Ein Schätzproblem ist ein Begriff aus der mathematischen Statistik, der die Schätztheorie als statistisches Entscheidungsproblem auffasst und alle für die Schätzung relevanten Informationen zusammenfasst. Dazu gehört, welche Werte die Daten annehmen, welche Wahrscheinlichkeitsmaße in Betracht gezogen werden, welche Eigenschaften der betrachteten Wahrscheinlichkeitsmaße geschätzt werden sollen und wie groß der Schaden ist, der durch einen Schätzfehler entsteht.
Ein Schätzproblem ist ein Quadrupel
bestehend aus
Das Schätzproblem fasst alle relevanten Informationen über die Schätzung zusammen:
Ein typischer Fall eines Schätzproblems ist die Schätzung des Erwartungswertes einer Wahrscheinlichkeitsverteilung bei unabhängig wiederholten Versuchen. Dabei betrachtet man meist die Menge , versehen mit der σ-Algebra . Verfügt man über keine weiteren Informationen, so definiert man zuerst die Familie aller Wahrscheinlichkeitsmaße auf mit endlichem Erwartungswert und betrachtet dann deren n-fache Produktmaße. (Die Schreibweise als indizierte Familie wirkt hier unnatürlich und ist aus Gründen einer einheitlichen Darstellung beibehalten. In diesem Fall würde man selbst als Menge aller betrachteten Wahrscheinlichkeitsmaße wählen und setzen.)
Das statistische Modell ist also gegeben durch
Der Entscheidungsraum ist lautet
denn die Entscheidung entspricht der Schätzung des Erwartungswertes und dieser ist eine reelle Zahl.
Die zu schätzende Funktion ist dann
Sie ordnet jedem den Erwartungswert des zugehörigen Wahrscheinlichkeitsmaßes zu.
Eine mögliche Verlustfunktion wäre der Gauß-Verlust, der durch
gegeben ist.