Saugwagen

Saugwagen

Ein Saugwagen (auch Saugfahrzeug oder Vakuumsauger genannt) ist ein Nutzfahrzeug, mit dem flüssige und pastöse Materialien oder feinkörnige Feststoffe mittels einer Vakuumpumpe abgesaugt werden können; es gehört zu den Tankfahrzeugen. Zusätzlich kann auch Material per Überdruck transportiert – und dann wieder ausgeblasen – werden (Saug-Druck-Tankfahrzeug).

Transportfahrzeuge für rieselfähiges Transportgut (wie Getreide, Holzpellets), die teils ebenfalls eine eigene Ausblasvorrichtung haben, nennt man hingegen Silowagen. Sonstige – unter Umständen auch auf Fahrzeugen montierte – Geräte, die statt einer Pumpe mit einem Gebläse und hohen Luftgeschwindigkeiten arbeiten, bezeichnet man als Saugbagger.

Arten von Saugwagen

Vollbeladener Absaugwagen mit Aufbau zur Reinigung von mobilen Toiletten, Platz für 2 m³ Fäkalabwasser und 1 m³ Frischwasser

Saugwagen werden aufgeteilt in:

Standardsaugwagen heben Flüssigkeiten aus Schächten oder Gruben. Die Fahrzeuge können Suspensionen und pastöse Materialien wie Schlämme absaugen. Sie eignen sich nicht gut für trockene Feststoffe wie Sand, Kies und Steine, da der übliche Luftdurchsatz von bis zu 4000 m3 pro Stunde hierfür nicht ausreicht. Je nach Höhe über dem Meeresspiegel kann ein bis zu 90-prozentiges Vakuum erzeugt werden.

Hochleistungssaugwagen haben stärkere Vakuumpumpen sowie oft auch andere Filtersysteme. Luftdurchsatz liegt in der Regel zwischen 6500 m3/Std. und 21.000 m3Std. und können neben Schlamm auch Kies absaugen. Sie erreichen etwa 85 % Vakuum. Einige Saugfahrzeuge können per Injektorprinzip Kies auf Flachdächer in über 100 Meter Höhe verblasen.

Chemiesaugwagen werden aus korrosionsbeständigen Werkstoffen, Dichtungen und Armaturen sowie in der Regel nach den Vorschriften für Gefahrguttransporte (ADR) gefertigt. Beispielsweise müssen die Schweißnähte geröntgt oder mit Ultraschall geprüft werden. Der Tank wird je nach Berechnungsdruck mit bis zu 10 bar, in Ausnahmefällen bis 21 bar Prüfdruck beaufschlagt. Der Tank besteht meist aus rostfreiem Stahl V4A oder ist mit einer Innenbeschichtung versehen. Je nach Baumusterzulassung bestehen Vorschriften hinsichtlich Art, Anzahl oder Platzierung der Ansaug- und Auslassöffnungen. Die Tankcodierung benennt den maximalen Druck sowie die Anzahl und die Orte der Öffnungen.

Alle Saugwagen können nach den Vorschriften für Gefahrgut (ADR) hergestellt und mit den entsprechenden Sicherheitsinstallationen (Überdruck-Sicherheitsventile, Schutzbügel) ausgestattet werden. Je nach Land werden in unterschiedlichen Intervallen ADR-Prüfungen vorgenommen, bei denen die Fahrzeuge unter anderem mit Druck auf Dichtheit untersucht werden.

Prinzip

Saugwagen im Einsatz (Kanalreinigung)
Saugwagen für Straßenmüll, Köln 2017

Bestandteile eines Saugwagens:

Tank

Saugwagen besitzen einen vakuumbeständigen Tank, der 90 % Vakuum standhält. Er ist oft aus Normal- oder Chromstahl gefertigt und ca. 5–8 mm stark (bei Hochleistungssaugwagen auch mehr, um höherem Verschleiß standzuhalten). Verstärkungsringe an der Tankaußenwandung erhöhen die Stabilität. In der Regel ist ein hinterer Tankdeckel vorhanden, durch den das abgesaugte Material abgekippt wird. Chemiefahrzeuge besitzen stattdessen oft nur Anschlüsse in Größen von 1″ bis 6″. Am Tankscheitel schwimmt eine von einem Käfig gehaltene Kugel auf dem abgesaugten Material obenauf, um die Saugöffnung zur Pumpe zu verschließen, wenn der Tank voll ist. Je nach Pumpentyp könnte ein Übersaugen ansonsten kleinere oder größere Schäden verursachen.

Abscheidersystem

Das Abscheidesystem trennt das angesaugte Material vom Förderstrom ab, damit dieses im Tank verbleibt und nicht in die Pumpe gelangt:

Pumpe

Die Pumpe erzeugt das Vakuum. Durch die Druckdifferenz zwischen Tank und Umwelt wird das Material – je nach Betrachtungsweise – in den Tank gezogen oder gedrückt. Die Pumpenart sind auch in ATEX-Ausführung erhältlich, um in explosionsgefährdeten Arbeitsbereichen eingesetzt zu werden. Es gibt verschiedene Pumpenarten:

Beim Absaugen von Flüssigkeiten, die kaum Feststoffe enthalten, kann die Drehkolbenpumpe auch vor dem Tank installiert werden, sodass das zu befördernde Medium durch die Pumpe hindurch geleitet wird. Der Tank muss dann nicht vakuumbeständig sein und kann als reiner Transporttank dünner und leichter gebaut werden. Drehkolbenpumpen finden oft im chemischen und lebensmitteltechnischen Bereich Einsatz. Die Zahnräder müssen mit einer Speziallegierung versehen werden, um gegen Laugen, Säuren usw. resistent zu sein. Je nach Pumpenart beträgt die maximale Feststoffgröße 0,5 cm bis 5 cm.

Antrieb

Der Antrieb erfolgt meist hydraulisch oder mittels Keil- und Mehrrippenriemen. Eher selten ist der Direktantrieb über eine Kardanwelle. Der Leistungsverlust ist beim hydraulischen System am größten und beim Kardanantrieb am kleinsten. Der Keilriemenantrieb hat wenig Verluste, wenn er korrekt gespannt ist.

Verschiedenes

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Bernd Bilitewski, Klaus Marek, Georg Härdtle: Abfallwirtschaft: Handbuch für Praxis und Lehre. 3. Auflage. Springer, Berlin/Heidelberg 2000, ISBN 3-540-64276-5, S. 116, 125 (729 S., eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. ↑ Verordnungen in der Schweiz (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)