Die Schatulle (von italienisch scatola, Schachtel oder Dose, Kästchen mit Deckel) ist ein kleiner, oft kunstvoll verzierter Kasten zur Aufbewahrung für Geld oder Wertsachen.
Eine Schatulle kann aus Holz (z. B. Römhilder Kästchen), Leder, Stein (Schmuckstein), Elfenbein oder auch Metall gearbeitet sein. Im Mittelalter war auch ein Minnekästchen zum Minnedienst als Schatulle gestaltet. In moderner Abwandlung der historischen Funktion gab es auch Zigaretten-Schatullen.
Als Schatulle wurden früher auch blecherne Kapseln zum Verschicken von Akten bezeichnet. Ganz ähnlich wie eine Schatulle gestaltet und konstruiert sein können auch kleine Truhen, Zunftladen, Geldkassetten oder Reliquienkästchen.
Im übertragenen Sinne bezeichnete Schatulle auch die Privatkasse oder Hausschatz eines Regenten; davon leiten sich die Schatullengüter ab, die der Regent privat erwarb und nutzte.
In der Weltliteratur und im Märchen dient die Schatulle oft als zentrales Motiv für das Verborgene, das Intime oder als Prüfstein des Charakters. Sie steht metaphorisch für das Geheimnisvolle oder das menschliche Herz, in dem Kostbarkeiten und Erinnerungen bewahrt werden.
Das bekannteste literarische Beispiel ist die „Kästchenszene“ in William Shakespeares Komödie Der Kaufmann von Venedig. Hier müssen die Freier der Portia zwischen einer goldenen, einer silbernen und einer bleiernen Schatulle wählen, wobei der Inhalt der Behälter über Erfolg oder Scheitern der Brautwerbung entscheidet. Auch in der Märchenwelt (etwa bei den Brüdern Grimm) ist das Auffinden eines kleinen Kästchens oft der Wendepunkt einer Erzählung, der entweder Reichtum oder eine moralische Lehre bereithält.
Besonders im Barock und Rokoko erreichten Schatullen eine hohe kunsthandwerkliche Komplexität. Neben kostbaren Oberflächenverzierungen wie Intarsien, Marketerie, Emaillierung oder Beschlägen aus Feuervergoldung wurden sie oft mit ausgeklügelten Geheimmechanismen ausgestattet. Diese dienten dem Schutz vor unbefugtem Zugriff und umfassten z. B. Geheimfächer mit doppelten Böden oder hinter Zierleisten verborgene Schubladen. Ebenso versteckte Tastenauslöser, die erst durch Druck auf ein bestimmtes Ornament das Schlüsselloch freigaben oder den Deckel sprangen ließen. Ferner kamen Kombinationsschlösser zum Einsatz, die bereits im 17. Jahrhundert an Geldkassetten verwendet wurden und als frühe mechanische Vorläufer moderner Tresorschlösser gelten.
Ab dem 18. Jahrhundert entwickelte sich die Schatulle vom rein funktionalen Tresorgut der Regenten zum festen Bestandteil der bürgerlichen Wohnkultur. Vor allem als „Schmuckschatulle“ auf dem Toilettentisch (im Boudoir) wurde sie zu einem privaten Rückzugsort. In einer Zeit, in der es kaum private Zimmer für einzelne Familienmitglieder gab, war die abschließbare Schatulle oft der einzige Ort, an dem persönliche Gegenstände, Tagebücher oder Liebesbriefe vor den Augen Dritter geschützt waren.
Im modernen Sprachgebrauch wird der Begriff „Schatulle“ zudem häufig metaphorisch im Finanzwesen verwendet (z. B. „die staatliche Schatulle“), was auf die historische Funktion als Privatkasse von Herrschern zurückzuführen ist.