
Schachbriefmarken sind Briefmarken mit Motiven, die sich auf das Schachspiel, seine Figuren, Spieler, Turniere oder seine Kulturgeschichte beziehen. Das Sammelgebiet gehört zur Motivphilatelie und überschneidet sich mit schachbezogenen Poststempeln, Ersttagsbriefen, Ganzsachen und anderen philatelistischen Belegen. Es verbindet damit zwei eigenständige Sammeltraditionen: die Philatelie und das Schach.
Als erste Briefmarke mit Schachmotiv gilt eine bulgarische Marke, die am 29. September 1947 zu den Balkanspielen in Sofia erschien. Sie gehörte zu einem Satz von fünf Sportmarken, zeigte einen weißen Springer auf orangebraunem Grund und hatte einen Nennwert von 9 Lewa. Bereits 1948 folgte die Sowjetunion mit einer dreiteiligen Ausgabe zur Schachweltmeisterschaft 1948 in Moskau.
Zu den frühen Ausgaben gehörten auch ein jugoslawischer Satz zur Schacholympiade 1950 in Dubrovnik und weitere Ausgaben in osteuropäischen Staaten. Die Deutsche Post (DDR) gab 1960 zur Schacholympiade 1960 in Leipzig einen Satz von drei Schachmarken heraus. In den 1960er Jahren griffen zunehmend auch Postverwaltungen außerhalb Europas auf Schachmotive zurück; frühe Beispiele waren Ausgaben aus Kuba, den Niederländischen Antillen und den Philippinen.
Auch in der Bundesrepublik Deutschland erschienen Schachmotive auf Briefmarken. Am 13. März 2008 brachte die Deutsche Post eine Sonderbriefmarke zur Schacholympiade 2008 in Dresden heraus. Sie hatte einen Frankaturwert von 55 Cent und wurde für 80 Cent verkauft; der Zuschlag kam der Stiftung Deutsche Sporthilfe zugute.
Schachbriefmarken zeigen sehr unterschiedliche Motive. Häufig sind einzelne Schachfiguren, vollständige Schachbretter oder symbolische Darstellungen des Spiels. Daneben erscheinen Porträts bekannter Schachspieler, Hinweise auf Schachweltmeisterschaften, Schacholympiaden und andere Turniere sowie Motive aus der Geschichte des Schachspiels. Besonders bei Briefmarken zu Schachereignissen werden oft Figuren, Brettmuster, Turnierembleme oder stilisierte Spielsituationen miteinander kombiniert.
Ein Teil der Ausgaben ist unmittelbar an konkrete Schachereignisse gebunden, etwa Weltmeisterschaften, Olympiaden oder nationale und internationale Jubiläen. Andere Ausgaben stellen Schach als Kulturgut dar, etwa durch historische Figuren, berühmte Spielerinnen und Spieler oder Bezüge zur nationalen Schachtradition eines Landes.
Zum Sammelgebiet gehören neben den eigentlichen Briefmarken auch Ersttagsbriefe, Sonderstempel, Ganzsachen, Maximumkarten und weitere philatelistische Belege mit Schachbezug. Bei größeren Schachveranstaltungen geben Postverwaltungen häufig begleitende Stempel oder Ersttagsbelege heraus. Solche Belege sind für Schachmotivsammler oft ebenso wichtig wie die Marken selbst, weil sie Anlass, Ausgabetag und postalische Verwendung dokumentieren.
In Deutschland besteht die Gemeinschaft der Schachmotivsammler, die nach eigener Darstellung weltweit rund 150 Mitglieder hat und neben Briefmarken auch Motivstempel, Telefonkarten, Schachpostkarten, Autogramme, Bücher, Münzen und Medaillen mit Schachbezug sammelt. Im englischsprachigen Raum ist die Chess on Stamp Study Unit (COSSU) auf Schachphilatelie spezialisiert; ihre Mitglieder erhalten die Zeitschrift Chesstamp Review und können an Auktionen und Verkaufsangeboten der Vereinigung teilnehmen.
Zu den bekanntesten Schachspielern mit philatelistischem Bezug zählt Anatoli Karpow, der wiederholt als bedeutender Briefmarkensammler beschrieben wurde. 2014 zeigte die Universal Postal Union in Bern eine Ausstellung aus Karpows olympischer Sammlung mit Briefmarken, Blocks, Umschlägen, Postkarten und Sonderstempeln zu Olympischen Winterspielen. Auch in schachjournalistischen Quellen wird Karpow als Philatelist mit umfangreicher Schachmarkensammlung beschrieben.