Saudosismo bezeichnet in der portugiesischen Literaturgeschichte eine Bewegung sowohl der Erneuerung der portugiesischen Dichtung als auch der portugiesischen Nation (Renascença Portuguesa) mit Höhepunkt in der zweiten Dekade des 20. Jahrhunderts.
Der Begriff leitet sich her von portugiesisch saudade, was nur ungefähr mit Sehnsucht, Schwermut übersetzt werden kann.
Der Begründer und Hauptvertreter des Saudosismo, Joaquim Pereira Teixeira de Pascoaes (recte: de Vasconcelos, 1877–1952), forderte die Besinnung auf die „portugiesische Seele“ (alma portuguesa), die er in der saudade erblickt:
Als Hauptmerkmal der Dichtung gilt denn auch das „Mysterium“, die „leidenschaftliche Kommunizierung mit den Dingen“, die sich dem Menschen noch nicht offenbart haben. Der moderne portugiesische Lyriker Fernando Pessoa (1888–1935), einige Zeit lang Anhänger der Bewegung, zitierte 1912 diese Verse von Teixeira de Pascoaes als „repräsentativ“ für den „erhebenden Ton“ (elevação) des Saudosismo:
„A folha que tombava
Era alma que subia.“
„Das Blatt, das niedersank,
War Seele, die emporstieg.“
Die Verwandtschaft zum französischen Symbolismus lehnen Pessoa wie auch Teixeira de Pascoaes entschieden ab.