrontiert, was viele veranlasst, ihre Ernte direkt ab Hof zu niedrigen Preisen an Zwischenhändler zu verkaufen.
Der Giftgasangriff auf Sardascht am 28. Juni 1987 war der erste großangelegte Chemiewaffenangriff des Irak auf eine iranische Stadt während des Ersten Golfkriegs. Vorausgegangen war ihm bereits am 21. April 1987 ein kleinerer irakischer Giftgasangriff auf Sardascht als Vergeltung für eine iranisch-kurdische Militäroperation, bei dem 60 Menschen verletzt wurden. Am 28. Juni 1987 warf die irakische Luftwaffe in zwei Angriffswellen vier 250-kg-Bomben mit Senfgas über der Stadt ab. Das haut-, augen- und atemwegsschädigende Gas forderte im Laufe der folgenden Jahre über 100 Todesopfer, wobei die Opferzahlen in den ersten Wochen nach dem Angriff kontinuierlich anstiegen. Auch danach wurde Sardascht im Januar und März 1988 erneut mit chemischer Artilleriemunition beschossen. Langzeitstudien an mehreren hundert Betroffenen dokumentierten in der Folge anhaltende gesundheitliche Spätfolgen der Senfgas-Exposition.