
Die Scharn (auch Scharne, Scharren, Scharrn) waren in mittelalterlichen Städten Stände, an denen Brot (Brotscharren, Brodscharren) oder Fleisch (Fleischscharren) angeboten wurden. Oft befanden sich die Scharren in einer Markt- oder Fleischhalle. Als Scharn sind solche Orte beispielsweise in Berlin, Braunschweig, Duisburg, Dortmund oder Minden überliefert.
In Alsfeld wurde das Erdgeschoss des 1564 errichteten städtischen Hochzeitshauses als Fleischschirn konzipiert, es existiert bis heute. In Warendorf hat sich das 1653 erneuerte Gebäude bis heute erhalten.
Laut Aufzeichnungen der Brüder Grimm kamen in Deutschland unterschiedliche Schreibweisen für diese Verkaufsstellen für Brot oder Fleisch vor.
Das Wort hat vermutlich keinen Bezug zu dem Verb „scharren“, sondern ist wohl durch eine Umstellung des Buchstaben „r“ aus „schranne“ (althochdeutsch scranna) entstanden. Dies steht im Zusammenhang mit italienisch scranna ‚Feldstuhl, Gerichtsstuhl‘ („Bank, auf die Verbrecher bei der Züchtigung geschnallt werden“, oder Sitzbank der Beisitzer bei Gericht) und ist eventuell verwandt mit französisch escran, écran ‚Ofenschirm‘.
Erhalten ist das Wort auch in den Bezeichnungen für Straßen und Plätze (Schrangen, Schrangenplatz, Schrangenstraße; in Riga: Skārņu iela = Scharrenstraße). Verwandt sind die Schranke als Absperrung eines Bereiches und der Schrank als Aufbewahrungsplatz von Waren.
